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Corona: Tui will mit Hilfe des Staates und Kundengeldern Überleben sichern

Reiseveranstalter in der Corona-Krise : Wie Tui sich mit Kundengutscheinen retten will

Das Reisegeschäft liegt am Boden, bis Ende April muss der Konzern eine neue Lösung zum Versichern künftiger Reisen finden. Die Politik könnte mit zwei Milliarden Euro helfen. Aber auch die Kunden sollen einspringen.

Nachdem die Tourismusbranche und auch Tui praktisch alle Reisen für Ostern und davor abgesagt hat, hofft sie, die Kundengelder erst einmal nicht zurückzahlen zu müssen. Stattdessen sollen die Verbraucher vom Staat abgesicherte Gutschriften erhalten, die später in Reisen oder Bargeld umgetauscht werden können. Die Politik in Berlin gibt sich offen für den Gedanken, weil sonst der Untergang vieler Tourismusunternehmen wie Marktführer Tui bevorstehen würde. Außerdem hofft Tui auf rund zwei Millliarden Euro als direkten Staatskredit.

„Im Interesse auch der Kunden müssen wir eine Lösung finden, damit die Reiseindustrie die Corona-Krise überlebt“, sagt Thomas Jarzombek, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Düsseldorf und Beauftragter des Bundes für die Luftfahrtindustrie. Er ergänzt: „Wir brauchen auch 2021 noch Anbieter von Flugreisen und Pauschalreisen. Darum müssen wir prüfen, ob die Unternehmen statt Bargeld Gutschriften für bezahlte Reisen ausstellen können. Damit diese Gutschriften auch werthaltig sind, muss es dafür eine verlässliche Garantie geben.“

Dies sieht Klaus Müller, Vorstand vom Verbraucherzentrale Bundesverband, ähnlich. „Wir unterstützen eine Gutscheinlösung, wenn sie aus Sicht der Kunden freiwillig ist. Die Verbraucher dürfen nicht gezwungen werden, der Reisebranche einen Kredit zu gewähren, wenn sie selber das Geld brauchen könnten. Und eine Gutscheinlösung muss durch einen Fonds abgesichert sein, damit die Kunden sicher sein können, dass sie ihr Geld zurückerhalten.“

Gerade die Tui ist auf eine Lösung angewiesen. Erstens ist anzunehmen, dass kein Unternehmen in Deutschland mehr Pauschalreisen für Ostern verkauft hat als der Konzern aus Hannover. Eine schnelle Rückzahlung könnte existenzgefährdend sein, das Geld ist bereits bei vielen Hotels. Zweitens ist umstritten, wie gut Tui die Pauschalreisen versichert hat. Das Unternehmen erklärt, es erfülle die Vorgabe der EU, dass Reisen bis zu einer Gesamthöhe von 110 Millionen Euro versichert sein müssen.

Das „Handelsblatt“ verweist aber darauf, dass Tui ab Ende April möglicherweise keine Pauschalreisen mehr verkaufen dürfe. Denn die Finanzaufsicht Bafin sieht die bisherige Versicherungskonstruktion der Tui kritisch, die einen „Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit“ mit dem Rewe-Ableger Der-Touristic hat. Die Bafin drängt auf weitere Deckung durch einen Versicherer bis Ende April. Doch nachdem Tui am 15. März angekündigt hat, das Reisegeschäft wegen der Corona-Krise weitgehend aussetzen zu wollen und Staatshilfe zu beantragen, ist unsicher geworden, ob es Tui schafft, die Versicherung abzuschließen. „Die Betriebserlaubnis von Tui wackelt“, schrieb das „Handelsblatt“. Tui widerspricht und spricht von „sehr konstruktiven Gesprächen“ mit Versicherungen.

Alles hängt davon ab, ob der Staat Tui wie erwartet rettet. Tui-Insider sagen, ein neuer Versicherungsvertrag sei sicher, wenn der Staat für das Unternehmen einträte. Umgekehrt bedeutet dies: Ohne Staatskredite könnte es düster enden.

Luftfahrtkoordinator Jarzombek sagt, als Gegenleistung für Staatskredite und/oder Garantien müsse es Gegenleistungen geben: „Die Unternehmen müssen einen Teil der Lasten tragen, indem sie eine solche Unterstützung später zurückzahlen oder vergüten.“ Und Kunden sollten später die Gutscheine auch in Bargeld tauschen können, falls es keine Ersatzreisen gibt.