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Corona-Impfung Schwangerschaft: Das sollten Sie nach der Stiko-Empfehlung wissen - alle Infos

Nach Stiko-Empfehlung : Das müssen Sie über Corona-Impfungen für Schwangere wissen

Stecken sich Schwangere mit Covid-19 an, haben sie ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Nach Monaten des Zögerns hat sich die Ständige Impfkommission jetzt generell für die Immunisierung in der Schwangerschaft ausgesprochen. Was junge Frauen, Schwangere und Stillende jetzt wissen sollten.

Seit Januar impft man in Israel Schwangere, seit April empfehlen die britischen Behörden Schwangeren die Corona-Impfung. Auch in den USA, in Belgien, Österreich und Frankreich ist die Immunisierung für Schwangere möglich. In Deutschland hingegen ließ eine generelle Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Frauen in der Schwangerschaft auf sich warten. Nun ist sie da – wenn auch zunächst lediglich als Beschlussentwurf. Wenn das vorgeschriebene Stellungnahmeverfahren abgeschlossen ist, soll die endgültige Empfehlung zeitnah folgen.

Damit rückt die Stiko von ihrer bisherigen Haltung ab, lediglich Risikoschwangeren und solchen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, chronischen Lungenkrankheiten oder Autoimmunerkrankungen eine Immunisierung nahezulegen. Bereits seit Mai hatten auch die gynäkologischen und geburtskundlichen Fachgesellschaften in Deutschland die Impfung für alle Schwangeren klar befürwortet.

Was genau empfiehlt die Stiko Schwangeren, Stillenden und jungen Frauen?

Schwangere sollten sich ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel – also zwischen der 14. und 27. Schwangerschaftswoche – impfen lassen. Darüber hinaus rät die Stiko auch allen Frauen im gebärfähigen Alter zur Immunisierung, um sich bereits vor einer Schwangerschaft zu schützen. Auch in der Stillzeit ist eine Impfung demnach möglich und empfehlenswert.

Warum hat die Impfkommission ihre Empfehlung geändert?

Ähnlich wie bei der Impfempfehlung für die Zwölf- bis 16-Jährigen mangelte es der Stiko bisher an aussagekräftigen Daten. Diese liegen nun nach Auswertung von insgesamt 14 Übersichtsstudien vor, in denen Schwangere und Nicht-Schwangere verglichen werden. Die Stiko kommt danach zu dem Ergebnis, dass die Schwangerschaft an sich ein Risikofaktor für eine schwere Covid-19-Erkrankung ist. Hinzu kommen Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der Impfung. Diese „Sicherheitsdaten haben kein Risiko für ein Signal gezeigt, dass durch die Impfung irgendwelche unerwünschten schweren Komplikationen aufgetreten wären“, sagt Frauenärztin und Stiko-Mitglied Marianne Röbl-Mathieu.

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Wie hoch ist das Risiko für Schwangere, bei einer Corona-Infektion im Krankenhaus behandelt werden zu müssen?

Zehn Prozent der Schwangeren zeigen im Erkrankungsfall einen schweren Verlauf, sagt Röbl-Mathieu von der Stiko in einem Interview mit der FAZ. Rund vier Prozent aller Schwangeren müssten auf der Intensivstation behandelt werden. Damit tragen laut Röbl-Mathieu Schwangere gegenüber Nicht-Schwangeren ein zwei- bis fünfmal höheres Risiko, intensivmedizinisch behandelt werden zu müssen. Die gynäkologischen und geburtshilflichen Fachgesellschaften nennen in ihrer Empfehlung sogar ein sechsfach erhöhtes Risiko. Eine Beatmung sei 23-mal häufiger notwendig, heißt es in dem Papier. Die Stiko kommt hingegen auf Grundlage ihrer Datenübersicht auf ein zweieinhalb Mal höheres Beatmungsrisiko. Drei Prozent der Covid-19-erkranten Schwangeren müssten invasiv beatmet werden.

Wie gefährlich ist Covid-19 grundsätzlich für Schwangere?

Zwar stecken sich Schwangere nicht häufiger mit Corona an als Nicht-Schwangere. Kommt es jedoch dazu, ist nicht nur ein schwerer Verlauf wahrscheinlicher, sondern auch das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen oder gar den Tod der Schwangeren. Covid-19-Schwangere leiden beispielsweise eher an einer für Mutter und Kind lebensgefährlichen Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung). Das Risiko dafür ist bei Schwangeren mit Covid-19 um 33 Prozent höher als bei Schwangeren ohne Covid-19, geht aus einem Fact Sheet zu relevanten Studienergebnissen des Science Media Center hervor. Daneben ist auch die Gefahr für vorzeitige Wehen und damit verbundener Früh- oder Totgeburt erhöht. Schwangere mit einer Covid-19-Diagnose weisen ein 14-mal höheres Risiko auf, eine Blutvergiftung (Sepsis) zu erleiden.

Was ist mit der Gefahr, Sars-Cov-2 auf das Baby zu übertragen?

Das Risiko, das Virus in der Schwangerschaft auf das Kind zu übertragen, schätzen Experten laut Studien als gering ein. Ausgeschlossen sei es jedoch nicht.

Schützt eine Impfung auch das Kind?

Nach derzeitigen Erkenntnissen kann eine Impfung der Mutter auch das Kind schützen. Studien weisen darauf hin, dass durch die Impfung der Mutter Antikörper auf das Ungeborene übergehen und ihm so einen Nestschutz verschaffen können. Dieser hält rund ein halbes Jahr. Auch durch das Stillen können Mütter Antikörper an ihre Babys weitergeben und sie so vor Corona schützen, fanden Wissenschaftler heraus.

Welche Impfstoffe kommen in Frage?

Alle mRNA-Impfstoffe. In Deutschland sind das derzeit die beiden Vakzine von Moderna und Biontech/Pfizer. Zur vollständigen Immunisierung sind zwei Impfungen erforderlich. Eine gerade erschienene israelische Studie mit mehr als 20.000 geimpften und nicht-geimpften Schwangeren zeigte eine hohe Wirksamkeit des Wirkstoffs von Biontech/Pfizer. Die Wahrscheinlichkeit einer Corona-Infektion war um 96 Prozent geringer als bei Ungeimpften. Eine symptomatische Erkrankung werde sogar zu 97 Prozent verhindert.

Wie sicher ist die Impfung für Schwangere?

Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass Schwangere ernste Nebenwirkungen oder Impfreaktionen zu erwarten haben. Geimpfte Schwangere berichteten sogar seltener von Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Fieber und Schüttelfrost. Allerdings berichteten Schwangere häufiger von Schmerzen an der Einstichstelle. Befürchtungen, die Impfung könne zu erhöhten Komplikationen bei der Geburt oder in der Schwangerschaft führen, bestätigt die Stiko nach ihren Auswertungen nicht. Auch junge Frauen müssen sich laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung keine Sorgen machen. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass eine Impfung unfruchtbar mache.

Warum sollte die Impfung im zweiten Schwangerschaftsdrittel erfolgen?

Im ersten Drittel der Schwangerschaft ist das Immunsystem von Schwangeren besonders aktiv. So kann es leichter zu Impfreaktionen kommen. Im ersten Trimester könne beispielsweise Fieber eine Fehlgeburt auslösen, sagt Christian Bogdan, Direktor des Mikrobiologischen Instituts der Universitätsklinik Erlangen und Mitglied der Stiko. Aus diesem Grund verzichtet man bei Impfungen insgesamt möglichst darauf, diese in der frühen Phase der Schwangerschaft vorzunehmen.