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Corona-Impfung: Wer sich wann impfen lassen kann

Fragen und Antworten : Wer sich wann und wo gegen Corona impfen lassen kann

Ab dem 27. Dezember wird gegen das Coronavirus geimpft. In der ersten Phase ist der Impfstoff knapper als gedacht. Wer entscheidet, wer wann dran kommt? Und wann werden positive Auswirkungen auf den Pandemieverlauf spürbar? Fragen und Antworten.

Jetzt soll es ganz schnell gehen: In Deutschland sollen sich die ersten Menschen bereits kurz nach Weihnachten gegen Corona impfen lassen. Geplant ist der 27. Dezember, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag bei der Vorstellung der Impfverordnung sagte. Weil der Impfstoff in dieser Anfangsphase jedoch noch knapp ist, werden bestimmte Bevölkerungsgruppen bevorzugt. Hier die Antworten unter anderem auf die Fragen, wer sich wann und wo impfen lassen kann.

Wann startet die Impfung?
Vorgesehen ist der Beginn der Immunisierungen unter der Hoheit der Bundesländer ab dem 27. Dezember. Das setzt voraus, dass die EU den Impfstoff der Firma Biontech/Pfizer wie geplant in der kommenden Woche genehmigt und er danach vom Bund an die 27 Anlieferungszentren der Länder geschickt wird. Die weitere Verteilung an die in den vergangenen Wochen errichteten Impfzentren und die Auswahl der dann zuerst berücksichtigten Pflegeheime ist Sache der Länder.

Der Bund weicht bei der Priorisierung von bisherigen Empfehlungen ab. Warum?
Die Verordnung teilt die Bürgerinnen und Bürger nur noch in drei statt zuvor fünf Kategorien ein. Spahn betonte jedoch am Freitag, dass dabei niemand außen vor bleibe – man habe die zuvor von Experten der Impfkomission, des Ethikrats und der Wissenschaftsakademie Leopoldina vorgeschlagenen Gruppen teils zusammengelegt.

In welcher Reihenfolge können sich die Gruppen impfen lassen?
Höchste Priorität haben alle Menschen ab 80, sowie all jene, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen betreut werden oder tätig sind. Auch Menschen ab 80 in ambulanter Pflege gehören dazu, sowie eine enge Kontaktperson. Zur ersten Gruppe gehört zudem, wer auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Spahn rechnet damit, dass die Impfung dieser ersten Gruppe mehrere Monate in Anspruch nehmen wird.

Wer folgt dann als nächstes?
Zur Gruppe 2 mit „hoher“ Priorität gehören unter anderem über 70-Jährige und Menschen mit hohem Risiko für schwere Corona-Verläufe - etwa mit Trisomie 21, Demenz oder einer geistigen Behinderung. Zur Gruppe 3 mit „erhöhter“ Priorität gehören über 60-Jährige und Menschen mit Krebs und weiteren Erkrankungen etwa am Herzen, Diabetes, Schlaganfall oder Asthma. Hierzu zählen ebenfalls Bundestag und Bundesregierung, Streitkräfte, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Justiz, Katastrophenschutz, Apotheken, Ernährungsbranche, Wasser-, Energie- und Abfallwirtschaft, Verkehr, Telekommunikation, Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel, Erzieherinnen und Lehrkräfte. Spahn kündigte „fließende Übergange“ zwischen den Stufen an.

Wann können alle anderen Bevölkerungsgruppen mit einer Impfung rechnen?
Da gehen die Aussagen auseinander, sicher nicht vor dem Sommer. Manche Skeptiker gehen gar davon aus, dass es Herbst werden kann. Bis Ende Januar werden laut Ministerium deutschlandweit höchstens vier Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen. Das ist nicht viel, zumal ja im Fall des Biontech-Produkts alle Personen zwei Mal geimpft werden müssen. Alle Lieferungen werden nach ihrem Bevölkerungsanteil an die Bundesländer verteilt. Nach sehr starker Priorisierung zu Beginn erwartet Spahn immer zahlreicheren Impfstoff und neue Zulassungen – etwa des Serums der Firma Moderna.

Wie werden die ersten Impfungen ablaufen?
Auch wenn die Impfzentren für die Massenimpfungen bereitstehen, wird dort zu Beginn vermutlich wenig zu tun sein. Denn erst gehen die mobilen Teams in sämtliche Pflegeheime. Das, so die Experten, wird wohl bis zu zwei Monaten dauern - und hängt auch davon ab, dass genügend Impfstoff bereitsteht. Ansonsten verzögert sich die gesamte Aktion. Parallel dazu können aber auch schon Impfungen in den Zentren vorgenommen werden. Spahn nannte zudem Beispiele, wonach einzelne Städte Impfbusse organisiert hätten, um zu Menschen zu gelangen, die nicht in Heimen untergebracht sind und nicht zu Impfzentren kommen können. Das organisieren Länder und Kommunen jedoch für sich.

Wie erfahren die Menschen, ob und wann sie sich impfen lassen können?
Die Länder sollen dafür sorgen, dass diejenigen, die an der Reihe sind, zum richtigen Zeitpunkt über die Möglichkeit zum Impfen informiert werden. Sie können dann einen Termin dafür vereinbaren. Damit es nicht zu langen Warteschlangen vor den Impfzentren kommt, soll es ein einheitliches Terminmanagement geben. Wie genau das geschehen wird, blieb am Freitag noch offen. Mehrere Länder wollen dem Vernehmen nach Telefonnummern einrichten, über die Menschen mit Priorität Termine vereinbaren können. „Ich bitte Sie, abzuwarten, bis auch Sie an der Reihe sind“, sagte Spahn an die Bevölkerung gerichtet. Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, wies allerdings auf ein Problem hin: „Es könnte bei der Feststellung, wer als Risikopatient eingestuft wird und wer nicht, aber noch Fragen geben“, sagte Landsberg. „Eine einfache Bescheinigung vom Hausarzt halte ich nicht für ausreichend, weil man die recht einfach bekommen kann“, sagte er. Landsberg schlug daher vor: „Denkbar wäre es, wenn etwa die Krankenkassen den Betroffenen eine schriftliche Bestätigung schicken würden, die sie eindeutig als Risikopatient ausweist.“

Wird der Impfstart für Entlastung bei den Intensivstationen sorgen?
Damit rechnet der Intensivmediziner  Uwe Janssens frühestens nach drei Monaten. „Die Impfungen werden sich im geringen Umfang auch auf den Intensivstationen wohl erst ab März oder April positiv niederschlagen“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).

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(jd/mar/dpa/epd/AFP)