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Coronavirus in NRW: Zahl der Neuinfektionen auf April-Niveau

Bundesweiter Spitzenreiter : NRW bei Corona-Neuinfektionen auf April-Niveau

Seit Tagen liegen die Corona-Fallzahlen in NRW auf April-Niveau und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Besonders das Ruhrgebiet ist betroffen.

Anfang Juni schien die Corona-Pandemie in NRW besiegt. Kaum mehr als 40 Neuinfektionen im gesamten Land zählte das Robert-Koch-Institut (RKI) damals an mehreren Tagen. Entsprechend reagierte die Landesregierung und lockerte jene Maßnahmen, die auf dem Höhepunkt der Krise das öffentliche Leben, aber auch die Ausbreitung des Coronavirus fast gestoppt hatten.

Mittlerweile ist NRW wieder in Alarmbereitschaft. Ministerpräsident Armin Laschet zeigt sich besorgt über die jüngste Entwicklung. Laschet ermahnte die Bürger, weiter die Abstands- und Hygienemaßnahmen einzuhalten. Die Sorge ist statistisch begründet: Die Zahlen steigen deutlich, mit Ende der Sommerferien ist NRW in Sachen Neuinfektionen bundesweit klarer Spitzenreiter unter allen Bundesländern.

Um die Entwicklung bundesweit vergleichen zu können, braucht es folgenden Wert: Anzahl der neuen Infektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner.

Bundesweit lag der Wert am Mittwoch bei sieben Fällen, NRW kam den vierten Tag in Folge mit mehr als 13 auf einen fast doppelt so hohen Wert. In totalen Zahlen bedeutet das: Die Gesundheitsämter im Land meldeten zuletzt durchschnittlich mehr als 330 positive Tests pro Tag. Derart viele neue Corona-Erkrankungen gab es in NRW zuletzt Ende April. Laut Landesregierung ist etwa jede vierte Neuinfektion ist auf Reiserückkehrer zurückzuführen. Dabei gehe es sowohl um Rückkehrer aus dem Inland als auch aus dem Ausland.

Auch bundesweit ist die Tendenz alarmierend. Am Mittwoch wurden insgesamt 1226 positive Covid-19-Tests gemeldet, so viele wie seit dem 1. Mai nicht mehr (damals 1458). Entsprechend hoch ist zurzeit auch die Zahl der akut Infizierten: Laut RKI liegt sie in Deutschland über 10.500, allein NRW kommt auf mehr als 4300 aktive Fälle.

Der Schwerpunkt der negativen Entwicklungen liegt dabei im bevölkerungsreichen Ruhrgebiet. So weisen der Kreis Unna und die Städte Herne, Hagen, Dortmund und Duisburg alle einen Wert von über 20 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner auf. Gleiches gilt für den Kreis Mettmann und die Stadt Mönchengladbach.

Angesichts dieser Zahlen könne es derzeit keine weiteren Lockerungen geben, erklärte Laschet bereits am Dienstag. Verschärfungen der aktuellen Maßnahmen drohen jedoch erst, wenn der Grenzwert 50 erreicht ist. Dies ist derzeit einzig im bayerischen Landkreis Dingolfing-Landau der Fall.

Bei all den besorgniserregenden Kennziffern scheinen zumindest immer weniger Menschen am Virus zu sterben. In den vergangenen sieben Tagen meldete das RKI lediglich 14 Todesfälle, in der Vorwoche waren es noch 21. Und: Vom Negativrekord, 1207 positive Tests an einem Tag am 2. April, ist NRW weit entfernt. Auch die 304 Kliniken im Land mit Intensivstationen scheinen für eine etwaige zweite Welle gerüstet. Zurzeit werden dort lediglich 76 Covid-Patienten behandelt, knapp 3000 Intensivbetten stehen zur Verfügung.