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Corona in Frankreich: Maskenpflicht in Paris

Coronavirus in Frankreich : Pariser und die Maskenpflicht im Freien während der Hitzewelle

Nach Brüssel und Madrid gilt nun auch in der französischen Hauptstadt Paris die Maskenpflicht im Freien. Seit Montag muss unter anderem am Seine-Ufer und an Touristenmagneten wie dem Montmartre Mund und Nase bedeckt werden. Ausgenommen sind die Champs-Elysées.

Insgesamt gilt die Maskenpflicht im Freien in mehr als hundert Straßen in fast allen Bezirken der französischen Hauptstadt sowie an einigen Orten im Umland. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von 135 Euro. Bevor es tatsächlich verhängt wird, wollen die Pariser Behörden jedoch den Menschen mindestens zwei Wochen Zeit lassen, um sich an die neuen Regeln zu gewöhnen. Die Meinungen darüber gingen am Montag sehr auseinander.

Philippe Juvin regt sich vor allem darüber auf, dass die Orte, an denen Maskenpflicht herrscht, wie ein Flickenteppich wirken. „Das ist ja völlig unverständlich“, beschwert sich der Medizinprofessor. „Ich weiß nicht, wie man sich da zurechtfindet, man braucht eine Karte.“ Vor allem aber ärgert es Juvin, dass die Champs-Elysées ausgespart bleiben, die „Touristen-Hochburg, wo alle Welt hindrängt“.

Erschwerend kommt hinzu, dass Paris derzeit unter ungewöhnlicher Hitze leidet, mit Temperaturen zwischen 34 und 39 Grad. Nach Angaben des Wetterdienstes ist bis mindestens Mittwoch mit einer Abkühlung nicht zu rechnen. Wetterexperte François Jobard sagte bereits die schlimmste Woche seit 1873 vorher - mit Ausnahme des tödlichen Hitzesommers im Jahr 2003.

Für den 24-jährigen Camille, der für den Sommer in einem Bio-Laden im 10. Arrondissements jobbt, wirkt das wie eine Strafe. „Warum jetzt, mitten im August, in der Gluthitze, wo man das schon seit Monaten hätte anordnen können - das ist einfach lächerlich“, sagt er. Camille hat für sich Abhilfe gefunden und lässt die Nase einfach frei.

Andere Pariser haben zwar die Maske bei sich, tragen sie aber am Handgelenk oder unter dem Kinn, um sie bei Kontrollen sofort über Mund und Nase ziehen zu können. Insgesamt aber sind deutlich mehr Menschen mit Masken in den Straßen zu sehen als bisher.

Marie, die am Canal Saint Martin wohnt, freut das. Ihr Viertel sei schon seit langem Gefahr gelaufen, zu einem der Corona-Ausbruchherde zu werden, sagt die 60-Jährige. Viele hätten es vorher an „Pflichtgefühl“ mangeln lassen, „besonders die jungen Leute“. Nun müssten halt alle da durch.

Nadia aus dem dichtbesiedelten Barbès-Viertel begrüßt die Maskenpflicht. Die 38-Jährige geht schon seit März nicht mehr ohne Mundschutz ins Freie. „Alles ist besser als eine Rückkehr zur Ausgangssperre, das muss doch jeder verstehen, oder?“

Solche Probleme hatten die Bewohner im südfranzösischen Lozère bisher nicht, die von der Corona-Krise kaum betroffen sind. Doch seit ausgerechnet auf einem Feld in ihrem Département bis zu 10.000 Raver eine verbotene Party feierten, stehen sie unter Schock. Am Montag hielten sich immer noch 5000 bis 7000 Feierwütige auf dem Feld auf, bewacht von Dutzenden besorgten Polizisten, damit sie nicht, betrunken wie sie sind, ins Auto steigen.

(juw/AFP)