1. Panorama
  2. Coronavirus

Corona: Omikron-Variante wohl schon früher in Europa angekommen

Nach Angaben aus den Niederlanden : Omikron-Variante wohl schon früher in Europa angekommen als vermutet

Die Chefin der Europäischen Arzneimittel-Agentur zeigt sich mit Blick auf die neuen Erkenntnisse vorbereitet. Sie schlägt damit besänftigendere Töne an als die WHO, die das globale Risiko durch die Variante des Coronavirus am Montag als „sehr hoch“ eingestuft hatte.

Die neue Coronavirus-Variante Omikron geht offenbar schon länger in Westeuropa um als bislang angenommen. Darauf deutet eine Mitteilung des niederländischen Gesundheitsinstituts RIVM hin, wonach zwei lokale Infektionen mit der Mutante entdeckt worden seien, die bis zu elf Tage zurücklägen. Erste Berichte über Fälle der zunächst in Südafrika erkannten Corona-Variante gab es vergangene Woche. Das RIVM entdeckte Omikron-Spuren nach eigenen Angaben in Proben, die auf die Zeit vom 19. bis 23. November datieren.

Sie liegen damit zeitlich vor den positiven Omikron-Fällen unter den Passagieren, die am vergangenen Freitag aus Südafrika eingereist und am Amsterdamer Flughafen Schiphol getestet worden waren.

Die Direktorin der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, Emer Cooke, erklärte am Dienstag, die Behörde sei auf Omikron vorbereitet. Es werde zwei Wochen dauern, um Hinweise darauf zu erlangen, ob die gegenwärtigen Covid-19-Impfstoffe mit der Variante fertig würden. Falls ein neues Vakzin benötigt werde, um Omikron entgegenzutreten, werde es bis zu vier Monate dauern, bis ein solches für den Einsatz in der EU zugelassen werde.

„Wir sind vorbereitet“, sagte Cooke vor EU-Parlamentariern und fügte hinzu, dass die Kooperation mit der Medizinindustrie bereits laufe, um sich für eine solche Eventualität zu rüsten. „Wir wissen, dass es irgendwann eine Mutation geben wird, die bedeutet, dass wir den aktuellen Ansatz ändern müssen.“

Ungewöhnlich aber mild: So war der Verlauf bei Omikron-Genesenen in Südafrika

Cooke schlug besänftigendere Töne an als die Weltgesundheitsorganisation, die das globale Risiko durch die Omikron-Variante am Montag als „sehr hoch“ eingestuft hatte. Die Variante könnte zu Ausbrüchen mit schwerwiegenden Folgen führen, teilte die WHO mit.

Die höchste Intensität an Omikron-Fällen gab es Berichten zufolge in und um die südafrikanischen Städte Johannesburg und Pretoria. Cooke erklärte, aus dem höheren Durschnittsalter der Bevölkerung und den höheren Impfraten folge für Europa insgesamt eine andere Situation. Bislang seien die verfügbaren Impfstoffe mit allen Virusvarianten fertig geworden.

Eine wachsende Zahl von Staaten weltweit berichtet von Entdeckungen der neuen Virusvariante oder reagiert mit Beschränkungen des Flugverkehrs auf die Ausbreitung, während Wissenschaftler auf Hochtouren versuchen, herauszufinden, wie gefährlich Omikron genau ist. Am Dienstag bestätigten Frankreich und Japan die ersten Fälle von Omikron-Nachweisen.

  • Die Gesundheitsminister sorgen sich wegen der
    Bekannte Impfstoffe, künftige Impfstoffe : Wie gut wirken die Impfstoffe gegen Omikron?
  • Mit einer Sequenzierung können Labors feststellen,
    Rückkehrer aus Südafrika : Weiterer Omikron-Verdachtsfall im Kreis Kleve gemeldet
  • Der Eingangsbereich des Universitätsklinikums Essen. (Archivfoto)
    Neue Virus-Variante : Omikron-Verdachtsfälle in Essen haben sich nicht bestätigt

Die französischen Behörden bestätigten im Übersee-Département La Réunion im Indischen Ozean erstmals eine Infektion mit der neuen Coronavirus-Variante. Patrick Mavingui, ein Mikrobiologe in der Forschungsklinik für Infektionskrankheiten auf der Insel, erklärte, ein 53-jähriger Mann, der vor seiner Rückkehr nach Réunion nach Mosambik gereist sei und einen Zwischenstopp in Südafrika eingelegt habe, sei positiv auf die Virusvariante getestet worden. Für den Mann wurde eine Quarantäne angeordnet. Er habe Muskelschmerzen und sei müde, sagte Mavingui nach Angaben des Fernsehsenders Réunion 1ere.

WHO stuft Risiko durch Omikron-Variante als „sehr hoch“ ein

In Japan wurde die neue Corona-Variante bei einem Mann nachgewiesen, der kürzlich aus Namibia eingereist war, wie Kabinettssekretär Hirokazu Matsuno mitteilte. Der Patient sei in seinen Dreißigern. Er sei am Sonntag nach seiner Ankunft am Flughafen positiv getestet und dann isoliert worden. Eine Genomanalyse habe dann am Dienstag ergeben, dass er sich mit der zuerst in Südafrika erkannten Variante angesteckt habe. Der Mann werde in einer Klinik behandelt.

Erst am Montag hatte Japan als Vorsichtsmaßnahme ein Einreiseverbot für alle Ausländer verhängt. Die Regelung gilt ab dem heutigen Dienstag. Kambodscha verhängte Einreisesperren über Reisende aus zehn afrikanischen Staaten und berief sich dabei auf die Bedrohung durch die Omikron-Variante. Erst zwei Wochen zuvor hatte das Land seine Grenzen für vollständig geimpfte Reisende wieder geöffnet.

(mcv/dpa)