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Corona-Strategie: Kanzleramtschef Braun kritisert Ministerpräsidenten

Kanzleramtschef kritisiert Ministerpräsidenten : „Wir hätten uns mehr Konsequenz gewünscht“

Helge Braun spricht sich für einen Verzicht auf den Präsenzunterricht aus und warnt vor zu frühen Lockerungen. Er befürchtet, die ansteckenderen Corona-Varianten könnten die Fallzahlen wieder hochschnellen lassen.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hat den Regierungschefs der Länder das Fehlen einer klaren Linie im Kampf gegen die Corona-Pandemie vorgeworfen. „Wir hätten uns von der Ministerpräsidentenkonferenz mehr Konsequenz gewünscht“, sagte Braun dem Magazin „Spiegel“ laut Vorabmeldung vom Freitag. Insbesondere pochte er erneut auf einen Verzicht auf Präsenzunterricht an Schulen, was einige Länder ablehnen oder nicht vollständig umsetzen.

Es sei klug, „auf Präsenzunterricht zu verzichten, wenn wir die Zahlen schnell senken und der Mutante keine Chance geben wollen“, sagte Braun mit Blick auf die neuen, ansteckenderen Varianten des Coronavirus. „Die große Frage ist: Sind wir schnell genug, bevor das mutierte Virus wie in Großbritannien dominant wird?“, mahnte Braun zu einem Festhalten an strikten Schutzmaßnahmen auch bei den Schulen.

„Unsere Abwägung ist: Wenn wir die Inzidenz unter 50 drücken, dann können wir in einen verlässlichen Wechselunterricht mit genügend Abstand übergehen“, sagte Braun. Er sei überzeugt: „Wenn wir bei so hohen Infektionszahlen über eine vertretbare Zeit hinweg die Zahlen konsequent reduzieren, dann kommen wir viel früher in eine Situation, in der man die Schulen wieder verlässlich öffnen kann, ohne dass alle paar Tage ganze Klassen in Quarantäne müssen.“

In Großbritannien hatte sich das mutierte Virus Studien zufolge bei Kindern und Jugendlichen stark verbreitet. In Deutschland sei jetzt entscheidend für die weitere Entwicklung, ob die Virus-Mutanten „die Oberhand gewinnen oder nicht“, so Braun. Gelinge eine Eindämmung nicht und würden Schutzmaßnahmen nicht konsequent umgesetzt, „dann werden wir uns massiv beschränken müssen, bis genügend Menschen geimpft sind“, warnte der Kanzleramtschef.

Braun wandte sich auch gegen Vorstöße einiger Wissenschaftler und Politiker, sich statt des strengen Lockdowns auf den Schutz besonders gefährdeter Gruppen zu konzentrieren. „All diese Menschen perfekt zu schützen ist schlicht nicht realistisch“, sagte er dem „Spiegel“. In Deutschland gehörten allein rund 30 Millionen Menschen zu der vulnerablen Gruppe, an die derzeit FFP2-Masken ausgegeben würden, gab er zu bedenken.

Zuversichtlich äußerte sich Braun mit Blick auf ein Ende der Corona-Krise in Deutschland: „Der Frühling macht es uns einfacher, und es kommen immer mehr Impfungen hinzu. Wir könnten im Sommer zu unserem normalen Leben zurückkehren.“ Schon vorher könnten „wir schrittweise die Beschränkungen lockern“, sofern es gelinge, eine sehr gute Kontrolle über das Infektionsgeschehen zu erreichen.

(capf/AFP)