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Corona-Hotspot in Spanien: Madrid wird fast komplett abgeriegelt

Corona-Hotspot in Spanien : Madrid wird fast komplett abgeriegelt

Im Streit um die richtige Strategie zur Bekämpfung der Pandemie im stark betroffenen Madrid hat die Regionalregierung, wenn auch widerwillig, eingelenkt. Sie werde die von Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa angeordnete Abriegelung der Millionenmetropole notgedrungen umsetzen.

Zugleich werde man aber die Gerichte anrufen, sagte die Chefin der Regionalregierung, Isabel Díaz Ayuso, am Donnerstag.

Die konservative Politikerin hält eine weitgehende Abriegelung der Hauptstadt trotz der hohen Zahl an Corona-Infektionen angesichts befürchteter wirtschaftlicher Schäden für unverhältnismäßig. Bisher sind 45 Gebiete Madrids, in denen die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen bei mehr als 1000 liegt, teilweise abgesperrt. Zum Vergleich: In Deutschland liegt diese Zahl auf sieben Tage gerechnet bei 14,5. Die Zentralregierung und Experten halten die von Ayuso bisher ergriffenen Maßnahmen für unzureichend.

Der Anordnung der Zentralregierung zufolge sollen Bewegungsfreiheit und soziale Kontakte eingeschränkt werden, wenn in einer Stadt binnen 14 Tagen die Zahl der Neuinfektionen über 500 je 100.000 Einwohner liegt, mindestens zehn Prozent aller Corona-Tests positiv ausfallen und die Intensivbetten zu mehr als 35 Prozent mit Corona-Patienten belegt sind. Gelten soll die landesweite Regelung nur für Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Nach den aktuellen Corona-Zahlen sind das derzeit Madrid und neun weitere Städte im Umland der Hauptstadt mit insgesamt knapp fünf Millionen Einwohnern.

Illa hatte am Vorabend gesagt, die Maßnahmen seien bei einem Treffen des Interterritorialen Gesundheitsrates mit großer Mehrheit angenommen worden. Zuvor hatte es jedoch geheißen, zur Annahme müssten alle 17 Regionen zustimmen. Dagegen stimmten neben Madrid Katalonien, Galicien und Andalusien. Murcia wollte ablehnen, enthielt sich aber aus Versehen der Stimme.

Madrid ist zu einem Brennpunkt der Pandemie in Westeuropa geworden. Binnen 14 Tagen wurden dort nach Zahlen vom Mittwoch 735 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner registriert. Ein Fünftel aller Corona-Tests in Madrid fällt positiv aus und die Intensivstationen sind zu mehr als 40 Prozent mit Corona-Patienten belegt.

(felt/dpa)