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Coronavirus | Google-Daten zeigen: Menschen in NRW weniger unterwegs

Google veröffentlicht Nutzerdaten : Menschen in NRW wegen Corona-Pandemie weniger unterwegs

Google hat anonymisierte Daten über die weltweiten Standort-Bewegungen seiner Nutzer veröffentlicht. Auch für NRW liegt eine Auswertung vor. Die Daten sollen helfen, die Wirksamkeit von Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu überprüfen.

Der US-Internetgigant Google will im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus Standortdaten seiner Nutzer veröffentlichen. Eine Auswertung der Daten aus 131 Ländern ist seit dem 3. April auf einer speziellen Website verfügbar, teilte der Konzern mit. Die Statistiken zeigen laut Google an, ob das Besuchsaufkommen in Parks, Geschäften, Häusern oder Arbeitsplätzen zu- oder abnehme.

Der Konzern veröffentlichte nicht nur Daten für ganz Deutschland, sondern auch für die einzelnen Bundesländer. Für Nordrhein-Westfalen zeigen die Zahlen einen Trend: Die Menschen sind weniger an öffentlichen Orten unterwegs: 77 Prozent weniger Besuchszeit in Einzelhandelsgeschäften und Freizeiteinrichtungen. Auch in Lebensmittelgeschäften, Apotheken und Parks halten sich die Menschen seltener und kürzer auf (etwa minus 50 Prozent). Für Bahnhöfe und Haltestellen dokumentieren die Daten ein Minus von 70 Prozent, Die Besuchszeiten von Büros und sonstige Arbeitsplätzen haben sich um 38 Prozent verkürzt. Dafür haben die Google-Nutzer elf Prozent mehr Zeit Zuhause verbracht.

Google verglich für seinen sogenannten „Community Mobility Report“ die Standortdaten seiner Nutzer vom 16. bis zum 29. März mit dem entsprechenden Wochentag in der Zeit vom 3. Januar bis zum 6. Februar. NRW liegt dabei im bundesweiten Trend. Auch in allen anderen Bundesländern hat die Besuchszeit von öffentlichen Orten in den vergangenen Wochen rapide abgenommen: in Einzelhandelsgeschäften und Freizeiteinrichtungen hielten sich die Bundesbürger 77 Prozent weniger auf. Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Parks wurden etwa 50 Prozent weniger stark frequentiert als im Vergleichszeitraum.

Bei der Methode werde die prozentuale Veränderung angezeigt, nicht aber die Gesamtzahl der Besuche, erklärten die Leiterin des Kartendienstes Google Maps, Jen Fitzpatrick, und Googles Gesundheitsbeauftragte Karen DeSalvo. "Wir hoffen, dass diese Berichte dabei helfen, Entscheidungen zum Umgang mit der Covid-19-Pandemie zu treffen." Rückschlüsse auf das Bewegungsprofil einzelner Nutzer sollen laut Google nicht möglich sein.

Der weltweit größte Datensatz von Milliarden Handynutzern in 131 Ländern kann Gesundheitsbehörden dabei helfen, festzustellen, ob sich Menschen beispielsweise an Ausgangssperren halten. Die Berichte enthalten Tabellen, die abbilden, inwieweit die Besuche von Bahnhöfen, Busstationen oder Bäckereien abgenommen haben.

Dies solle es Regierungen weltweit ermöglichen, die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Vermeidung sozialer Kontakte zu überprüfen. Dazu werden laut Google „aggregierte und anonymisierte“ Daten von Nutzern verwendet, die der Speicherung ihrer Standortinformationen zugestimmt haben.

Laut Google setzen sich die Datensätze aus Informationen über die Nutzung des Internets sowie von Google-Anwendungen zusammen. In weiteren Analysen könnten der Alphabet-Tochter zufolge zusätzliche Kenntnisse aufgenommen werden.

Zahlreiche Länder wie China, Südkorea oder Israel setzen im Kampf gegen das Coronavirus bereits massiv auf die Auswertung von Handydaten. Datenschützer und Menschenrechtsaktivisten sehen darin eine Bedrohung für die Privatsphäre der Bürger und warnen vor einem Dammbruch bei der Überwachung. In Deutschland wird derzeit über den Einsatz einer sogenannten Tracking-App diskutiert, über die Nutzer freiwillig ihre Standortdaten übermitteln können.

(anst/Reuters/AFP)