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Corona-Impfung: Patientenschtz fordert medizinische Aufklärung

„Die Bundesregierung ist gefordert“ : Patientenschützer fordert medizinische Aufklärung vor Corona-Impfung

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warnt vor Vereinfachungen bei der bevorstehenden Impfkampagne gegen das Corona-Virus. Er verlangt von der Bundesregierung Antworten auf einige Fragen.

Es sei zwar wichtig, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen, sagte er am Sonntag dem epd. „Doch es muss geklärt sein, wie die Aufklärungspflichten auch bei Massenimpfungen gewahrt werden können.“ Dazu gehöre, den Immunstatus jedes einzelnen in den Blick zu nehmen und in einem medizinischen Aufklärungsgespräch individuelle Krankheiten und den jeweils verwendeten Impfstoff zu besprechen.

Erschwerend sei zudem, dass - abgesehen von den logistischen Herausforderungen bei der Verteilung, Lagerung und Aufbereitung des Impfstoffs - über Verträglichkeiten und Wechselwirkungen des jeweiligen Impfstoffes noch nicht viel bekannt sei, sagte Brysch. Zudem sei die Rangfolge der Bevölkerungsgruppen, die als erstes das Angebot zu einer Corona-Schutz-Impfung erhalten, noch nicht bekannt.

Brysch kritisierte, dass es keine verbindlichen Leitlinien für die Zuordnung von Patienten in eine bestimmte Gruppe gebe. Ärzte dürften hier im Gespräch mit ihren Patienten über mögliche Ansprüche auf eine Impfung nicht alleine gelassen werden. Auch die Zuordnung von Impfwilligen zu einer Berufsgruppe scheine nur vordergründig einfach. Was sei beispielsweise mit Ärzten und ausgebildeten Pflegekräften, die zwar ein Diplom vorweisen könnten, aber nicht mehr in ihren Berufen arbeiteten, fragte Brysch.

„Die Bundesregierung ist gefordert, alle Fakten für die breite öffentliche Diskussion auf den Tisch zu legen“, betonte Brysch. Er kritisierte, dass eine intensive Debatte, auch über ethische Fragen zur Corona-Impfung, ausgeblieben sei. Andernfalls wäre die Bevölkerung besser auf das kommende Impfjahr vorbereitet worden.

Noch ist offen, in welcher Reihenfolge besonders gefährdete Personengruppen geimpft werden sollen. Geregelt wird das in einer Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums, an der derzeit noch gearbeitet wird. Ob die Impfungen noch im Dezember beginnen können, ist ebenfalls unklar. Noch fehlt die Zulassung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) für einen Impfstoff. Mit dieser wird erst nach Weihnachten gerechnet.

(epd)