1. Panorama
  2. Coronavirus

Corona NRW: Weihnachtsmärkte 2020 sind „Drive-In“ und digital

Alternativen in Corona-Pandemie : Weihnachtsmärkte in NRW sind „Drive-In“ und digital

Weihnachtsmärkte in engen Innenstädten sind in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie wohl fast überall in NRW unmöglich. Die Städte suchen nach Alternativen – doch die besinnliche Stimmung echter Märkte kann der digitale Bummel nur bedingt ersetzen.

Musik, Glühweinduft und weihnachtlicher Budenzauber – die traditionellen Weihnachtsmärkte in den NRW-Innenstädten fallen in diesem Jahr bis mindestens Ende November der Corona-Pandemie zum Opfer. So lange läuft die aktuelle Corona-Schutzverordnung. Und auch danach gibt es derzeit nicht allzu viel Hoffnung auf deutlich niedrigere Infektionszahlen und grünes Licht für die Märkte.

Darunter leiden zunächst die Standbetreiber. Aber auch den Innenstadt-Kaufleuten gehen dringend benötigte Einnahmen durch die Lappen. Viele Städte suchen nach Alternativen, um wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung möglich zu machen - mit Einzelbuden, Online-Angeboten oder Weihnachtsmarktgästen im Auto.

Kostenpflichtiger Inhalt Ein solcher „Drive-In“-Weihnachtsmarkt ist vom 10. Dezember an auf dem weitläufigen Gelände des Freizeitparks Wunderland in Kalkar geplant. Die Besucher sollen dabei zum Schutz vor einer Ansteckung die ganze Zeit in ihren Wagen bleiben. Vorgesehen seien rund 2,5 Kilometer Strecke auf dem einstigen Kraftwerksgelände mit Kunstschnee, Musik, Buden mit Eintopf und Glühwein und einer Krippe, an der auch echte Kamele zu sehen sein sollen. Ein Drive-In-Markt im Düsseldorfer Fußballstadion wurde dagegen abgesagt - unter anderem, weil sich mehrere Mitglieder des Vorbereitungsteams infiziert hatten.

In Düsseldorf Kostenpflichtiger Inhalt unterstützt die Stadt ihre Weihnachtsmarkt-Schausteller aber mit vereinzelten Marktbuden, die über das Stadtgebiet verteilt genehmigt wurden - sogenannten Insellösungen. Weihnachtsgefühle könnten dabei in Grenzen aufkommen, aber Getränke wie Glühwein und der Karussellbetrieb sind untersagt, zubereitete Speisen dürfen im Umkreis von 50 Metern nicht verzehrt werden. Immerhin: Lichter leuchten auf Tannenbäumen - und wer in der Vorweihnachtszeit auf Süßes und Glühwein nicht verzichten will, kann an den Ständen immerhin zum Mitnehmen einkaufen.

Weihnachtsglück aus der Ferne vor allem für jahrelange Stammkunden bietet das Einkaufszentrum Centro in Oberhausen mit einem Online-Angebot. Das Centro hat einen Plan mit den Schaustellern und ihren Stammplätzen aus früheren Jahren ins Netz gestellt, Kunden sollen so digital über den Markt „bummeln“ und an ihren Lieblingsbuden gern auch einkaufen. „So kommen unsere Kunden an die Lederwaren, Weihnachtspyramiden und andere Handwerkskunst ihrer Lieblingshändler“, sagt Centermanager Marcus Remark.

Eine ähnliche Idee hatte die Stadt Essen, deren großer Weihnachtsmarkt in der Innenstadt normalerweise Zehntausende Besucher auch aus den Niederlanden anzieht. Nun gibt es eine Digitalausgabe, mit der die Besucher und die Aussteller zusammengebracht werden sollen. „Es fehlen die Menschen und Begegnungen. Wir machen trotzdem das Beste draus!“, heißt es optimistisch auf der zugehörigen Internetseite. In knapp einer Woche hätten schon 16.000 Menschen die Seite angeklickt, sagt Florian Hecker von Essen Marketing. Aber so richtig begeistert ist er nicht: „Das ist doch kein Ersatz. Da kommt doch keine Emotion auf, wenn ich mich durch eine Internetseite klicke.“

Ein bisschen Weihnachtsromantik gibt es dagegen in Bielefeld. Dort hat das Stadtmarketing Weihnachtsmarkt-Boxen gepackt, die über den Online-Shop der Stadt zu bestellen waren. Gebrannte Mandeln, ein Lebkuchenherz, Bio-Glühwein und vor allem zwei Weihnachtsmarkt-Tassen mit dem Aufdruck „Staying home for Christmas“ - all das konnten Bielefelder für 29,90 Euro erwerben und damit auch noch Bedürftige unterstützen. Die Pakete gingen rasend schnell weg, inzwischen ist auch die zweite Auflage des Angebots ausverkauft - insgesamt 3200 Pakete.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese schönen Weihnachtsmärkte finden trotz Corona statt

(chal/dpa)