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Corona-Impfung: Nebenwirkungen - wie sicher sind Astrazeneca, Biontech & Moderna?

Biontech, Astrazeneca und Moderna : Was Sie über Nebenwirkungen bei der Corona-Impfung wissen sollten

Berichte über Nebenwirkungen bei Astrazeneca ein vorübergehender Impfstopp und zuletzt ein Todesfall in Euskirchen, über den in Zusammenhang mit diesem Vakzin gesprochen wird, führen immer wieder zu Verunsicherung: Wie oft treten Nebenwirkungen und schwere Impfreaktionen auf? Womit muss man nach einer Impfung rechnen? Wie verträglich sind die Impfstoffe? Experten beantworten die wichtigsten Fragen.

In Deutschland wird derzeit mit drei Wirkstoffen gegen das Coronavirus geimpft, weltweit sind noch mehr verschiedene Vakzine im Einsatz. Weitere sollen in den nächsten Monaten hinzukommen.

Zugelassen sind die Impfstoffe der Hersteller:

  • Astrazeneca
  • Biontech/Pfizer und
  • Moderna.

Sehr sorgfältig wird auch nach der Zulassung der Impfstoffe beobachtet, welche Nebenwirkungen auftreten. Aus diesem Grund hatte es als Vorsichtsmaßnahme am 15. März einen viertägigen Impfstopp für den Impfstoff Astrazeneca geben. Dieser ist nach Prüfung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), das in Deutschland für die Überwachung von Impfstoffen zuständig ist, wieder frei gegeben worden.

Nach dem Tod einer geimpften 47-jährigen Frau aus dem Kreis Euskirchen, der am letzten Märzwochenende bekannt wurde, herrscht nun erneut Unruhe um das Astrazeneca-Vakzin. Das PEI prüft den Vorgang derzeit. Die Frau war aufgrund ihres Berufes im medizinischen Umfeld bereits geimpft worden. Danach stellten sich Komplikationen ein. Am vergangenen Freitag war der Fall dem Gesundheitsamt im Kreis Euskirchen gemeldet worden. Mediziner äußerten den Verdacht, es könne sich um einen der sehr seltenen aber bekannten Fälle von Hirnvenenthrombosen handeln. Der Kreis Euskirchen hat am Montag die Impfung von Frauen unter 55 mit Astrazeneca vorläufig gestoppt – diese Entscheidung habe der Krisenstab nach Beratung durch den Leiter des Gesundheitsamtes und den leitenden Impfarzt gefällt. Die Impfungen mit Astrazeneca für Männer sowie für Frauen über 55 gehen im Kreis ebenso wie geplant weiter wie die Impfungen mit dem Biontech-Vakzin.

Wie oft traten bislang Hirnvenenthrombosen nach der Impfung mit Astrazeneca auf?

 In Deutschland sind nach der Impfung von rund 1,5 Millionen Menschen 16 Fälle bekannt, in denen es nach der Impfung mit dem Impfstoff Astrazeneca zu einer speziellen Form von Hirnvenenthrombosen, also einem Blutgerinnsel in der Hirnhaut gekommen ist. Vier Frauen starben daran(Stand 29.3.2021). Laut Informationen des PEI waren mit Ausnahme einer Meldung immer Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren betroffen. – Statistisch gesehen hätte es nur zu einem einzigen solchen Fall kommen dürfen. Darum hat man die Impfung vorübergehend gestoppt und die Fälle untersucht und geht nun auch den Ursachen für den neuen Fall in Euskirchen nach.

Warum ist der Impfstopp wieder aufgehoben worden?

Laut der EMA überwiegen die Vorteile einer Impfung immer noch die Risiken möglicher Blutgerinnsel. Europaweit erkrankten von 20 Millionen Geimpften 18 an einer Hirnvenenthrombose und sieben an Blutgerinnseln in mehreren Blutgefäßen (Stand 16. März). In allen Fällen ist jedoch nicht eindeutig, ob die Impfung die Ursache dafür war. Demgegenüber sterben jeden Tag tausende Menschen an Covid-19. Möglicherweise erhöht eine frühere asymptomatisch verlaufene Corona-Erkrankung das Risiko für Hirnvenenthrombosen, eventuell auch die Einnahme der Antibabypille, Rauchen oder eine genetische Vorbelastung. Insgesamt zeigte sich aber, dass eine Impfung mit Astrazeneca das Risiko für Blutgerinnsel grundsätzlich sogar senkte. Da eine Corona-Erkrankung das Thromboserisiko und damit die Gefahr eines tödlichen Verlaufs erhöht, sehen die Experten einen deutlichen Impfnutzen.

Auch die übrigen Impfstoffe, wie Biontech/Pfizer, Moderna oder Johnson & Johnson, der laut Gesundheitsminister Spahn erstmals Mitte April nach Deutschland geliefert werden soll, werden nun auf diese mögliche Nebenwirkung unter die Lupe genommen. Grundsätzlich wird der Impfstoff von Astrazeneca laut Experten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) nicht schlechter vertragen als die anderen derzeit zugelassenen Impfstoffe.

Was weiß man über die Entstehung dieser speziellen Hirnvenenthrombosen?

Transfusionsmediziner der Universität Greifswald fanden jüngst zusammen mit Forschern des PEI bei der Untersuchung von Blutproben Betroffener heraus, dass die Impfung in seltenen Fällen offenbar im Körper Abwehrmechanismen auslösen kann. Im Organismus der Geimpften bilden sich dann spezielle Antikörper, die sich an die Blutplättchen (Thrombozyten) binden. Dadurch werden die Blutplättchen aktiviert. Dieser Mechanismus ist bei der Wundheilung wichtig, denn er sorgt dafür, dass die Blutplättchen Schäden an den Gefäßen abdichten und Wunden abheilen können. Werden die Thrombozyten aber aktiviert, ohne dass eine Blutung besteht, können sich Gerinnsel im Blut bilden, die zu einem Verschluss von Gefäßen führen (Thrombose). Die Experten der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) bewerten diese Ergebnisse als Meilenstein. Laut Einschätzung des Studienleiters Andreas Greinacher könne man sich bedenkenlos mit diesem Impfstoff impfen lassen. Die Forscher haben überdies eine Behandlungsmethode gefunden, um solche Blutgerinnsel im Gehirn aufzulösen.

 Wie oft wurden in Deutschland schwerwiegende Nebenwirkungen von Corona-Impfungen gemeldet?

In seinem Sicherheitsbericht vom 23. März schreibt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), es sei hierzulande in 2.287 Fällen über schwerwiegende Reaktionen berichtet worden. Die Betroffenen wurden zum Teil im Krankenhaus behandelt.

 1.728 dieser Verdachtsfälle traten nach Impfung mit dem Mittel von Biontech/Pfizer, 113 schwerwiegende Verdachtsfälle nach Impfung mit dem Impfstoff von Moderna und 352 schwerwiegende Verdachtsfälle traten nach der Impfung mit Astrazeneca auf. Bis zu diesem Zeitpunkt waren rund 8,9 Millionen Corona-Impfungen in Deutschland erfolgt; die meisten, nämlich rund 7,1 Millionen davon, mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer. 298.788 Impfungen erfolgten mit dem Impfstoff von Moderna und rund 1,5 mit dem Astrazeneca-Vakzin - dessen Einsatz war erst im Februar angelaufen.

Wichtig zu wissen: Alleine die Meldung einer beobachteten Nebenwirkung bedeute nicht, dass es zwangsläufig einen kausalen Zusammenhang zum Corona-Impfstoff gibt, sagt Brigitte Keller-Stanislawski, Abteilungsleiterin Arzneimittelsicherheit beim PEI. Carsten Watzl, Professor am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an. der TU Dortmund, betont: Die Wahrscheinlichkeit einer Corona-Erkrankung mit schwerem Verlauf sei deutlich höher, als Nebenwirkungen zu erleiden, die nicht zu den üblichen Impfreaktionen zählen.

Welche Nebenwirkungen treten bei der Corona-Impfung häufig auf?

Zu den häufigsten Nebenwirkungen der Corona-Impfung zählen Studien zufolge die üblichen Impfreaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Schüttelfrost. Daneben kann es auch zu Fieber, Müdigkeit und Übelkeit kommen. „Dies sind vorübergehende Nebenwirkungen, die keinen Schaden nach sich ziehen“, sagt Klaus Cichutek, Präsident des PEI. Die Beschwerden zeigten sich meist schwach bis mäßig und klängen nach kurzer Zeit wieder ab. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA veröffentlicht regelmäßig Sicherheitsberichte über die zugelassenen Impfstoffe. Demnach gibt es grundsätzlich keine Sicherheitsbedenken gegen die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca. Der Nutzen der Impfstoffe sei weit größer als die Risiken.

Welche schweren Nebenwirkungen sind bei der Corona-Impfung bekannt?

 Neben für Impfungen typische Nebenwirkungen registrieren die Experten auch schwerwiegende Komplikationen. Diese müssen meist ärztlich behandelt werden. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) können bei den Corona-Vakzinen ebenso wie bei allen anderen Impfstoffen "in sehr seltenen Fällen" zum Beispiel allergische Reaktionen bis hin zum Schock (sogenannte Anaphylaxie) auftreten. In Deutschland wurden solche Schockreaktionen jedoch bei allen drei zugelassenen Impfstoffen nur sehr selten gemeldet, wie aus dem Sicherheitsbericht des PEI hervorgeht. Bei 8,9 Millionen Impfungen wurden in 127 Fällen allergische Schockreaktion gemeldet, von denen der überwiegende Teil nach einer Impfung mit dem Präparat von Biontech/Pfizer auftrat. Zu den meisten dieser Reaktionen kam es innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Impfung, sie wurden mit Notfallmedikamenten behandelt.

Im Sicherheitsbericht des PEI vom 26. Februar wurde in 33 Fällen von Lähmungserscheinungen (periphäre Fascialisparesen) berichtet. Der aktuelle Bericht gibt keine Auskunft über neue Entwicklungen. Laut PEI ließen sich die gemeldeten Lähmungserscheinungen meist auf andere Ursachen zurückführen. Insgesamt sei ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Lähmungen und der Impfung unwahrscheinlich, teilen die Experten auf Grundlage von Vergleichszahlen mit. Vollkommen ausschließen könne man einen Zusammenhang jedoch nicht.

Wie viele Todesfälle gab es schon nach einer Corona-Impfung?

Dem Paul-Ehrlich-Institut wurden 351 Todesfälle gemeldet, die nach einer Corona-Impfung auftraten. Das bedeutet aber nicht etwa, dass die Impfung zum Tod geführt hätte: „Nach einer Corona-Impfung“ meint lediglich den zeitlichen Zusammenhang. Die Betroffenen waren durchschnittlich 86 Jahre alt. Bei den meisten dieser Personen bestanden zum Teil mehrere schwere Vorerkrankungen, die nach Erkenntnissen des PEI wahrscheinlich Ursache für ihren Tod waren. Zusammenfassend halten die Experten fest, dass die Anzahl der Todesfälle nach einer Impfung die erwartete Anzahl an Todesfällen in der entsprechenden Altersgruppe „nicht übersteigt“. Anders gesagt: In jeder größeren Gruppe von Menschen gibt es über die Zeit rein statistisch eine bestimmte Zahl von Todesfällen. Nach der Corona-Impfung war diese Zahl nicht erhöht.

Wie wahrscheinlich ist es, noch unbekannte Nebenwirkungen zu bekommen?

„Die Wahrscheinlichkeit von seltenen, noch unbekannten Nebenwirkungen liegt bei unter 0,001 Prozent“, sagt Carsten Watzl von der TU Dortmund. Auch hier gelte: Die Chance, einen schweren Corona-Erkrankungsverlauf zu erleben sei deutlich größer als das Risiko für Nebenwirkungen, die nicht zu den üblichen Impfreaktionen zählen.

Warum werden nicht alle Nebenwirkungen in klinischen Studien vorab aufgedeckt?

Die klinischen Studien vor der Zulassung der Impfstoffe umfassen die Daten von rund 40.000 Studienteilnehmern. Allerdings ist der Anteil vorerkrankter Menschen, die an diesen Studien teilnahmen, sehr gering. Aus diesem Grund kann man sehr seltene, unerwünschte Reaktionen, die möglicherweise zudem in Verbindung mit bestimmten Vorerkrankungen oder Übergewicht stehen, dort nicht umfangreich bewerten.

Wie wird überprüft, ob Beschwerden tatsächlich vom Impfstoff verursacht werden?

Es kann Zufall sein, dass Erkrankungen oder als Nebenwirkung beobachtete Ereignisse direkt nach der Impfung auftreten. Klinische Studien, die vor der Zulassung gemacht werden, arbeiten darum immer mit zwei Probandengruppen: mit einer Gruppe, die tatsächlich die Impfung bekommt, und mit einer sogenannten Placebogruppe, die ein Scheinmedikament ohne Arzneiwirkstoff erhält. Diese dient als Kontrollgruppe, denn an ihr lässt sich ablesen, wie häufig die Zahl zufälliger Ereignisse ist. „Sobald jedoch mit dem Impfen der Bevölkerung begonnen wird, fehlt diese Placebogruppe“, sagt Watzl.

Darum nimmt man in der sich an die Zulassung anschließenden Phase vier der Überprüfung von Impfstoffen alle gemeldeten möglichen Nebenwirkungen kritisch ins Visier. Dafür werden unter anderem Daten aus der Vergangenheit zur Rate gezogen, die die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter Reaktionen innerhalb einer Altersgruppe zeigen. Ein Beispiel: Als Menschen jenseits der 80 als erste Gruppe die Impfung erhielten, starben einige davon kurz danach. Man weiß allerdings, wie oft es statistisch in dieser Gruppe normalerweise innerhalb einer Woche zu Todesfällen kommt. Diese Zahlen werden dann mit der Häufigkeit der gemeldeten Fälle verglichen. Auf diese Art lasse sich schnell feststellen, ob es sich um ein normales, zu erwartendes Ereignis handele oder nicht, sagt Watzl.

Wie lange dauern Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung an?

Impfreaktionen treten in der Regel kurz nach der Injektion auf und halten wenige Tage an.  Das Robert-Koch-Institut hält fest, dass statistisch gesehen 40 von 1000 Geimpften jenseits der 60 noch nach einer Woche starke Erschöpfung zeigten. 290 litten eine Woche nach der Impfung noch so sehr an Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen, dass sie ein Schmerzmedikament nehmen mussten.

Woher weiß ich, ob ich Nebenwirkungen habe?

Eine Nebenwirkung - auch unerwünschte Arzneimittelwirkung genannt - ist ein unerwünschtes Symptom, das von einem Arzneimittel hervorgerufen wurde. Das Problem ist aber: Auch wenn subjektiv betrachtet für den Betroffenen ein Zusammenhang zur vorangegangenen Impfung zu bestehen scheint, ist es nicht immer auch tatsächlich so: Es könnte auch einfach Zufall sein, dass man gerade Kopfschmerzen hat. Ganz genau weiß man also nie, ob ein bestimmtes Unwohlsein von der Impfung verursacht wurde oder nicht. Durch die Meldung von Verdachtsfällen kann man jedoch den Behörden bei der Überwachung von Arzneimittelrisiken helfen.

Wie werden die Nebenwirkungen überwacht?

Ärzte und Apotheker haben eine gesetzlich vorgeschriebene Mitteilungspflicht. Gibt es also einen Verdachtsfall, wird dieser über die Gesundheitsämter an das Paul-Ehrlich-Institut gemeldet. Dieses hat in Deutschland unter anderem die Aufgabe, Impfstoffe zu überwachen. Bürger können dort auch für sich oder eine andere Person direkt Meldungen zu beobachteten Nebenwirkungen machen. Hierfür muss keine Bestätigung eines Arztes vorliegen. Die Grundlage hierfür schafft eine europäische Richtlinie aus dem Jahr 2010, die darauf abzielt, die Rechte von Patienten zu stärken und Erfahrungen in Hinblick auf die Verträglichkeit von Arzneimitteln insgesamt zu nutzen.

Wie genau kann man Nebenwirkungen melden?

Das Melden von Verdachtsfällen auf Nebenwirkungen ist auf drei Wegen möglich: entweder über ein Online-Formular, über die vom PEI entwickelte App SafeVac oder nach dem Download eines Meldeformulars in Papierform. Die übermittelten Daten werden dann vom PEI erfasst. Dabei wird sofort überprüft, ob eine eingegangene Meldung auf ein neues Risikosignal hinweist. Experten für Arzneimittelsicherheit untersuchen dann den Fall. Diese direkten Meldungen durch Patienten sind laut Informationen des PEI besonders interessant, weil sie häufig neue Informationen beinhalten, die nicht im Beipackzettel erwähnt sind. Direkte Verbrauchermeldungen können laut PEI „erheblich zur Früherkennung von Risikosignalen beitragen“.

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