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Corona: Massive Kritik an Kurzausflug von Donald Trump zu Fans vor Krankenhaus

Infizierter US-Präsident : Massive Kritik an Trumps Kurzausflug zu Fans vor dem Krankenhaus

US-Präsident Donald Trump konnte es wohl nicht mehr aushalten im Militärkrankenhaus in Bethesda. Der mit dem Coronavirus infizierte Trump ließ sich am Sonntag zu den wartenden Fans vor das Krankenhaus bringen. Jetzt gibt es Kritik, die zu erwarten war.

Was für ein Spektakel in Bethesda! Als Erstes riegelten Personenschützer des Secret Service, unterstützt von der Polizei, die Rockville Pike ab, eine Ausfallstraße mit drei Spuren in jede Richtung, an der das weitläufige Gelände des Walter Reed National Military Medical Center liegt, des Krankenhauses, in dem Donald Trump behandelt wird. Dann tauchte ein Konvoi schwerer Geländewagen auf. Im Schritttempo fuhr er vorbei an den Fans des Präsidenten, die seit Freitag mit Plakaten und Flaggen am Tor vor dem Klinikkomplex stehen, wendete und fuhr auf der anderen Straßenseite, wo die Fernsehsender ihre Kameras aufgebaut haben, wieder zurück. Auf dem Rücksitz eines der gepanzerten Chevrolet-SUVs saß tatsächlich Trump, vor Mund und Nase eine schwarze Stoffmaske, umgeben von Bodyguards, und winkte nicht nur seinen Anhängern zu, sondern auch den versammelten Journalisten.

Den kurzen Ausflug am frühen Sonntagabend (Ortszeit) hatte er in einem Video angekündigt, das allerdings erst freigegeben wurde, als er ihn schon beendet hatte. Er habe eine kleine Überraschung parat für die „großartigen Patrioten“ draußen am Tor. „Sie stehen schon lange dort, sie haben Trump-Flaggen, und sie lieben unser Land“, sagte er, um als Nächstes auf seine typische, bombastische Art von der Begeisterung zu sprechen, die er spüre, „weil die Leute den Job lieben, den wir machen“. „Bei uns gibt es mehr Enthusiasmus als vielleicht bei irgendwem sonst.“ Übrigens, was mir aufgefallen ist, nachdem ich mich an zwei Tagen hintereinander für ein paar Stunden an der Rockville Pike aufgehalten habe: Zu den loyalsten Trump-Loyalisten scheint eine Gruppe von Uiguren zu gehören, die pausenlos himmelblaue Fahnen mit weißem Halbmond schwenkt. Dann wären da noch die „Sikhs for Trump“, die „Muslims for Trump“, die „Women for Trump“, um nur einige zu nennen.

 Donald Trump vor dem Krankenhaus in Bethesda.
Donald Trump vor dem Krankenhaus in Bethesda. Foto: dpa/Tonypeltier

Gleichwohl hagelte es nach dem Ausflug des Kranken heftige Kritik, unter anderem von einem Chirurgen namens James Phillips, der selbst im Walter Reed Center beschäftigt ist. Der Trip sei vollkommen überflüssig gewesen, das Risiko für die begleitenden Leibwächter unvertretbar hoch, wetterte der Mediziner in einem Tweet. Jeder, der mit Trump im Fahrzeug gesessen habe, müsse sich nun für zwei Wochen in Quarantäne begeben. „Die Leute könnten krank werden. Sie könnten sterben. Für politisches Theater. Von Trump angewiesen, ihr Leben für ein Schauspiel aufs Spiel zu setzen. Das ist Wahnsinn.“

In besagtem Video, ins Netz gestellt in der Nacht zum Montag (nach MEZ), sprach der Präsident noch von einer „sehr interessanten Reise“, auf die er sich begeben habe. Er habe viel über Covid-19 gelernt, er sei jetzt wirklich auf die Schule gegangen. „Das ist die reale Schule, es ist nicht die Lasst-uns-ein-Buch-lesen-Schule. Und ich begreife es, ich verstehe es, und es ist eine sehr interessante Sache, und ich werde Ihnen davon erzählen. In der Zwischenzeit lieben wir die USA, und uns gefällt, was passiert.“

Was die Öffentlichkeit lernte, wovon sie erst am Sonntag erfuhr, war, dass Trump seit Freitag zweimal mit Sauerstoff versorgt werden musste, weil seine Sauerstoffwerte im Blut auf ein bedenklich niedriges Niveau gesunken waren. Außerdem teilte sein Leibarzt Sean Conley zum ersten Mal mit, dass ihm Dexamethason verabreicht wurde, ein Entzündungshemmer, der eigentlich nur in schweren Corona-Fällen zum Einsatz kommt. Dass Dr. Conley nur scheibchenweise mit der Wahrheit herausrückt, dass er wichtige Fakten zwei Tage lang verschwieg, trägt mit bei zu einer akuten Verunsicherung, an der auch Trumps demonstrativer Optimismus nichts ändert. Die Geheimniskrämerei nährte nur den Verdacht, ob zutreffend oder nicht, dass es schlimmer um den Patienten steht oder zumindest stand, als man offiziell zugeben wollte. Gespannt wartet man nun in Washington darauf, ob er tatsächlich am Montag, wie von seinen Ärzten in Aussicht gestellt, ins Weiße Haus entlassen wird. Dem Vernehmen nach hasst er Krankenhäuser, im Laufe seines Erwachsenenlebens soll er bis Freitag keine einzige Nacht in einer Klinik verbracht haben. Donald Trump könnte Druck gemacht haben, um schnellstmöglich in sein gewohntes Ambiente zurückzukehren.

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(mit dpa)