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Corona: Spanien Reisewarnung - Was Urlauber jetzt wissen müssen

Fragen und Antworten zur Reisewarnung : Was Spanien-Urlauber jetzt wissen müssen

Die Reisewarnung für Spanien wirft viele Fragen auf, insbesondere für das Ziel Mallorca: Was gilt für Pauschaltouristen, was für Individualreisende? Wie kommt man an seine Erstattung? Und warum der Tourismuskonzern Tui die Warnung für die gesamte Insel für falsch hält.

Die Reisewarnung der Bundesregierung für Spanien trifft viele Touristen, vor allem auf den Balearen, wo aktuell 30.000 Deutsche Urlaub machen. Manche reagieren gelassen und wollen noch so viel Erholung wie möglich mitnehmen. Andere sind verärgert über die Politik.

Was gilt für Pauschaltouristen in Spanien?

Sie werden auf Kosten ihres Reiseveranstalters nach Deutschland zurückgeholt. Die Tui etwa bat ihre Kunden auf den Balearen, binnen der kommenden sieben Tage zurückzureisen. Nach Angaben von Tui nehmen aktuell aber nur wenige Kunden das Angebot an, ihren Urlaub abzubrechen.

Was gilt für Individualreisende?

Sie müssen sich auf eigene Faust um eine Rückreise kümmern, sind aber nicht gezwungen abzureisen. Bundesaußenminister Heiko Maas hatte bereits früher erklärt, eine Reisewarnung sei kein Reiseverbot. Allerdings birgt das Bleiben ein Risiko, wenn Airlines ihre Flüge streichen. Eine allgemeine Rückholaktion wie im Frühjahr hatte der Außenminister bereits ausgeschlossen.

Wo kann man sich testen lassen?

Reiserückkehrer aus Risikogebieten, zu denen nun auch Spanien (außer den Kanarischen Inseln) zählt, müssen einen Corona-Test machen: entweder noch in Spanien oder zu Hause. Auf Mallorca bieten private Kliniken Tests an, die Urlauber aus eigener Tasche zahlen müssen. In Deutschland können sich Urlauber an Flughäfen oder in anderen Zentren testen lassen. Bis das Testergebnis vorliegt, müssen sie sich in Quarantäne begeben.

Wer bezahlt die Tests?

Die Kosten der Tests in Deutschland übernimmt bislang der Staat. Doch nun fordern Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und FDP-Fraktionsvize Michael Theurer, dass sich Urlauber beteiligen. Wer in Risikogebiete reise, müsse auch zahlen. Klaus Müller, Chef der Verbraucherzentralen, unterstützt dagegen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU): „Wenn wir wollen, dass möglichst alle Reiserückkehrer sich testen lassen, muss der Corona-Test kostenlos bleiben. Sonst werden zu viele Menschen ihn vermeiden“, sagte er unserer Redaktion. Barbara Steffens, NRW-Chefin der Techniker Krankenkasse, warnte: „Der Gesundheitsminister muss zu seinem Wort stehen, dass der Staat die Kosten für die Tests übernimmt und sie nicht auf die Versicherten abwälzt. Viele Tests sind im Interesse der ganzen Gesellschaft.“ Ob Reisende beteiligt würden – alle oder nur die, die nach einer Warnung reisen –, sei Sache der Politik, betonte Steffens: „Mir scheint, eine Beteiligung bringt viel Bürokratie mit sich.“

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Was sagte die Branche?

„Wir bedauern, dass Deutschland nun eine Reisewarnung für ganz Mallorca ausgesprochen hat. Besser wäre eine regionale Reisewarnung für Palma, Magaluf oder andere Orte mit erhöhten Fällen gewesen“, sagt Thomas Ellerbeck, bei Tui zuständig für Politik und Kommunikation. „Die meisten Urlauber sind sehr verantwortungsvoll und halten sich an die Regeln.“ Die pauschale Warnung sei auch fragwürdig, weil große Teile der Insel von der Pandemie nur minimal betroffen seien, man habe in keinem Hotel der Tui auf Mallorca einen Vorfall registriert.

Was gilt für künftige Reisen?

Tui hat alle Pauschalreisen von Deutschland in die Region bis einschließlich 24. August abgesagt. Wie es danach weitergeht, soll mit Blick auf die Politik entscheiden werden. Tui will die Saison in Spanien noch nicht abschreiben. Die Düsseldorfer Alltours erlaubt ihren Kunden, alle Reisen nach Mallorca bis 15. September abzusagen. Alltours verkauft aber weiter Reisen nach Mallorca, selbst mit Abflug diese Woche. „Wir überlassen es den Kunden, ob sie ihren Urlaub auf Mallorca verbringen möchten“, erklärte Alltours-Chef Willi Verhuven. „Wir hoffen, dass sich das Infektionsgeschehen wieder bessert“, sagt ein Sprecher des Deutschen Reiseverbands.

Wie kommen Kunden an Erstattung?

Für Reisen, die Veranstalter wegen der Warnung absagen, müssen sie Kunden entschädigen. Verbraucherschützer Müller mahnt: „Reiseveranstalter müssen die Chance nutzen, kundenfreundlicher zu werden. Es gilt europäisches Recht: keine Zwangsgutscheine, sondern Bargelderstattungen, wenn es Kunden wünschen.“ Zudem forderte er, Pauschalurlauber künftig besser abzusichern. „Für die Bundesregierung gilt, dass sie vorsorglich den Insolvenzschutz für Pauschalreisende verbessern muss. Leider sind weitere Pleiten nicht ausgeschlossen, und nach Thomas Cook darf der Steuerzahler kein zweites Mal zur Kasse gebeten werden.“

Was ist mit Flugreisen?

Eurowings erklärte, es gebe keinen Einbruch bei den Passagierzahlen: „Lufthansa und Eurowings fliegen weiterhin nach Spanien, inklusive Mallorca. Trotz der jüngsten Reisewarnung für Spanien sehen wir nach wie vor eine gute Auslastung, auch auf diesen Flügen.“ Man setze darauf, dass die Passagiere die Regelungen zur Rückkehr einhalten. Der Flughafen Düsseldorf berichtet, es seien bisher keine kurzfristigen Flugstreichungen bekannt. Mallorca sei eines der wichtigsten Ziele. Von Köln-Bonn flogen in den Sommerferien 68.000 Menschen nach Palma.