Wirksam auch gegen Varianten Curevac setzt auf Corona-Impfstoff Nummer zwei

Der erste Hoffnungsträger des Tübinger Unternehmens enttäuschte. Im zweiten Anlauf könnte nun doch noch ein Durchbruch gelingen. Eine veränderte Version des Impfstoffs erreichte im Tierversuch hohe Wirksamkeit auch gegen die neuen Varianten.

 Im Tübinger Unternehmen Curevac forschen Wissenschaftler weiter an einem Impfstoff gegen das Coronavirus.

Im Tübinger Unternehmen Curevac forschen Wissenschaftler weiter an einem Impfstoff gegen das Coronavirus.

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Die neuen mRNA-Impfstoffe sind keine Selbstläufer. Nicht einmal 50 Prozent Schutzwirkung – größer hätte die Enttäuschung bei den Entwicklern der Firma Curevac wohl nicht sein können. Dabei hatte man nach der erfolgreichen Zulassung der Vakzinen von Biontech und Moderna gedacht, die Markteinführung des dritten mRNA-Impfstoffs sei nur noch eine Formsache. Ende Juni kam dann der Schock für das Tübinger Unternehmen: Impfstoff CVnCov erreichte gerade einmal eine Schutzwirkung von 48 Prozent – bezogen auf alle Varianten und Covid-Infektionen jeglicher Schwere. Ein zu niedriger Wert für ein Vakzin.

Warum hat der Curevac-Impfstoff nicht ähnliche Wirksamkeiten wie die anderen beiden mRNA-Impfstoffe erreicht? Es könnte unter anderem daran liegen, das Biontech und Moderna – im Gegensatz zu Curevac – den Code ihrer Impf-mRNA an einer Stelle verändert haben. Dies soll verhindern, dass das eingeschleuste Erbgut vom Immunsystem zu früh bemerkt und angegriffen wird, bevor die Bauanleitung für das Coronavirus abgelesen ist. Bei Curevac selbst sieht man diesen Unterschied aber weniger als Ursache der mangelnden Wirksamkeit ihrer ersten Vakzine. Vielmehr vermuten die Entwickler dort, dass das Aufkommen der neuen Virusvarianten die Haupt-Ursache für die geringere Wirksamkeit ist. Denn als Biontech und Moderna ihre Zulassungsstudien durchführten, waren Varianten wie Beta und Delta noch kaum verbreitet.

Umso erfreulicher sind nun neue Ergebnisse, die Curevac mit einer zweiten Version seines Corona-Impfstoffs (CV2Cov) erzielt hat. Gemeinsam mit dem britischen Pharmakonzern Glaxo Smith Kline (GSK) entwickelten die Tübinger dieses leicht modifizierte Vakzin. Es enthält zwar weiterhin in unveränderter mRNA-Form die Bauanleitung für das gesamte Spike-Protein von Sars-CoV-2. Aber diesmal manipulierten die Forscher die begleitenden Abschnitte der mRNA, quasi das Rückgrat. Von diesem Umbau erhoffen sie sich ein besseres Ablesen der Virus-Erbinformation und damit eine stärkere Immunantwort des Geimpften. Denn: Je besser die mRNA in der Zelle abgelesen wird, umso mehr Sars-Cov-2-Protein produziert sie, und umso mehr wird die Immunabwehr angeregt.

In präklinischen Tier-Versuchen hat dieser Ansatz nun sehr gute Ergebnisse erzielt. Darüber berichtet unter anderen das Magazin scinexx. An der Harvard Medical School in Boston testeten Wissenschaftler das neue Vakzin CV2Cov an Javaner-Affen. Bereits 14 Tage nach der ersten Impfung zeigten die Tiere eine deutliche Immunantwort. Nach Verabreichung der zweiten Dosis stiegen laut Studienmachern nicht nur die Antikörperwerte, sondern auch die wichtigen T- und B-Gedächtniszellen wurden viel stärker aktiviert, als dies bei der ursprünglichen Curevac-Vakzine der Fall war. Nach acht Wochen wurden die Versuchstiere mit Sars-CoV-2 infiziert. Das Ergebnis: Bei den zuvor mit dem neuen Impfstoff geimpften Tieren nahm die Lunge keinen Schaden, die Viruslast blieb gering.

Und noch eine Erkenntnis macht den Forschern große Hoffnungen: Sie testeten die Wirkung von CV2Cov in Zellkulturen auch gegen die neuen Corona-Varianten wie Beta, Delta und Lambda. Und auch hier zeigte sich, das der neu kreierte Impfstoff eine mehr als zehnfach höhere Menge neutralisierender Antikörper hervorbringt als sein Vorgänger.

Die im Tierversuch deutlich stärkere Immunantwort gegen Sars-CoV-2 und die erhöhte Schutzwirkung macht nun den Entwicklern Hoffnung. Noch im vierten Quartal sollen erste klinische Studien am Menschen beginnen, so die Unternehmen. Die mRNA-Technologie habe weiterhin „hohe strategische Priorität“. Auch an der Zulassung seines Impfstoffes der ersten Generation halte man bei Curevac trotz der ernüchternden ersten Ergebnisse fest, berichtet online die Deutsche Apothekerzeitung. Man stehe demnach in engem Austausch mit der Europäischen Arzneimittelagentur EMA.

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