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Corona Holland: Risikogebiete, Reisewarnung und Rechte für Urlauber in den Niederlanden

Hohe Corona-Zahlen in allen Provinzen : Reisewarnung für die gesamten Niederlande – das müssen Urlauber wissen

Das Auswärtige Amt hat aufgrund gestiegener Infektionszahlen nun auch die Provinz Zeeland und damit die ganzen Niederlande zum Corona-Risikogebiet erklärt. Was Touristen wissen müssen und welche Rechte Urlauber haben, lesen Sie hier.

Das Auswärtige Amt warnt vor „nicht notwendigen, touristischen Reisen“ in die Niederlande. Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet durch das Robert-Koch-Institut ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Wir geben die wichtigsten Antworten.

Welche Provinzen in den Niederlanden sind von der Reisewarnung betroffen?

Bisher waren erst drei von zwölf niederländischen Provinzen als Risikogebiete eingestuft. Betroffen waren Nordholland, Südholland und Die Reisewarnung für Nord- und Südholland gilt bereits seit dem 16. September. Am 23. September wurde auch Utrecht zum Risikogebiet erklärt. Am 2. Oktober kamen unter anderem vier Regionen an den Grenzen zu Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hinzu: Groningen, Drenthe, Gelderland und Overijssel. Limburg kam am 7. Oktober hinzu. Mit Wirkung zum 17. Oktober gehört auch die Provinz Zeeland dazu.

Nordholland und Südholland sind die beiden bevölkerungsreichsten Provinzen des Landes, die zusammen fast 40 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Nordholland hat 2,85 Millionen Einwohner (16,5 Prozent), Südholland 3,67 Millionen (21,3 Prozent). Mit Utrecht (1,34 Millionen/7,8 Prozent) zusammen lebt etwa die Hälfte der niederländischen Bevölkerung im Risikogebiet. Kostenpflichtiger Inhalt Am 29. September haben die Provinzen und „Veiligheidsregios“ zunächst für drei Wochen strengere Maßnahmen für das öffentliche und das private Leben beschlossen (siehe unten). 

Welche Großstädte sind von der Reisewarnung betroffen?

In der Provinz Nordholland liegt die niederländische Hauptstadt Amsterdam. Zudem sind die Großstädte Alkmaar und Haarlem betroffen. In Südholland befindet sich der Regierungssitz Den Haag. Außerdem liegen die Hafenmetropole Rotterdam sowie die Städte Leiden und Dordrecht in der betroffenen Provinz. In der Provinz Utrecht befindet sich die gleichnamige Großstadt Utrecht. Ebenfalls betroffen sind Großstädte wie Eindhoven (Nordbrabant) oder Nimwegen (Gelderland). Seit dem 7. Oktober sind auch Venlo, Roermond und Maastricht in der Provinz Limburg betroffen.

Welche beliebten Urlaubsregionen sind von der Reisewarnung betroffen?

In Nordholland liegt die bei Touristen beliebte Insel Texel, und unweit von Amsterdam der Küstenort Zandvoort. In der Provinz Südholland liegen die bei Urlaubern beliebten Gemeinden Katwijk und Noordwijk. Nun auch das an der Nordküste gelegene Zeeland.

Wie hoch sind die Corona-Infektionszahlen in den Provinzen?

Wie viele bestätigte Corona-Fälle es gibt, wie hoch die Sieben-Tage-Inzidenz ist, und wie sich die Infektionsfälle in den vergangenen Wochen entwickelt haben, lesen Sie auf der Internetseite der niederländischen Regierung – bezogen auf Regionen und Gemeinden. Detailliertere Informationen vom Auswärtigen Amt erhalten Sie hier.

Gibt es Kontrollen an der niederländischen Grenze?

Nein, die Einreise in die Niederlande ist für Deutsche weiterhin ohne Einschränkungen möglich. Auch Transitreisen sind möglich. Generell gilt, dass Reisende aus Ländern, deren Gesundheitsrisiko gleich oder niedriger als das der Niederlande eingestuft ist, uneingeschränkt einreisen können, wie das Auswärtige Amt mitteilt. Der niederländische Index verfolgt ein Ampelsystem, nach dem Deutschland als gleich eingestuft ist, beide Länder sind „gelb“.

Was ist bei Flugreisen in die Niederlande zu beachten?

Touristen, die mit dem Flugzeug in die Niederlande reisen, müssen vor Reiseantritt ein Gesundheitsformular ausfüllen und es bei sich führen. Das Formular finden Sie hier.

Was müssen deutsche Reiserückkehrer aus den Risikogebieten beachten?

Für deutsche Urlauber bedeutet die Rückkehr aus einem Risikogebiet einen Corona-Pflichttest und gegebenenfalls auch Quarantäne, bis ein negatives Testergebnis vorliegt. Für Kurzaufenthalte, Grenzpendler, Schüler und Studenten gibt es im sogenannten kleinen Grenzverkehr jedoch gesonderte Regelungen.

Können Touristen gebuchte Reisen in die drei Provinzen, für die die Reisewarnung gilt, stornieren?

Ja, eine Reisewarnung ermöglicht es Reisenden, Buchungen für Pauschalreisen kostenlos zu stornieren. Wer sich selbst die Anreise und die Unterkunft zusammengestellt hat, muss auf Kulanz der Anbieter hoffen. Weil es bei deutschen Touristen in den Niederlanden aber fast immer um Einzelbuchungen geht, sind Stornos deutlich schwieriger.

Welche Corona-Regeln gelten in den Niederlanden?

Wie auch in Deutschland gilt die Abstandsregel von 1,5 Metern. Außerdem besteht ab einem Alter von 13 Jahren die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr, auf Fähren, am Flugzeug sowie am Flughafen.

Seit dem 29. September gelten außerdem strenge Regeln im privaten und öffentlichen Leben: „Restaurants und Cafés müssen nun um 22 Uhr schließen und dürfen ab 21 Uhr niemanden mehr einlassen. Tische gibt es nur auf Reservierung vorab oder an der Tür. Besuche zu Hause, im Garten oder auf dem Balkon sind auf drei Gäste beschränkt. In anderen Gebäuden als der eigenen Wohnung können maximal vier Personen eine Gruppe bilden. Kinder bis einschließlich zwölf Jahre zählen nicht. Das bedeutet, dass für einen Haushalt oder maximal vier Personen, ausgenommen Kinder, eine Reservierung in einem Kino oder Restaurant vorgenommen werden kann. Die Zahl von Veranstaltungsteilnehmern wird pro Raum auf 30 Personen beschränkt und weitere lokale Maßnahmen bleiben vorbehalten“, heißt es auf der Webseite des Auswärtigen Amtes.

Die Regierung der Niederlande forderte am 30. September die Bevölkerung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit auf, wenn Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Ministerpräsident Mark Rutte sagt im Parlament: „Wir wollen den ganzen Niederlanden einen klaren, dringenden Rat geben: Tragen Sie von jetzt an nicht-medizinische Mund-Nasen-Masken in öffentlichen Raum." Die Empfehlung kommt einer Kehrtwende gleich, da die Regierung und führende Mediziner des Landes bisher die Wirksamkeit eines Mund-Nasen-Schutz im Kampf gegen Ansteckungen infrage gestellt hatten.

Gibt es Beschränkungen in den Niederlanden?

Ja, wegen der Corona-Krise gibt es auch im deutschen Nachbarland eine „neue Normalität“. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen haben die Provinzen unterschiedliche, strengere Maßnahmen für das öffentliche sowie für das private Leben beschlossen.

Zum Teil sind Reiseverbindungen mit dem Flugzeug oder Fernbus eingeschränkt oder fallen ganz aus. In den Niederlanden werden die Besucherzahlen in Gebäuden wie Museen im Voraus über eine Online-Buchungspflicht geregelt. Die Strände sind geöffnet, Parkplätze und Zufahrten können aber zur Regulierung gesperrt werden.

In welche Regionen in den Niederlanden kann man trotz der Reisewarnung reisen?

Die beliebten Reiseziele Renesse und Domburg sind nicht betroffen, sie liegen in der Provinz Zeeland. Die Provinz lädt Urlauber sogar explizit ein: „Wir begrüßen euch deshalb gerne weiterhin in unserer schönen Provinz.“

Eine Reisewarnung ist zwar kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung haben.