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Corona-Impfung: Wer soll wann geimpft werden? - die Pläne

Entwurf der Impfkommission : Wer wann gegen Corona geimpft werden soll

Die Impfkommission hat ihre Empfehlungen vorgelegt: Danach sind über 80-Jährige und Pflegekräfte zuerst an der Reihe, Lehrer und Erzieher vor Polizisten und Feuerwehr, 76-Jährige vor niedergelassenen Ärzten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wer kommt bei der Corona-Impfung als erstes an die Reihe? Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut hat hierzu am Montag den Entwurf ihrer Empfehlungen an Länder und medizinische Fachgesellschaften versendet, der unserer Redaktion vorliegt.

Welche Gruppen sollen zuerst geimpft werden?

Als erste Gruppe sollen Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen, das in der stationären und ambulanten Altenpflege tätige Personal und Menschen über 80 Jahre geimpft werden. Ebenfalls zur ersten Gruppe zählt die Stiko das Personal in Krankenhäusern, das einem hohen Risiko ausgesetzt ist wie Ärzte und Pflegekräfte für Covid-Patienten, in der Notaufnahme und der Transplantationsmedizin. Die erste Gruppe umfasst rund 8,6 Millionen Menschen.

In einer zweiten Gruppe sollen dann die 75- bis 80-Jährigen geimpft werden sowie Personen mit einer Demenz oder geistigen Behinderung, die in Einrichtungen leben ebenso wie das hier tätige Personal. Diese zweite Gruppe umfasst 6,7 Millionen Menschen.

In einer dritten Gruppen sieht die Stiko Menschen im Alter zwischen 70 und 75 Jahren, Menschen mit riskanten Vorerkrankungen wie Diabetes und deren Kontaktpersonen sowie Menschen, die Kontakt zu Schwangeren haben. Zur dritten Gruppe zählt die Stiko auch Bewohner von Asylbewerber- und Obdachlosen-Unterkünften sowie das Personal im öffentlichen Gesundheitsdienst und in medizinischen Einrichtungen. Diese Gruppe umfasst mehr als 5,5 Millionen Menschen.

In einer vierten Gruppe folgen dann Personen im Alter von 65 bis 70 Jahren, Lehrer und Erzieher sowie Personen mit prekären Arbeitsbedingungen wie Saisonkräfte und Arbeiter in der Fleischindustrie. Hinzu kommen Vorerkrankte mit moderatem Risiko. Diese Gruppe umfasst 6,9 Millionen Personen.

In einer fünften Gruppe sind dann Personen zwischen 60 und 65 Jahren, „Personal in Schlüsselpositionen der Landes- und Bundesregierungen“, wie es heißt, sowie Beschäftigte bei Polizei, Feuerwehr, Müllabfuhr und anderer kritischer Infrastruktur an der Reihe. Diese Gruppe umfasst neun Millionen Menschen.

Wann beginnen die Corona-Impfungen in Deutschland?

Nun haben die Länder und medizinischen Fachgesellschaften bis Donnerstag Zeit, ihre Meinung zu der Impf-Empfehlung darzulegen. Danach legt das Bundesministerium für Gesundheit per Rechtsverordnung fest, wer zuerst an die Reihe kommt. Denn zunächst wird nicht genug Impfstoff zur Verfügung stehen, um die gesamte Bevölkerung zu impfen. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach begrüßte die Empfehlungen der Stiko ausdrücklich und betonte: „Bis März werden wir nur Impfstoff für fünf Millionen Menschen zur Verfügung haben, daher müssen wir priorisieren.“ Es sei richtig, zuerst die über 80-Jährigen, die zu Pflegenden und das medizinische und pflegerische Personal mit besonderem Risiko zu impfen. Er verteidigte, dass niedergelassenen Ärzte nicht vorrangig geimpft werden sollen: „Niedergelassene Ärzte sind erstmal nicht an der Reihe, sie haben zum Glück auch kein deutlich erhöhtes Risiko.“

Aktuell prüft die europäische Zulassungsbehörde EMA den Antrag des Mainzer Unternehmens Biontech, das mit dem US-Konzern Pfizer zusammenarbeitet. „Es wird die Zulassung und Verfügbarkeit eines ersten Impfstoffes (BNT162b2 der Firma Biontech) in Europa Ende 2020 oder Anfang 2021 erwartet“, schreibt die Stiko.

Wie funktioniert der Corona-Impfstoff?

Der Biontech-Impfstoff beruht auf der m-RNA-Technologie. Hierbei wird der Botenstoff (Messenger-RNA) des Virus injiziert, der Mensch produziert ein Protein des Virus und anschließend dagegen Antikörper, die bei einer drohenden Infektion gleich zuschlagen können. Gentechnik spielt nur bei der Herstellung eine Rolle, nicht aber im menschlichen Körper bei der Impfreaktion. Nach der gleichen Technik arbeiten auch der US-Konzern Moderna und das Tübinger Unternehmen Curevac. Auch Moderna hat die Zulassung beantragt, Curevac hat seine entscheidende Studie noch nicht fertig.

Wie viel Impfstoff gibt es?

Pfizer hatte unlängst das Lieferziel halbiert, in diesem Jahr werden Biontech/Pfizer nur 50 Millionen ausliefern können. Da jeder zweimal geimpft werden muss, reicht dies für 25 Millionen Menschen.Jeder benötigt zwei Impfungen innerhalb von 21 Tagen. Wer bereits an Covid-19 erkrankt war, soll zunächst nicht geimpft werden. Die EU hat mit Biontech die Lieferung von 300 Millionen Dosen vereinbart, 60 Millionen davon sollen nach Deutschland gehen.

Wovor schützt der Impfstoff gegen Corona?

Die klinische Studie mit 44.000 Probanden hatte eine Wirksamkeit von 95 Prozent ergeben. Das heißt, das Risiko selbst zu erkranken oder einen schweren Verlauf zu haben, ist deutlich gemindert. Noch offen ist aber, ob Geimpfte die Krankheit dennoch übertragen können, auch wenn sie selbst nicht erkranken. Deshalb sollen laut Stiko auch Geimpfte weiterhin die Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Das erklärt, warum Ärzte davon ausgehen, dass wir auch im kommenden Winter noch Masken tragen müssen.

Was sagt das Land NRW zu den Corona-Impfungen?

Das Gesundheitsministerium hielt sich noch bedeckt. „Das Ministerium wird den Beschlussentwurf nun sorgfältig prüfen – insbesondere mit Blick darauf, wie eine entsprechende Umsetzung in Nordrhein-Westfalen erfolgen kann“, hieß es nur. Der Aufbau der Impfzentren und Impfstellen läuft bereits landesweit.