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Corona: Was Bayer konkret in der Impfstoff-Produktion plant

Kampf gegen Lieferengpässe : Was Bayer konkret in der Impfstoff-Produktion plant

In Wuppertal sollen bis Jahresende die ersten Dosen des Curevac-Impfstoffes hergestellt werden. 2022 sollen es dann 160 Millionen Dosen sein. Die werde man auch dann noch brauchen, sagte Gesundheitsminister Spahn. Ob Bayer bei Curevac einsteigt, bleibt offen.

Der Mangel an Impfstoff macht kreativ. Nun steigt der größte deutsche Pharmakonzern in die Produktion ein: Bayer will in Wuppertal den Impfstoff von Curevac herstellen, wie Pharma-Vorstand Stefan Oelrich am Montag ankündigte. Bislang wollte Bayer den Tübinger Hersteller Curevac nur bei Zulassung und Logistik unterstützen. „In Gesprächen mit der Bundesregierung ist deutlich geworden, dass die Verfügbarkeit von Impfstoffen weiter erhöht werden muss. Wir werden einen weiteren Beitrag leisten, indem wir zusätzliche Impfstoffe zur Verfügung stellen“, sagte Oelrich auf einer Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) an. „Bayer selbst wird 2022 rund 160 Millionen Dosen des Impfstoffes herstellen, die ersten Dosen könnten möglicherweise Ende des Jahres geliefert werden“, sagte Oelrich.

Im großen Stil wird Bayer damit zwar erst im nächsten Jahr abliefern können, wenn eigentlich alle Menschen in Deutschland schon geimpft sein sollen. Doch Spahn betonte: „Wir brauchen auch 2022 noch Impfstoffe.“ Noch sei unklar, ob es Auffrischungs-Impfungen oder - beim Auftreten von neuen Mutationen - Booster (verstärkende Impfungen) geben müsse. Deshalb sei die Kooperation von Bayer und Curevac so wichtig.

Laschet sagte: „Dass Bayer in seiner 160-jährigen Geschichte erstmals in die Impfstoff-Produktion einsteigt, ist ein bedeutsames Signal.“ Das stärke auch den Pharmastandort NRW. Das Land wolle die nötigen Genehmigungsverfahren in der Hälfte der sonst nötigen Zeit schaffen. „Es ist wichtig, dass wir Impfstoffe in Deutschland auch autark produzieren können.“ Wegen technischer Probleme konnte sich der Ministerpräsident erst spät zu Wort melden.

Bayer will den Impfstoff nach Angaben von Oelrich in Wuppertal produzieren. Die neue und mangels Nachfrage nie genutzte Wuppertaler Fabrik, in der Bayer ursprünglich das Gerinnungsmittel Faktor 8 herstellen wollte, hat der Konzern allerdings inzwischen an den chinesischen Hersteller Wuxi Biologics verkauft. Die Stilllegung hatte 2018 zu scharfen Protesten der Belegschaft geführt. Nun müssen andere Produktionsstätten in Wuppertal geschaffen oder umgerüstet werden.

Der Haupteigentümer von Curevac ist der SAP-Mitgründer Dietmar Hopp, zugleich ist das junge Unternehmen mittlerweile an der US-Börse Nasdaq gelistet und zum Teil im Besitz des Bundes. Ob nun auch Bayer bei Curevac einsteigen will, diese Frage ließ Oelrich unbeantwortet. Allerdings kündigte er an, dass die Curevac-Technologie dauerhaft eine große Rolle bei Bayer spielen soll. Die Technologie verwendet die Botenstoffe (mRNA) des Coronavirus. Biontech und Moderna produzieren mit dieser Technologie bereits massenhaft Vakzine, die bereits verimpft werden. Curevac steckt noch in den klinischen Studien mit 36.000 Probanden. Von der Technologie erhofft man sich auch Fortschritte bei Krebsmedikamenten.

Der aktuelle Mangel an Impfstoffen aber bleibt. „Wir werden noch einige Wochen der Knappheit erleben“, räumte Spahn ein. Doch schon im zweiten Quartal werde es besser. Nun müssten auch die Länder die Vergabe der Impftermine verbessern. Staaten und Länder müssten besser zusammenarbeiten, von Zwangslizensierungen zu Lasten der Entwickler halte er nichts. „Unser gemeinsamer Feind ist das Virus“, so Spahn. Zugleich forderte er, dass Deutschland ein bedeutender Standort für die mRNA-Technologie werden soll.

Curevac-Chef Franz-Werner Haas kündigte an: „Die Produktion des Curevac-Impfstoffes wird im Jahr 2022 von 600 Millionen auf eine Milliarde Dosen steigen." Bei Mutationen sei der Impfstoff zwar leicht anzupassen, doch möglicherweise brauche man dann neue Studien, so Haas.