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Coronavirus Bonn: Schwangere dürfen mit Mann in Kreißsaal - Maßnahme geändert

Corona-Maßnahme in Bonn gekippt : Werdende Väter dürfen nun doch in den Kreißsaal

Dass Schwangere in Bonn nicht von ihrem Partner zur Geburt begleitet werden dürfen, hat für große Empörung gesorgt. Die ansässigen Krankenhäuser mit Geburtshilfe haben diese Regelung nun wieder gelockert.

Wie die GFO-Kliniken am Montag auf ihrer Webseite mitteilten, dürfen werdende Mütter im Krankenhaus St. Marien ab sofort wieder in Begleitung in den Kreißsaal. Kurzzeitig sei das zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus nicht möglich gewesen, was sowohl bei Schwangeren als auch werdenden Vätern für Kritik gesorgt hat.

Diese Entscheidung wurde auch von weiteren Bonner Kliniken wieder aufgehoben. Am späteren Montagabend erklärte das Bonner Universitätsklinikum auf seiner Website, dass Besuche unter Besonderen Auflagen wieder möglich seien. Diese Regelungen gelten ebenfalls für das Johanniter-Krankenhaus und das Gemeinschaftskrankenhaus Bonn.

Ein neuer Erlass des Landesministeriums ermögliche den Kliniken eine leichte Auflockerung des Besuchsverbots. Die Bonner Geburtskliniken hätten nach „einem gangbaren Weg gesucht, der dem notwendigen Schutz der Menschen im Krankenhaus Rechnung trägt und zugleich eine eng begrenzte Begleitmöglichkeit erlaubt“.

Demnach sei es in den Bonner Kliniken, die Geburtshilfe leisten, ab sofort möglich, eine Bezugsperson in den Kreißsaal mitzunehmen. Das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus soll durch strenge Auflagen minimiert werden:

  • Begleitpersonen müssen vorab einen Fragebogen zum eigenen Gesundheitszustand ausfüllen.
  • Sie werden mit einem Mundschutz ausgestattet und müssen sich einer strengen Händedesinfektion unterziehen.
  • Zu den Hebammen ist ein Abstand von 1,5 Metern einzuhalten.
  • Während der Geburt darf der Kreißsaal nicht verlassen werden.
  • Bei einem Kaiserschnitt ist keine Begleitung erlaubt.
  • Der Besuch der Wöchnerinnenstation bleibt für Väter und andere Angehörige untersagt.
  • Mutter und Kind dürfen bei Verlegung auf die nachgeburtliche Station von dem Vater bzw. der Bezugsperson nicht begleitet werden.
  • Den Anweisungen des Klinikpersonals ist stets Folge zu leisten.

Christoph Lahusen, der mit seiner Frau in acht Wochen ein Kind erwartet, ist glücklich über diese Entscheidung: „Ich habe zwar Verständnis gehabt, aber meine Frau und ich sind schon erleichtert. Als Vater habe ich eine recht kleine Rolle, aber immerhin doch die Möglichkeit, meiner Frau helfen zu können“, sagte der 29-jährige Bonner.

Vor einer Woche hatten die Krankenhäuser mitgeteilt, dass sich das Besuchsverbot auch auf werdende Väter bezieht. Begründet hatte das Uniklinikum diesen Schritt mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko für Mitarbeiter wie Hebammen. Die Krankenhäuser müssten außerdem mit ihrer Schutzkleidung haushalten. Die Änderungen begründet Uniklinik-Sprecherin Ute-Andrea Ludwig mit den Worten: „Die Bonner Kliniken haben sich gemeinsam zu dem Schritt entschlossen, nachdem sie eine erneute Bewertung der Risiken und Verfügbarkeit von Schutzkleidung durchgeführt haben.“ Weiterhin gelte, dass Väter bei der Verlegung von Mutter und Kind auf die nachgeburtliche Station diese nicht begleiten dürfen.

Diese Auflagen seien für alle Formen der natürlichen Geburt, sobald sich der Muttermund der Schwangeren öffnet. „In den Phasen davor werden Väter gebeten, sich auf Abruf bereitzuhalten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Bonner Uniklinik. Während eines Kaiserschnitts seien Väter oder Begleitpersonen allerdings nicht zugelassen. Der Besuch der Wöchnerinnenstation bleibe für Väter und Angehörige untersagt.

Der in Bonn ansässige Verein Motherhood, der sich für eine natürliche Geburt stark macht, begrüßt die Lockerung der Regeln. Sprecherin Katharina Desery sagte: „Das ist eine gute Nachricht. Viele werdende Eltern haben uns rückgemeldet, dass für sie die Vorstellung unerträglich sei, dass die Väter nicht dabei sein können. Väter erfüllen während der Geburt eine wichtige Aufgabe, weil sie ständig da sind.“ Gewährleistet müsse allerdings sein, dass sich innerhalb der Kreißsäle Toiletten befänden, wenn ein Verlassen des Raums nicht erlaubt sei.

Desery hofft, dass die Krankenhäuser bei Kaiserschnitten eine bessere Lösung finden als die bisherige: „Es gibt Kompromisse, die wir akzeptieren, auch akzeptieren müssen. Es wäre aber wünschenswert, wenn die Väter nach einer Kaiserschnittgeburt ihre Kinder wenigstens in einem gesonderten Raum in Empfang nehmen könnten.“

Die Landesregierung lasse hier Ausnahmen durchaus zu, ermächtige die Krankenhäuser aber letztlich eigene Entscheidungen zu treffen. „Man sollte schon die Frage stellen, ob extrem strenge Regelungen sein müssen.“

Dieser Artikel ist zuvor beim Bonner „General-Anzeiger“ erschienen.