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Corona-Impfung - warum auch jetzt Genesenenzertifikate wichtig sind - alle Infos

Vorsorge für den Corona-Herbst : Was man jetzt in Sachen Impfschutz wissen muss

Die Corona-Infektionszahlen sind hoch, besondere Schutzvorschriften gibt es dennoch nicht, auch Genesenenzertifikate spielen keine Rolle mehr. Warum man sich trotzdem darum kümmern sollte, wie sich die Lage nach den Sommerferien entwickeln wird, und was man zum Impfschutz im Auge behalten sollte.

Corona-ermüdet genießen die meisten trotz hoher Infektionszahlen so unbeschwert den Sommer, als sei nichts gewesen. Masken haben im von Corona-Regelungen befreiten Alltag Seltenheitswert bekommen und auch Genesenenzertifikate spielen keine besondere Rolle mehr.

Viele verzichten deshalb auf den Aufwand, um sie sich nach durchlebter Infektion ausstellen zu lassen und auch Impfungen sind wenig en vogue, zumal der angepasste Omikron-Impfstoff immer noch auf sich warten lässt. Was aber heißt das mit Blick auf den Herbst? Was man jetzt wissen sollte, um gut aufgestellt zu sein.

Was erwartet uns nach den Sommerferien?

Herbeigesehnte endemische Zeiten, in denen Corona zu einer völlig normal durchlaufenden Infektionskrankheit geworden ist, werden es nicht sein. Das Virus verändert sich zu schnell und zu stark. Aus diesem Grund revidierte auch Virologe Christian Drosten seine Einschätzung. Ab September rechnet er mit hohen Fallzahlen, erneut mehr Schwerkranken in Krankenhäusern und Toten – wenngleich die Situation nicht mehr die Lage von 2021 erreichen werde.

Was sich bereits jetzt zeigt: Corona-bedingte Krankheitsausfälle werden wahrscheinlich zunehmen und in vielen Bereichen möglicherweise ein kritisches Maß erreichen.

Aufgrund befürchteter schwerer Infektionswellen im Herbst und Winter versprach Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach Tempo bei der Neufassung des Infektionsschutzgesetzes. Die derzeit existierende Rechtsgrundlage läuft am 23. September aus. Das neue Infektionsschutzgesetz könnte laut Bundesjustizminister Marco Buschmann erneut eine weitreichende Maskenpflicht vorsehen. Über neuerliche Zugangsbeschränken im öffentlichen Raum müsse abhängig von der Wirkung zukünftiger Impfstoffe und der konkreten Situation gesprochen werden.

Warum sollte man sich auch jetzt ein Genesenenzertifikat ausstellen lassen?

Wer in Deutschland ab dem 1. Oktober 2022 als vollständig geimpft gelten möchte, benötigt eine dritte Impfung. Nach aktuellem Stand (5. Juli 2022) kann ein Genesenenzertifikat zumindest vorübergehend eine fehlende dritte Impfung ausgleichen. Das kann – auch wenn es derzeit bezüglich der nahezu aufgehobenen Corona-Regelungen keinen Vorteil hat – fürs Reisen von Bedeutung sein. Allerdings ist das Genesenenzertifikat hierzulande derzeit lediglich drei Monate lang gültig. Genau genommen sogar nur 62 Tage, da die Gültigkeit erst vier Wochen nach der Infektion beginnt.

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Ein weiterer Aspekt: „Aus medizinischer Sicht ist der Zeitpunkt der letzten Infektion unter anderem vor dem Hintergrund möglicher Auffrischungsimpfungen relevant“, sagt Vincent Jörres vom Deutschen Hausärzteverband. Denn ein Genesenenzertifikat kann auch mit Blick auf empfohlene zeitliche Abstandsregeln zur nächsten Impfung gegen das Coronavirus wichtig werden, wie auch die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein sagt. Genesene sind zudem Geboosterten gleichgestellt, wenn sie sich drei Monate nach der Infektion einmal impfen lassen.

Wer nach Frankreich einreisen möchte, benötigt entweder einen Antigen- oder PCR-Test oder eine vollständige Impfung (zweimalige Impfung). Ausnahme bildet die Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson, bei dem eine einmalige Impfung als ausreichend gilt. Das Genesenenzertifikat kann hier von Bedeutung sein, weil auch Covid-19-Genesene, die zuvor nur einmal geimpft wurden, als vollständig geimpft gelten. In anderen Ländern ersetzt ein noch gültiges Genesenenzertifikat beispielsweise Boosterimpfungen.

Grundsätzlich gilt das Genesenenzertifikat mit Ausnahme von Deutschland innerhalb der EU sechs Monate. Es empfiehlt sich aufgrund sich ständig ändernder Reisebestimmungen weltweit jedoch vor Reisen aktuelle Informationen zum jeweiligen Reiseland einzuholen.

Wann ist eine vierte Impfung nötig?

Zwar kündigte die Bundesregierung die Möglichkeit zur vierten Impfung für alle für Herbst an, doch empfiehlt die Ständige Impfkommission derzeit eine vierte Impfung – also eine zweite Auffrischungsimpfung – lediglich für gesundheitlich besonders gefährdete und exponierte Personen. Der Grund: Es gibt noch keinen angepassten Omikron-Impfstoff und die Impfung mit bereits existierenden Vakzinen ist laut derzeitiger Datenlage nicht für jeden mit Zusatznutzen verbunden.

Wer sich die vierte Impfung bereits laut Stiko-Empfehlung abholen sollte: Menschen ab 70 Jahren, Beschäftigte und Bewohner in Pflegeeinrichtungen sowie Personen mit Immunschwäche. Daten aus Israel deuten darauf hin, dass eine vierte Impfung für diese Gruppe vor allem vor schweren Erkrankungen oder Tod schützen. Was den Schutz vor einer Ansteckung angeht, scheint eine vierte Impfung jedoch laut Erhebungen aus Israel nur einen geringen Zusatznutzen zu bringen.

Gesundheitsminister Lauterbach rät hingegen angesichts hoher Infektionszahlen in diesem Sommer grundsätzlich allen dazu, über eine vierte Impfung nachzudenken.

Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl sieht den Nutzen einer vierten Impfung für immungesunde Personen unter 60 Jahren als gering an: „Diese Personen haben immer noch einen sehr guten Schutz vor der schweren Erkrankung, werden aber früher oder später eine Durchbruchsinfektion haben.“ Die so erreichte hybride Immunität schütze diese Personen sehr gut vor Ansteckung und Erkrankung.

Was bringen voraussichtlich die angepassten Omikron-Impfstoffe?

Sowohl Biontech/Pfizer als auch Moderna haben auf Daten aus Labor-Studien mitgeteilt, dass ihre angepassten Vakzinen gute Immunantworten gegen Omikron erzeugen. Die Anzahl der neutralisierenden Antikörper sei bei einer vierten Impfung mit den im Herbst zu erwartenden neuen Impfstoffen durchschnittlich zwei bis drei Mal so hoch wie nach der Impfung mit den derzeit existierenden Vakzinen. Wie die Wirksamkeit in der Realität sein wird, sei davon abhängig, mit welchen Virusvarianten der einzelne in der Vergangenheit Kontakt hatte und wie oft und mit welchen Impfstoffen er bis dato geimpft worden sei, sagt Rolf Hömke vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen, wie die Tagesschau berichtet.

Wie behalte ich bei den ständigen Veränderungen den Überblick?

Helfen kann dabei die Corona-Warn-App. Sie informiert Nutzerinnen und Nutzer beispielsweise auch darüber, ob sie alle derzeit empfohlenen Impfungen erhalten haben, sich noch über mögliche Impfungen informieren sollen, oder ob sie aufgrund einer durchgemachten Infektion als grundimmunisiert gelten. Diese Funktionen stehen mit Update zur Version 2.21 zur Verfügung. Wichtig: Genesenenzertifikate werden in der App ohne Gültigkeitsdatum angezeigt. Abrufen kann man darin jedoch das Datum des ersten Tests, auf dem das Zertifikat beruht.