Biontech: Praxen gehen diese Woche oft leer aus NRW erwartet Novavax ab Ende Januar

Düsseldorf · In den USA werden immer mehr kleine Kinder mit Corona-Infektionen in Kliniken eingewiesen. Apotheker raten Eltern, sich zum Schutz ihrer Kinder impfen zu lassen. Praxen in Deutschland erhalten in dieser Woche genug Moderna, aber viel weniger Biontech als bestellt.

 Moderna-Impfstoff ist ausreichend vorhanden.

Moderna-Impfstoff ist ausreichend vorhanden.

Foto: dpa/Robert Michael

Die Auslieferung des fünften Corona-Impfstoffes rückt näher: Das Vakzin des US-Konzerns Novavax soll in Kürze auch nach Nordrhein-Westfalen kommen. „Der Bund wird nach aktuellem Kenntnisstand voraussichtlich Ende Januar/Anfang Februar beliefert. Die Auslieferung an die Länder soll dann zeitnah erfolgen“, sagte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums unserer Redaktion. Wie viele Dosen es gebe, sei noch nicht bekannt.

Auf dem Novavax-Mittel ruhen große Hoffnungen, Impfskeptiker zu überzeugen, die Bedenken gegen mRNA-Impfstoffe haben. Es ist der erste Totimpfstoff gegen Corona. Hier werden die Spike-Proteine, die dem Virus das stachelige Aussehen geben, im Labor produziert und nicht im menschlichen Körper.

Zugleich geht das Impfen weiter: In dieser Woche erhalten die Praxen weniger Biontech als bestellt, aber ausreichend Moderna. „Die Arztpraxen erhalten in dieser Woche 100 Prozent ihrer Moderna-Bestellungen. Bei den Biontech-Impfstoffen für Erwachsene werden die Bestellungen nur zu einem sehr geringen Teil beliefert werden“, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, unserer Redaktion. „Der Biontech-Impfstoff sollte deshalb vorrangig bei Schwangeren, unter 30-jährigen und Kindern ab zwölf Jahren eingesetzt werden, damit die Bestellungen für diese Personen reichen.“ Denn diese Gruppen dürfen kein Moderna erhalten.

Omikron hält die Welt im harten Griff: In Israel ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen auf den höchsten Wert seit Ausbruch der Pandemie gestiegen. Hunderttausende Israelis haben bereits die vierte Impfdosis bekommen, das Land impft über 60-Jährige und medizinisches Personal. Der Apothekerverband Nordrhein rät von dieser Strategie für Deutschland ab: „Eine vierte Impfung ist wahrscheinlich erst mit einem angepassten Impfstoff sinnvoll. Erste Ergebnisse aus Israel deuten darauf hin, dass eine zweite Booster-Impfung mit den bisherigen Impfstoffen nicht lang genug vor einer Infektion schützt“, sagte Preis.

Mit Spannung werden Studien von Biontech und Moderna erwartet, die eine Anpassung prüfen. Ab April könnte es in Deutschland einen neue Version geben. Es wäre gut, wenn bald ein neuer Impfstoff komme, der auch vor Infektionen schütze, so Preis. Sonst komme man aus dem Impfen nicht raus.

Auch in den USA gehen die Zahlen steil nach oben. Binnen 24 Stunden gab es mehr als eine Million neue Fälle: Gerade für die Unter-Fünfjährigen melde das Land eine starke Steigerung der Klinikeinweisungen, so Preis – von 2,5 auf 4 Einweisungen pro 100.000 Kinder. Der Wert liege bei den Fünf- bis 17-Jährigen nur bei 1 pro 100.000, diese werden bereits geimpft. „Um die Kleinsten vor Infektionen zu schützen, ist es wichtig, dass sich die älteren Geschwister, Eltern und Großeltern durch Impfen und Boostern vor einer Erkrankung schützen“, mahnte der Apotheker. Die hohen Inzidenzen in Deutschland rührten auch von Geimpften und Geboosterten. „Die Impfung schützt gut gegen schwere Verläufe. Sie schützt aber nicht so stark gegen Infektionen“, so Preis. Die Weiterverbreitung könne nur durch häufige Schnelltests verhindert werden.

Zugleich geht die Debatte um die Impfpflicht weiter. Der designierte CDU-Chef Friedrich Merz fordert von der Bundesregierung Tempo bei der Vorlage eines Gesetzes. SPD und Grünen dämpften dagegen Erwartungen: Die Beratungen sollen noch bis Ende des ersten Quartals dauern. „Eine Impfpflicht würde uns in der jetzigen Situation auch nicht helfen. Der Schutz vor einer Ansteckung mit Omikron ist mit den aktuellen Impfstoffen nicht hoch genug, um Infektionen ausreichend stark zu vermeiden“, sagte Preis. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) betonte, eine Impfpflicht sei auch für künftige Corona-Varianten wichtig.