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Corona: Malariamittel Chloroquin bei Covid-19 vor dem Aus

Trump bewarb es : Malariamittel Chloroquin bei Covid-19 vor dem Aus

Von „einem der größten Durchbrüche der Geschichte der Medizin“ hatte der US-Präsident gesprochen. Seine Hoffnung hat getrogen – an einer US-Klinik wurden Behandlungen mit Chloroquin eingestellt. Erwartungen richten sich nun vermehrt an das ­Ebola-Medikament Remdesivir.

Noch im März hatte Donald Trump, der oberste Virenschützer der USA, das Medikament vollmundig beworben. Der Wirkstoff Chloroquin könne in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin „einer der größten Durchbrüche der Geschichte der Medizin sein“, warb Trump. Fachleute dagegen hatten schon ebenso früh gewarnt. Peter Kremsner vom Tübinger Institut für Tropenmedizin sagte: „Es kann auch sein, dass es nicht wirkt oder sogar schadet.“ Die Nebenwirkungen des Malariamittels seien nicht zu unterschätzen, vor allem nicht bei Covid-19-Patienten, die wegen ihrer Vorerkrankungen noch viele andere Medikamente einnehmen müssten.

Jetzt haben die Erwartungen auf Hilfe durch Chloroquin einen weiteren und vermutlich finalen Dämpfer bekommen. An einer US-Klinik wurden die Behandlungen nach enttäuschenden Erfahrungen, die jetzt im renommierten „New England Journal of Medicine“ (NEJM) vorgestellt wurden, komplett eingestellt.

Die Lungenfunktion der Chloroquin-Patienten hatte sich laut den im NEJM publizierten Messwerten eher verschlechtert als verbessert, und die Entzündungswerte waren teilweise sogar gestiegen. Und die Zahl der Toten sank auch nicht, sondern stieg sogar. Bekannt ist seit langer Zeit, dass Chloroquin erheblichen Einfluss auf das Elektrokardiogramm eines Patienten haben kann, weil es eine kritische Teilstrecke des EKG, nämlich das sogenannte QT-Intervall, verlängern kann; dadurch können lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden. Deshalb, aber auch wegen einer verbreiteten Resistenz gegen den Erreger, wird Chloroquin als Malariamittel ebenfalls kaum noch eingesetzt.

Damit konzentrieren sich viele medikamentöse Optionen auf mehrere HIV-Medikamente und vor allem auf das Ebola-Mittel Remdesivir. Zur Behandlung schwerer Coronavirus-Infektionen hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMA jetzt ihre Empfehlungen für den begrenzten Einsatz des Wirkstoffs Remdesivir ausgeweitet: Es könne nun zusätzlich bei bestimmten stationären Patienten angewandt werden, die nicht auf Beatmungsgeräte angewiesen seien, teilte die EMA mit. Eine klinische Studie aus den USA hatte darauf hingewiesen, dass die Verabreichung bei Covid-19-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung um mehrere Tage verkürzen könnte. Ob dies auch die Sterblichkeit senkt, wird noch überprüft. In großen deutschen Kliniken ist Remdesivir bei Covid-19 mittlerweile im Einsatz.