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Corona-Impfung Betriebsärzte: Wie die Unternehmen beim Impfen priorisieren

Für Betriebsärzte ist Impfstoff knapp : Wie die Unternehmen in NRW priorisieren

Welchen Impfstoff die Betriebe als erstes erhalten. Warum es in den ersten Juni-Wochen noch mau aussieht. Und warum es Deutsche Bahn und Evonik ganz anders machen als Telekom und Vodafone.

Am 7. Juni geht es los. Dann können die Betriebsärzte in die Impfkampagne einsteigen. Doch auch für sie bleibt der Impfstoff zunächst knapp. „Maximal dürfen je Arzt 804 Dosen bestellt werden, wir gehen aber davon aus, dass wesentlich weniger Dosen zur Auslieferung kommen werden“, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein. Die Betriebsärzte erhalten zunächst den Impfstoff von Biontech. Im Juni werden Haus- und Betriebsärzte zusammen etwa 3,5 Millionen Dosen pro Woche bekommen. Derzeit sind es für die Hausärzte 1,6 Millionen Dosen. Entsprechend müssen auch Betriebe priorisieren.

Die Deutsche Bahn will als erstes Lokführer, Zugbegleiter, Fahrdienstleiter und Mitarbeiter in anderen systemrelevanten Funktionen impfen. „Das Konzept ist mit dem Betriebsrat abgestimmt“, sagte eine Sprecherin. Am Mittwoch startete die Bahn bereits mit einem Pilotprojekt: Der Berliner Senat stellte dafür 1000 Dosen zur Verfügung. Im Impfzentrum am Berliner Hauptbahnhof können sich Lokführer und Zugbegleiter impfen lassen. In NRW wird es Bahn-Impfzentren in Köln und Duisburg geben.

Auch in der Chemie sollen zuerst die Mitarbeiter vor Ort geschützt werden. „Die Priorisierung überlassen wir unseren Chempark-Partnern. Grundsätzlich wird der Fokus auf Mitarbeiter in Schicht-Betrieben liegen“, erklärte der Sprecher der Currenta, die die Chemieparks für Bayer, Covestro, Lanxess und Ineos in Leverkusen, Dormagen und Uerdingen betreibt. Auch der Essener Chemiekonzern Evonik baut vor: Sollte man priorisieren müssen, werde man diese Gruppen als erstes impfen: Beschäftigte mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe, Beschäftigte im Bereich werksinterner kritischer Infrastruktur wie Werksfeuerwehr und Werksschutz, Beschäftigte, die in Präsenz arbeiten müssen, erklärte eine Evonik-Sprecherin.

Ganz anders gehen Telekommunikationsunternehmen vor: „Wir werden keine Priorisierung innerhalb der Belegschaft vornehmen, sondern die Impftermine nach Zufallsprinzip an die Mitarbeiter senden“, erklärte die Sprecherin von Vodafone. Eine Einschränkung macht der Düsseldorfer Konzern: Mitarbeiter, die eine besonders relevante Position einnehmen und trotz Zugehörigkeit zur Priorisierungsgruppe 3 noch kein Impfangebot erhalten haben, kämen als erstes an die Reihe. Dazu zählen Techniker, die zu Kunden gehen, und Shop-Mitarbeiter.

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Auch die Deutsche Telekom will nicht priorisieren. Ein Teil ihrer Mitarbeiter, die zur Priorisierungsgruppe 3 gehören, ist jedoch schon in den Impfzentren geimpft. Es gebe keine interne Priorisierung, so der Telekom-Sprecher. „Die Impftermine werden nach Reihenfolge des Termin-Eingangs online vergeben.“

Das Impfzentrum von Henkel in Düsseldorf soll am 7. Juni starten. „Über die Reihenfolge werden wir zeitnah intern informieren“, sagte eine Sprecherin. Die Deutsche Post will hingegen standortweise vorgehen. „Bei der Impfreihenfolge wollen wir so pragmatisch und schnell wie möglich vorgehen. Wir werden zunächst an den größeren Standorten starten und dann sukzessive weitere Standorte aufschalten“, teilte der Bonner Konzern mit. Uniper setzt in Düsseldorf auf einen externen Dienstleister.

Wenn es genug Impfstoff gibt, können die Konzerne Strecke machen: Die Telekom könnte 80.000 Mitarbeiter binnen acht Wochen impfen. Auch Chemiekonzerne können rasch durch sein: „Die Leistungsfähigkeit der Chempark-Impfzentren ist so ausgelegt, dass wir allen Mitarbeitern innerhalb von zwei bis drei Wochen ein Angebot unterbreiten können“, so Currenta. „Grundsätzlich sollen über die Zeit alle vier zugelassenen Impfstoffe zur Verfügung gestellt werden“, erklärte die Evonik-Sprecherin.

Alle Konzerne betonen, dass das Angebot freiwillig sei. „Evonik rät grundsätzlich allen Beschäftigten zur Impfung, eine Impfpflicht gibt es nicht“, heißt es etwa in Essen.

„Die genauen Liefermengen werden die Apotheken den Betriebsärzten bis Mittwoch 2. Juni mitteilen“, sagte der Chef des Apothekerverbands. Zugleich warnte Preis vor falschen Erwartungen: „Auf Grund der kleinen Impfstoffmengen wird es für sehr große Betriebe schwierig sein, die Impfstraßen effizient zu betreiben.“