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Corona: RKI sieht Entwicklung bei Fallzahlen mit "großer Sorge"

RKI-Präsident : Wieler sieht Entwicklung bei Corona-Fallzahlen mit „großer Sorge“

Aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen in Deutschland hat sich das RKI alarmiert gezeigt. "Die neueste Entwicklung der Fallzahlen macht mir und allen im Robert-Koch-Institut große Sorgen", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag in Berlin.

"Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie", warnte er vor Journalisten. "Die ganze Welt ist mittendrin." Wieler rief zur Disziplin auf und ermahnte zum Einhalten der Regeln zu Abstand, Hygiene und Alltagsmaske. "Bitte helfen Sie alle weiter mit", appellierte er. Grund für die steigenden Fallzahlen sei, dass die Menschen sich nicht mehr ausreichend an Hygiene- und Abstandsregeln hielten. Dies sei aber das Mittel, um die Lage in den Griff zu bekommen. "Wir haben es in der Hand."

"Wir müssen jetzt verhindern, dass sich das Virus wieder rasant ausbreitet, dass es sich unkontrolliert ausbreitet", mahnte er. Am Dienstag hatte das RKI einen Anstieg bestätigter Infektionen um 633 gemeldet. In den letzten sieben Tagen wurden demnach 3611 Fälle gemeldet. Die Entwicklung sei "wirklich sehr beunruhigend".

Dabei wird die Lage nach Informationen des für die Seuchenbekämpfung zuständigen Bundesinstituts erneut unübersichtlicher. Ansteckungen ereigneten sich nicht mehr vor allem im Rahmen größerer regionaler Ausbrüche, sondern in diversen Konstellationen. Dazu zählten unter anderem familiäre Kontakte und Familienfeiern, Treffen mit Freunden und Übertragungen am Arbeitsplatz oder in Pflegeeinrichtungen, sagte RKI-Expertin Ute Rexroth am Dienstag in Berlin. Die Lage sei "diffus".

Unter den Neuinfizierten seien auch Reiserückkehrer. Die überwiegende Zahl der Ansteckungen ereigne sich derzeit allerdings in Deutschland selbst, betonte Rexroth. Die RKI-Expertin und Wieler warnten vor einer möglichen schnellen Verschärfung. Das Geschehen in Ländern wie Israel zeige, wie schnell eine unter Kontrolle geglaubte Situation erneut eskalieren könne, betonte Wieler.

Aber nicht nur hierzulande wächst die Sorge um steigende Infektionszahlen. Wegen des starken Anstiegs der Infektionen in Spanien rät das Auswärtige Amt nun von touristischen Reisen in mehrere Regionen des beliebtesten Urlaubslands der Deutschen ab. Betroffen sind Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava sowie die westlich davon im Landesinneren liegenden Regionen Aragón und Navarra. Die Balearen mit der beliebten Ferieninsel Mallorca oder die Kanaren bleiben verschont. Das Auswärtige Amt begründete den Schritt am Dienstag in seinen Reisehinweisen für Spanien mit den „hohen Infektionszahlen und örtlichen Absperrungen“.

Auf eine Reaktivierung der formellen Reisewarnung für die stark betroffenen Regionen verzichtete das Ministerium zunächst. Ein solcher Schritt hätte Urlaubern die kostenlose Stornierung von Buchungen ermöglicht. Das Abraten von Reisen ist quasi eine Alarmstufe darunter.

Das Auswärtige Amt hatte die Reisewarnung für das besonders stark von der Corona-Pandemie getroffene Spanien erst am 21. Juni aufgehoben, nachdem die Regierung einen 14-wöchigen Notstand beendet hatte. Die Infektionszahlen waren in den vergangenen Tagen in einigen Gebieten wieder dramatisch gestiegen.

Die drei am stärksten betroffenen Regionen werden von der Bundesregierung aber trotzdem zunächst nicht zu den Risikogebieten gezählt. Rückkehrer aus diesen Gebieten müssen künftig in Deutschland einen Corona-Test machen.

(felt/dpa/AFP)