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Corona-Pandemie erreicht Bürgerkriegsland Libyen

Unabsehbare Folgen : Corona-Pandemie erreicht Bürgerkriegsland Libyen

In Afrika steigt die Zahl der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, weiter an. Für die Entwicklungs- und Schwellenländer auf dem Kontinent lassen sich die Folgen der Corona-Pandemie nicht absehen. Nun ist auch das Bürgerkriegsland Libyen betroffen.

Die Coronavirus-Pandemie ist nun auch im Bürgerkriegsland Libyen angekommen. Es sei „eine erste Ansteckung mit dem Coronavirus in Libyen“ zu verzeichnen, teilte der Gesundheitsminister der von der UNO anerkannten Einheitsregierung in Tripolis, Ehmed Ben Omar, am späten Dienstagabend in einer kurzen Online-Erklärung mit. Die „notwendigen Maßnahmen“ zur Behandlung des Patienten seien eingeleitet worden. Der Chef des Nationalen Zentrums für Seuchenkontrolle, Badreddin al-Nadschar, sagte, der Patient sei vor einer Woche aus Saudi-Arabien via Tunesien nach Libyen zurückgekehrt.

Die Risiken durch die Corona-Pandemie sind in dem nordafrikanischen Land besonders besorgniserregend. Durch den Bürgerkrieg ist das öffentliche Gesundheitssystem extrem geschwächt. Seit dem gewaltsamen Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 herrscht in Libyen Chaos. Die Einheitsregierung in Tripolis ist schwach. Ein Großteil des Ostens und Südens des Landes wird von Truppen des Generals Chalifa Haftar kontrolliert, der gegen die Einheitsregierung kämpft. Vor rund einem Jahr startete er eine Offensive auf Tripolis. Seither hat sich die humanitäre Lage weiter verschlechtert.

Bereits vor Auftreten des ersten Corona-Falls hatten die beiden rivalisierenden Regierungen vorbeugende Maßnahmen gegen die Pandemie ergriffen. Dazu zählten nächtliche Ausgangssperren sowie die Schließung von Restaurants und Cafés. Vor wenigen Tagen forderte UN-Generalsekretär António Guterres die Einheitsregierung in Tripolis sowie Haftars Truppen auf, die Waffenruhe einzuhalten. Er verwies dabei auf die „verheerende humanitäre Lage in Libyen und die möglichen Folgen der Covid-19-Pandemie“. Die Kampfhandlungen dauern derzeit weiter an.

(ala/AFP)