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Corona: Wie komme ich schnell an einen Impftermin?

NRW kippt die Priorisierung : Der schnellste Weg zum Impftermin

Zum 7. Juni fällt auch in NRW die Priorisierung. Doch der Impfstoff bleibt knapp, der Ansturm groß. Die weiteren Berufsgruppen der Gruppe 3 haben nichts mehr von ihrer Einstufung. Erstmals werden auch Privatärzte einbezogen.

In Nordrhein-Westfalen fällt zum 7. Juni die Priorisierung bei der Corona-Impfung, dann sollen auch Betriebsärzte in die Impfkampagne einbezogen werden. Der Apothekerverband Nordrhein warnt: „Für die Aufhebung der Priorisierung ist es noch etwas früh. Noch gibt es viele Menschen aus der Priorisierungsgruppe 3, die keine Erstimpfung erhalten haben“, sagt Verbands-Chef Thomas Preis. „Eine Aufhebung der Priorisierung bedeutet auch nicht, dass es mehr Impftermine gibt. Denn in den nächsten Wochen ist der Impfstoff noch knapp.“ Falls ab Juni die Impfung der Kinder ab 12 Jahren hinzukommen sollte, erhöhe sich die Nachfrage weiter, so Thomas Preis. Bislang haben 39,1 Prozent der NRW-Bürger eine Erstimpfung erhalten, nur 10,3 Prozent haben bereits den vollständigen Schutz. Damit stellen sich viele Fragen.

Kann ich jetzt einen Termin im Impfzentrum machen?

Auch im Impfzentrum wird die Priorisierung aufgehoben. Doch wann hier jeder Bürger einen Termin vereinbaren kann, ist noch offen – zumal der Impfstoff weiter knapp ist. „Wir vergeben weiter nur Termine an die über 70-Jährigen, die chronisch Kranken und bestimmte Berufsgruppen der Priorisierungsgruppe 3“, erklärte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KV). Zu den bevorzugten Berufen gehören neben Mitarbeitern des Lebensmittelhandels auch Steuerfahnder, Richter und Staatsanwälte. Auch das NRW-Gesundheitsministerium tritt auf die Erwartungs-Bremse: „In der ersten Juniwoche können voraussichtlich keine Erstimpfungen in den Impfzentren stattfinden.“ Grund sei, dass die Lieferungen des Bundes für die Zweitimpfungen benötigt werden. Die Mai-Termine sind ohnehin laut KV schon vergeben.

Wie kann ich mich im Impfzentrum anmelden?

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Auch das steht noch nicht fest. Künftig könnte das entweder über die KV-Buchungssysteme gehen, die online über www.116117.de zu erreichen sind und telefonisch über 0800-116117-01 (Rheinland) und 0800-116117-02 (Westfalen). Oder direkt über die Impfzentren der Städte und Landkreise. Aber noch ist der Startschuss nicht gefallen.

Kann man sich den Impfstoff aussuchen?

Nein, das ist weiter nicht möglich. In den Impfzentren werden derzeit ohnehin nur mRNA-Impfstoffe gegeben (Biontech oder Moderna). Wegen der längeren Beratung gäbe es hier mit Astrazeneca derzeit keine neuen Erstimpfungen, so der KV-Sprecher. Die Praxen erfahren von Woche zu Woche, wie viel Impfstoff ihnen von welchem Hersteller zur Verfügung steht.

Wie komme ich an einen Termin beim Haus- oder Facharzt?

Auch für sie ist die Priorisierung bald aufgehoben. Aber: „Auch nach dem 7. Juni werden nicht alle Impfwilligen umgehend eine Impfung erhalten“, betont das Ministerium. Die KV bittet um Geduld. Viele Praxen sind noch mit dem Impfen der chronisch Kranken und über 60-Jährigen beschäftigt, viele führen Wartelisten, vielfach kann man sich für Juni auch gar nicht anmelden. „Der Arzt entscheidet, wen er zuerst impft, wir kontrollieren das nicht“, so die KV.

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Was ist mit der Priorisierungsgruppe 3?

Die Gruppe 3 umfasst noch viele Berufsgruppen, für die es bislang noch kein Angebot gibt – etwa Mitarbeiter aus der Pharma,-, Entsorgungs-, Energie-, Logistik- und Transportwirtschaft. Doch sie werden kaum noch eine bevorzugte Impfung erhalten. Es sei denn, das Ministerium plant Sonderaktionen für sie. Ausdrücklich erklärte dessen Sprecher: NRW behalte sich vor, „bestimmten Bevölkerungsgruppen ein Sonderimpfangebot zu unterbreiten“. Welche Gruppen das sind, ist noch offen.

Was sollen Menschen tun, die keinen Hausarzt haben?

Für sie eignen sich die Impfzentren – sobald diese alle annehmen dürfen. Oder die Betroffenen fragen bei ihrem Facharzt nach. Frauen etwa, die keinen Hausarzt, aber einen Gynäkologen haben, könnten sich an diesen wenden. Auch Fachärzte sind zunehmend einbezogen. NRW-weit wird in über 5100 Haus- oder Facharzt-Praxen geimpft. Als neuer Patient bei einem Hausarzt anzukommen, dürfte dagegen schwer werden – viele Praxen winken ab, sie haben genug mit eigenen Patienten zu tun.

Erste Ärzte steigen aus dem Impfen aus. Dürfen die das?

„Ja, die KV kann und wird keinen Arzt zwingen zu impfen“, so deren Sprecher. Womöglich würde manche Praxis auch nur vorübergehend das Impfen unterbrechen. Der Hausärzteverband NRW hatte von Praxen berichtet, die wegen organisatorischer Überforderung aussteigen.

Was ist mit reinen Privatärzten?

Bisher waren sie vom Impfen ausgeschlossen, unter anderem weil die Impfstoff-Verteilung und die Meldewege unklar waren. Ab 7. Juni werden aber auch Ärzte, die nur Privatpatienten behandeln, in das Impfen einbezogen. Es bleibt ihnen überlassen, welchen Patienten sie einen Impftermin geben.

Wann starten Betriebsärzte?

Ab dem 7. Juni dürfen sie loslegen. Der Impfstoff kommt vom Bund, die Unternehmen müssen ihn über Apotheken und den Pharma-Großhandel bestellen, so das Ministerium. Derzeit erarbeitet der Bund ein Verteilkonzept. Mittelständler fürchten, dass Konzerne bei der Verteilung bevorzugt werden. Viele Unternehmen haben bereits Impfstraßen errichtet.

(anh)