1. Panorama
  2. Coronavirus

Corona-Lockdown: Einzelhändler warnen in offenem Brief vor Folgen

„Ende der Innenstädte“ : Einzelhändler warnen in offenem Brief vor Lockdown-Folgen

Was würde ein harter Lockdown, wie er jetzt offenbar geplant ist, für die Innenstädte bedeuten? Nichts gutes, im Gegenteil – so sehen es 28 große deutsche Einzelhändler. Sie wenden sich in einem offenen Brief an die Bundesregierung.

Darin warnen sie, dass ein Großteil der Geschäfte in Innenstädten einen frühen harten Lockdown nicht überstehen würde. Ein harter Lockdown schon diese Woche „wäre das Ende der Innenstädte wie wir sie heute kennen“, heißt es in dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Man darf jetzt keinesfalls das gesamte Weihnachtsgeschäft ausschließlich den Online-Giganten überlassen“, schreiben die Unterzeichner, zu denen zahlreiche aus Fußgängerzonen bekannte Unternehmen wie die Modehändler New Yorker, Jeans Fritz und NKD sowie Woolworth, Depot oder Tedi gehören.

„Bei einem erneuten Lockdown droht dem Handel eine Erosion, die menschlich, kulturell und auch wirtschaftlich nicht nur desaströse Folgen, sondern irreparable wirtschaftliche Auswirkungen nach sich zieht“, warnen die Händler.

Der von den Unterzeichnern befürchtete frühe Lockdown schon diese Woche wird immer wahrscheinlicher. In einem am Sonntagmorgen vom Bundeskanzleramt an die Länder geschickten Beschlussentwurf zur Bund-Länder-Runde mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird vorgeschlagen, den Einzelhandel mit Ausnahme der Geschäfte für den täglichen Bedarf vom 16. Dezember bis zum 10. Januar zu schließen.

Der erwartete Ansturm beim Weihnachtsgeschäft mit Abstands- und Maskenverstößen in NRW-Innenstädten war am Samstag vielerorts ausgeblieben.

Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt vor den Lockdown-Folgen. Laut einer aktuellen Trend-Umfrage des Verbands unter 500 Unternehmen sieht sich mehr als die Hälfte der Innenstadthändler in Existenzgefahr. Die Befragung mache deutlich, dass auch die Woche vor dem dritten Advent weiten Teilen des Einzelhandels erneut deutliche Umsatzverluste im Vergleich zum Vorjahr gebracht hätten, hieß es. „Umsätze und Kundenzahl erreichten auch in den letzten Tagen bei weitem nicht das Niveau des Vorjahres. Das Weihnachtsgeschäft 2020 ist für die meisten Innenstadthändler verloren“, sagte HDE- Hauptgeschäftsführer Stefan Genth laut Pressemitteilung. Der HDE-Umfrage zufolge lag das durchschnittliche Umsatzminus in den Innenstädten bei fast 20 Prozent, der Kundenfrequenzrückgang bei fast 30 Prozent. „Bis zu 250.000 Jobs sind gefährdet“, hieß es von Genth weiter mit Blick auf den drohenden Lockdown.

Die Beschlussvorlage für die Bund-Länder-Runde am Sonntag legt nahe, dass vom Lockdown betroffene Unternehmen auf mehr Geld vom Staat hoffen können. Bei der sogenannten Überbrückungshilfe III soll der Höchstbetrag von 200.000 Euro auf 500.000 Euro erhöht werden, wobei der maximale Zuschuss für direkt und indirekt von Schließungen betroffene Unternehmen vorgesehen ist. Für diese Firmen soll es außerdem Abschlagszahlungen ähnlich wie bei November- und Dezemberhilfen geben. Auch mit den Schließungen verbundene Wertverluste bei Waren und anderen Wirtschaftsgütern sollen aufgefangen werden.

<aside class="park-embed-html"> <iframe width="640" height="360" src="https://www.youtube.com/embed/RnGt4C3EXzY?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe> </aside>
Dieses Element enthält Daten von YouTube. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren

Die Bundesregierung rechnet in der Folge mit einem weiteren Milliardenaufwand an Kosten. Die Überbrückungshilfe III für die jetzt zusätzlichen Schließungen etwa im Einzelhandel und ab Januar für alle von Schließungen betroffenen Betriebe werde intern grob mit zehn bis zwölf Milliarden Euro pro Monat beziffert, sagte ein Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Im Dezember werde es weniger sein, weil Gastronomie und geschlossene Freizeiteinrichtungen dann noch die Umsatzkompensation im Rahmen von November- und Dezemberhilfe erhielten. Für die Dezemberhilfe rechnet die Regierung mit Kosten von etwa 4,5 Milliarden Euro pro Woche. Bei den neuen Schließungen und ab Jahresanfang für alle sollen nur Fixkosten im Rahmen der Überbrückungshilfe erstattet werden.

(hebu/dpa/Reuters)