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Corona-Impfung für Kinder: Was Eltern wissen müssen - Stiko

Start am Montag : Was Eltern zum Kinder-Impfen wissen müssen

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Corona-Impfungen für Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren mit bestimmten Vorerkrankungen. Der spezielle Impfstoff soll NRW an diesem Montag erreichen. Einige Kinderärzte wollen ihn auch schon am Montag verimpfen.

Darauf haben viele Familien mit kleinen Kindern gewartet: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Corona-Impfungen für Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren mit bestimmten Vorerkrankungen. Wie das Gremium am Donnerstag mitteilte, empfiehlt es Impfungen auch für Kinder, in deren Umfeld Risikopatienten leben, die sich selbst nicht durch Impfungen schützen können. Die Stiko begründet ihre Empfehlung damit, dass die Inzidenz in der Altersgruppe zwar sehr hoch sei, aber für Kinder ohne Vorleiden nur ein geringes Risiko für eine schwere Erkrankung oder Hospitalisierung bestehe. Hinzu komme, dass das Risiko seltener Nebenwirkungen auf Grund der Datenlage derzeit nicht eingeschätzt werden könne. Für alle anderen Kinder soll eine Impfung aber bei Wunsch möglich sein: „Bei individuellem Wunsch könnten auch Kinder ohne Vorerkrankung geimpft werden", so die Stiko - nach entsprechender ärztlicher Aufklärung. Damit überträgt die Stiko die Entscheidung an Ärzte und Eltern.

Wann beginnt das Impfen? Der Hersteller Biontech, der bislang als einziger eine Zulassung für diese Altersgruppe hat, will seinen Corona-Impfstoff für Kinder früher als ursprünglich geplant in der EU ausliefern. Die Auslieferung an die EU-Staaten soll bereits am 13. Dezember erfolgen. Die ersten Impfungen mit dem Corona-Kinderimpfstoff sind an diesem Montag in Nordrhein-Westfalen geplant. Der Apothekerverband Nordrhein geht davon aus, dass der spezielle Impfstoff wie geplant am Montag zur Weiterverteilung zur Verfügung stehen wird und die ersten Kinderärzte auch schon am Montag damit impfen werden. Einzelne Kinderärzte hatten ebenfalls erklärt, bereits an diesem Montag damit impfen wollen. Im Laufe der Woche soll der über die Apotheken zu verteilende Kinderimpfstoff dann weitere Praxen erreichen. In den Impfstellen der Kommunen und Kreise soll es für Kinder zwischen fünf und elf Jahren von Freitag an ebenfalls ein Angebot geben, wie das Gesundheitsministerium im Vorfeld mitgeteilt hatte. Mindestens die Hälfte der Kinderimpfungen dort soll mit Termin vergeben werden.

Wie gut ist der Impfstoff? Die europäische Arzneimittelbehörde Ema hatte Ende November grünes Licht für Kinder ab fünf Jahren gegeben. Der Impfstoff sei sicher und effektiv, so die Ema. Es ist der erste Impfstoff für diese Altersgruppe. In Israel und den USA werden kleine Kinder schon seit einiger Zeit geimpft.

Was sagen die Kinderärzte? Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, begrüßt die Stiko-Entscheidung: In dieser Altersgruppe erkranke nur eine geringe Zahl von Patienten schwer, viele hätten einen symptomlosen Verlauf. „Aus unserer Sicht ist eine eingeschränkte Impfempfehlung für Kinder mit bestimmten chronischen Erkrankungen vernünftig.“ Die Stiko lasse aber dennoch die Impfung gesunder Kinder zu, wenn die Sorgeberechtigten dies nach gründlicher Aufklärung wünschten. „Dies dient dann aber mehr dem Schutz anderer“, so Fischbach. Es sei aber erschütternd, dass „wir die Kinder impfen müssen, damit sich die halsstarrigen, unbelehrbaren Erwachsenen ohne Impfung sicher fühlen können. Kinder derart in Haft zu nehmen, ist für mich unbegreiflich“.

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Wer ist die erste Anlaufstelle? Im besten Fall immer der behandelnde Kinderarzt beziehungsweise die Kinderärztin. Er oder sie kennt das Kind in der Regel vom Babyalter an und weiß um Konstitution und mögliche Vorerkrankungen. Er oder sie kann gemeinsam mit den Eltern alle Argumente von Nutzen und Risiken einer Impfung für das Kind abwägen.

Wann kommt der Impfstoff?  Laut Bundesgesundheitsministerium sollen die Länder im Dezember 2,4 Millionen Dosen des Kinderimpfstoffs erhalten. Angesichts von 4,5 Millionen Kindern in dieser Altersgruppe werde so wohl ein großer Teil der anfänglichen Nachfrage bedient werden können, meinte das Ministerium. Das sieht der Apothekerverband Nordrhein anders: „Für die nächste Woche haben die allermeisten Kinderarztpraxen sehr viel des erstmals verfügbaren Kinderimpfstoffs für die Fünf- bis Elfjährigen bestellt. Wir befürchten, dass die Bestellungen der Kinderärzte nicht alle bedient werden können“, sagte Verbandschef Thomas Preis. Die Ärzte mussten ihre Kinderimpfstoff-Bestellung bis zum 7. Dezember aufgeben. Die nächste Auslieferung hat das Bundesgesundheitsministerium erst für die zweite Januar-Woche angekündigt.

Wie ist die Wirksamkeit? Eine im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie beurteilt Biontechs Kinder-Impfstoff als wirksam und sicher: Er habe eine Wirksamkeit von 90 Prozent. Kinder, die sich mit Corona infizieren, haben zwar meist ohnehin harmlose Verläufe. Es gibt aber auch Kinder, die lange leiden: Es sei damit zu rechnen, dass vier bis sieben Prozent der infizierten Kinder Long Covid entwickeln, sagte der SPD-Experte Karl Lauterbach unlängst, als er noch nicht Minister war. Auch für Kinder ist die Impfung also hilfreich.

Welche Nebenwirkungen gibt es? Es seien keine schweren impfbedingten Nebenwirkungen beobachtet worden, heißt es in der Studie. Beobachtet wurden „milde und vorübergehende Reaktionen“. Drei der geimpften Kinder erkrankten in der Beobachtungszeit an Corona, in der Kontrollgruppe waren es 16. Die Forscher beziffern die Wirksamkeit des Impfstoffs auf 90,7 Prozent. Die einzigen drei schwereren Schäden im Beobachtungszeitraum hatten laut Studie keinen Zusammenhang zur Impfung - so gab es einen gebrochenen Arm. Auch die Ema betonte nun, dass das Vakzin sicher sei: Bisher seien keine schweren Nebenwirkungen festgestellt worden, allenfalls milde Reaktionen wie Fieber, Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Kopfschmerzen.

Welche Dosis gibt es?  Kinder ab zwölf erhalten dieselbe Dosis wie Erwachsene. Für Kinder unter zwölf wird es dagegen einen eigens abgefüllten Impfstoff geben. Die Stiko empfiehlt eine Impfung mit zwei Dosen von Biontech im Abstand von drei bis sechs Wochen. Im neuen Jahr soll zudem eine Vereinfachung für die Praxen kommen: „Es wird erwartet, dass der Kinder-Impfstoff dann schon gebrauchsfertig produziert wird und vor dem Impfen nicht mehr verdünnt werden muss“, sagte Thomas Preis. Der Apotheker appellierte an Ärzte mit Patienten über 30 Jahren, für die Auffrischungen auf Moderna zu setzen: „Es kann nicht sein, dass Kinderärzte ohne Biontech dastehen, weil dieser Impfstoff zu oft bei über Dreißigjährigen verimpft wird“, sagte der Verbands-Chef. Unter 30-Jährige dürfen kein Moderna erhalten.

Können Kinderärzte nicht einfach den Erwachsenen-Impfstoff verdünnen? Die Nachfragen gibt es in Praxen bereits. So hoffen Eltern, ihre Kinder schon vor dem Lieferstart  impfen zu können. Davor aber warnt der Apothekerverband. „Wir warnen davor, den Biontech-Impfstoff für Erwachsene zu verdünnen, so dass eine Wirkstoffmenge für Kinder entsteht“, sagte Thomas Preis. „Es kommt nicht nur auf die Menge des Wirkstoffes pro Impfung an. Entscheidend ist die Struktur und Stabilität der sehr empfindlichen Nanopartikel des Biontech-Impfstoffes.“ Die Stabilität sei überhaupt nicht gesichert, wenn der Impfstoff zu stark verdünnt werde. „Deshalb ist es wichtig abzuwarten, bis der Impfstoff für die unter Zwölfjährigen verfügbar ist.“

Was ist mit genesenen Kindern? Sollte man sie auch impfen? Und wenn ja, ab welchem Zeitpunkt nach der Erkrankung? Die Datenlage zum Immunschutz bei Kindern nach einer durchgemachten Corona-Infektion ist insgesamt noch recht dünn. „Wir wissen hierzu noch nicht sehr viel bei Kindern, aber alle bisherigen Erkenntnisse deuten hier auf einen sehr robusten Immunschutz hin“, sagt Kinderarzt Ralph Köllges aus Mönchengladbach-Rheydt. Eine Impfung genesener Kinder hält er – solange die Stiko dies nicht ausdrücklich empfiehlt – aktuell für nicht angezeigt. „Eltern müssen sich darüber nicht sorgen. Die Stiko wird auch das zu gegebener Zeit bewerten“, sagt der Kinderarzt.

Müssen die Zwölf- bis 18-Jährigen auch irgendwann geboostert werden? Auch das sei angesichts der Datenlage bisher kein Thema und „weder angedacht noch angezeigt“, so Köllges. Natürlich gebe es immer auch einzelne Ausnahmefälle. Köllges: „Ein leukämiekranker 14-Jähriger, der ein geschwächtes Immunsystem hat, wird natürlich nach individueller Beratung geboostert werden können.“ Die US-Behörde FDA hat das Boostern für 16- und 17-Jährige gleichwohl nun erlaubt, wie sie am Donnerstag mitteilte. Dort können die Jugendlichen sechs Monate nach ihrer letzten Impfung nun die dritte Dosis Biontech erhalten. In Deutschland gibt es dazu noch keine Zulassung.

Wo können unsichere Eltern weitere Informationen bekommen? Erster Ansprechpartner sollte der Arzt oder die Ärztin des Vertrauens sein. Er oder sie kann über mögliche Risiken und Nutzen der Impfung aufklären und außerdem Informationen über die Erkrankung und Hinweise zu weiteren Impfterminen geben. Darüber hinaus gibt es wissenschaftlich fundierten Rat im Internet, etwa auf den Seiten des Robert Koch-Instituts (www.rki.de), der BZgA (www.bzga.de) oder auch beim Paul-Ehrlich-Institut (www.pei.de).

(jd/anh/ha/maxi/dpa)