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Corona-Krise in NRW: Altkleider-Container überfüllt wegen Pandemie

Überfüllte Container wegen Corona-Krise : „Der Preis von Altkleidern ist ins Bodenlose gefallen“

In der Corona-Krise sind viele Altkleider-Container in NRW überfüllt. Die Entsorgungsbetriebe spüren den Absturz des Weltmarkts in diesem Sektor. Der Dachverband fordert Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung. Bürger sollen ihre Spenden vorerst zuhause lagern.

Überquellende Container, lose T-Shirts auf dem Gehweg, Säcke vor Behältern: In zahlreichen Städten in Nordrhein-Westfalen bietet sich derzeit dieses Bild. „In der Corona-Krise haben viele Menschen mehr Zeit, um alte Kleidung auszusortieren“, erklärt Thomas Fischer, Referent beim Fachverband Textilrecycling (FTR). Zudem seien einige kommunale Wertstoffhöfe immer noch geschlossen. Die Entsorgungsbetriebe versuchten momentan, alle Altkleider-Container abzufahren, sagt er. „Es gelingt in 80 bis 85 Prozent der Fälle. Natürlich fällt es aber sofort auf, wenn es mal nicht klappt.“

Die Awista in Düsseldorf arbeitet momentan ganz normal, sagt Sprecher Ralf Böhme. Die Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung fahre Altkleider-Container je nach Standort bis zu zweimal pro Woche an. Mancherorts werde aber auch Rest- und Sperrmüll neben den Containern abgestellt. Böhmer rät Bürgern, überfüllte Altkleider-Container über die Awista- oder die „Düsseldorf bleib sauber“-App zu melden. Dann würden Missstände innerhalb von 24 Stunden beseitigt.

Auch das Deutsche Rote Kreuz leert seine 50 Altkleider-Container in Düsseldorf ein- bis zweimal wöchentlich. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dieses Intervall ausreicht, damit die Container nicht überladen werden“, sagt Jasmin Schürgers, Sprecherin des Kreisverbands Düsseldorf. Die Container seien in Corona-Zeiten jedoch voller als bisher. Zudem nähmen die Ankäufer die Altkleider wegen der Corona-Pandemie nicht ab. „Wir müssen die Kleidungsstücke deshalb einlagern, bis die Situation einen Abverkauf wieder ermöglicht“, sagt Schürgers.

Nach Angaben des FTR müssen zudem immer mehr Sortieranlagen wegen des Coronavirus Kurzarbeit anmelden oder sogar ganz schließen. Die Ausgangssperren und Versammlungsverbote verhinderten es zudem, Erlöse zu erzielen. „Der Preis von Altkleidern ist auf dem Weltmarkt ins Bodenlose gefallen und um etwa 80 Prozent eingebrochen“, sagt Fischer. „Die Sortieranlagen geben den Preis vor, alte Kleidung hat derzeit kaum Wert“, erklärt er. In Second-Hand-Läden in Osteuropa, Südamerika und Afrika werde wegen geschlossener Geschäfte nichts verkauft.

Vor allem auf dem afrikanischen Kontinent sei noch nicht abzusehen, wie schwer er von der Corona-Pandemie getroffen werde. „Angesichts dieser Entwicklungen wird das dort ohnehin knappe Geld sicher weniger in Kleidung investiert werden“, sagt Fischer. Diese Erlöse fehlten wiederum den karitativen Unternehmen in Deutschland für die Finanzierung von sozialen Projekten, und den privatwirtschaftlichen Betrieben, die damit unter anderem ihre Mitarbeiter bezahlen. „Es ist eine menschliche Tragödie und eine wirtschaftliche Katastrophe“, sagt Fischer.

Der Dachverband FairWertung, ein bundesweites Netzwerk von gemeinnützigen Organisationen, die Altkleider sammeln, fordert deshalb von der Bundesregierung Soforthilfen für gemeinnützige Alttextilsammler. Der Verband verlangt unter anderem schnelle Zuschüsse, eine Aussetzung der Stellplatzmieten der Container und eine kostenlose Übernahme von Fremdstoffen aus den Behältern. „Die Situation auf dem Alttextilmarkt verschärft sich täglich weiter“, sagt Geschäftsführer Thomas Ahlmann. Bereits vor Corona sei das System der kostenlosen Altkleiderabgabe „durch den starken Anstieg von Textilien minderer oder schlechter Qualität in finanzielle Schieflage geraten“.

FairWertung appelliert daher an die Verbraucher, Kleiderspenden zu Hause einzulagern, bis sich die Lage wieder normalisiert habe. Außerdem sollten keine Beutel vor oder neben überfüllte Container gestellt werden. Textile Abfälle gehörten nicht in den Sammelbehälter, dadurch entstünden hohe Kosten für die Entsorgung.