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Corona: Jens Spahn und Lothar Wieler bitten um Reiseverzicht an Ostern

Wieler und Spahn über den Stand der Pandemie : „Es gibt deutliche Signale, dass die dritte Welle deutlich schlimmer werden könnte als die ersten beiden“

Der Chef des Robert Koch-Instituts hat vor einer gefährlichen dritten Welle in der Pandemie gewarnt und um einen Reiseverzicht zu Ostern gebeten. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn ruft die Bürger wegen steigender Infektionszahlen zur Vorsicht an Ostern auf.

Er richtete am Freitag in Berlin die Bitte an die Bürgerinnen und Bürger, Treffen, wenn überhaupt, möglichst draußen zu vereinbaren. Bei Treffen in Innenräumen sollten idealerweise Schutzmasken getragen werden. Spahn räumte ein, alle hätten gehofft, dass Ostern in diesem Jahr anders als im vergangenen Jahr sein könnte. Aber die Virusmutation habe dem einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Derweil warnt das Robert Koch-Institut vor einer gefährlichen dritten Welle in der Pandemie und bittet um einen Reiseverzicht zu Ostern. „Es gibt sehr deutliche Signale, dass diese Welle noch schlimmer werden kann als die ersten beiden Wellen“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wieder mehr Menschen schwer erkranken, dass Kliniken überlastet und dass viele Menschen auch sterben werden.“

Das Impfen allein könne diese Entwicklung noch nicht aufhalten. Für die Osterzeit empfahl Wieler nur Treffen im engsten Familienkreis - und sonst mit Maske am besten draußen. „Bitte verreisen Sie möglichst nicht, weder im Inland noch ins Ausland.“ Bisher habe Umsicht eine viel schlimmere Situation verhindern können. „Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung. Und wenn wir nicht sofort gegensteuern, dann werden die Folgen gravierend sein. Da ist sich die Wissenschaft einig“, sagte Wieler. „Mobilität und Kontakte sind die Treiber der Pandemie.“ Er erinnerte an Ostern 2020, als die Menschen sich besonders genau an die Lockdown-Regeln gehalten hätten. Damals habe man kaum einen Menschen auf der Straße angetroffen. Die damalige Bremse in der ersten Corona-Welle sei sehr effektiv gewesen.

Spahn bemühte das Bild eines Marathonlaufs. Womöglich sei man nun im letzten Teil des Pandemiemarathons angekommen, wo jeder weitere Schritt eine Tortur sei. Es sei eine schwere Zeit und gehe darum, das Erreichte nicht zu verspielen.

Ab Dienstag sind seiner Aussage zufolge Einreisen nach Deutschland per Flugzeug nur noch nach Vorlage eines negativen Corona-Tests möglich. Er habe die neue Einreiseverordnung "gerade gezeichnet". Sie trete nunmehr "Montagnacht" in Kraft. Spahn präzisierte kurze Zeit später, gemeint sei damit die Nacht zum Dienstag. Die Regelung gelte ab dem 30. März um Mitternacht.

Spahn begründete die neue Terminierung damit, dass Reisenden und Fluggesellschaften "etwas mehr Zeit" zur Vorbereitung gegeben werden solle. Die Airlines hätten dargelegt, dass auch der zuvor geplante Starttermin in der Nacht zum Sonntag weitgehend hätte eingehalten werden können. Allerdings gebe es einige Länder, in denen die "Testinfrastruktur selbst noch nicht so ausgebaut ist". Dort müssten die Fluggesellschaften die Testangebote noch organisieren.

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Am Freitagmorgen hatte das Robert Koch-Institut (RKI) 21.573 neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Außerdem starben 183 weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Virus, so dass sich die Gesamtzahl der Corona-Toten in Deutschland auf 75.623 Menschen erhöhte. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Zahl der Ansteckungen binnen einer Woche bezogen auf 100.000 Einwohner angibt, erhöhte sich bundesweit auf 119,1. Inzwischen liegt die Inzidenz nur noch in fünf der 16 Bundesländer unterhalb von 100, zwei davon sehr knapp. Halten sich die Länder an die getroffenen Bund-Länder-Beschlüsse, müsste vielerorts die Corona-Notbremse gezogen und Lockerungen wieder rückgängig gemacht werden.

(felt/dpa/epd)