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Corona: Genesen-Status auf 3 Monate verkürzt - Das müssen Genesene jetzt wissen

RKI verkürzt Status auf drei Monate : Was Genesene jetzt wissen müssen

Durch die Verkürzung des Genesenenstatus auf drei Monate sind Millionen Menschen über Nacht zu Ungeimpften geworden. Die Verwirrung ist groß. Wer gilt jetzt überhaupt noch als genesen? Warum die Änderung? Was heißt das fürs Reisen?

Wer gilt als genesen?

Seit dem 15. Januar gelten laut der Richtlinie des Robert Koch-Instituts (RKI) Personen als genesen, deren Corona-Infektion durch einen PCR-Test nachgewiesen ist und nicht länger als drei Monate zurückliegt. Dieser Zeitraum wurde von vormals sechs Monate auf drei verkürzt. Nachweise von Anfang Oktober sind damit beispielsweise abgelaufen. Eine Übergangsfrist wird es laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wahrscheinlich nicht geben. „Ich kann jetzt nicht sagen, es gibt einen Übergang, wenn das medizinisch nicht zu halten ist“, sagte er in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“.

Wie weist man nach, dass man genesen ist?

Durch einen positiven PCR-Test, der mindestens 28 und höchstens 90 Tage zurückliegt. Problem: Wegen der Überlastung der Testlabore reicht beispielsweise zum Nachweis einer Corona-Infektion inzwischen grundsätzlich ein offizieller Schnelltest aus. Inwiefern sich das auch beim Nachweis des Genesenenstatus ändert, ist noch unklar. Das RKI hält laut Medienberichten eine Veränderung für ungünstig, weil man damit eine neue Definition von „Genesen“ schaffe und die Daten mit den bislang gesammelten nicht mehr vergleichbar wären. Das Genesenenzertifikat, das Apotheken oder Ärzte ausstellen, kann auch digital in der CovPass-App oder der Corona-Warn-App zum Nachweis abgelegt werden.

Warum wurde der Genesenenstatus verkürzt?

Aufgrund der Omikron-Variante besteht nach Auffassung des RKI ein deutlich größeres Risiko, sich bereits drei Monate nach der Genesung wieder anzustecken. Darauf deuten Daten einer britischen Studie sowie ein Bericht der britischen Gesundheitsbehörde Health Security Agency (UKHSA) hin. Diese stellen fest, dass seit November die Zahl der Menschen, die sich mindestens 90 Tage nach der ersten Corona-Infektion erneut infiziert haben, rapide gewachsen sei. Diese sogenannten Re-Infektionen haben laut der Ergebnisse im Dezember ungefähr zehn Prozent aller Infektionen in Großbritannien ausgemacht.

Mit der verkürzten Genesenenzeit sorge man in Anbetracht der vorherrschenden Omikron-Variante für mehr Sicherheit, mache die Fallzahlen kontrollierbarer und schütze die Vulnerablen – also alte Menschen und Risikopatienten – sagt Lauterbach.

Was passiert nach Ablauf der drei Monatsfrist?

Vormals ungeimpfte Genesene gelten dann nur noch als nicht vollständig geimpft. Nach einer einmaligen Impfung zählen sie als vollständig geimpft. Im Regelfall empfiehlt die Stiko Genesenen eine Impfung nach etwa drei Monaten. Allerdings kann man sich auch bereits ab vier Wochen nach dem Ende der COVID-19-Symptome einmalig impfen lassen. Bei einer asymptomatischen Infektion ist das ab vier Wochen nach der laborbestätigten Diagnose (PCR-Test) möglich. Nach drei weiteren Monaten können sich Genesene dann boostern lassen.

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Wer bereits vor seiner Coronaerkrankung eine oder mehrere Impfungen erhalten hat, verliert zwar auch nach drei Monaten seinen „Genesenenstatus“, kann sich dann aber direkt boostern lassen.

Was schützt besser – genesen zu sein oder die Impfung?

Die Frage lässt sich besonders in Bezug auf die Omikron-Variante noch nicht beantworten. In beiden Fällen bildet der Körper Antikörper auf das Virus. Bei einer Erkrankung dringt der Covid-19-Erreger in den Körper ein, das Immunsystem reagiert mit der Bildung von Antikörpern, die später eine gewisse Zeit vor einer erneuten Infektion schützen. Mediziner bezeichnen diesen Schutz als natürliche Immunität. Aber auch eine Corona-Impfung aktiviert das Immunsystem, Antikörper zu bilden. Der Körper baut ebenfalls einen Immunschutz auf, ohne die Krankheit jemals durchlebt zu haben. Anstatt zu warten, bis wir infiziert werden und dann eventuell schwer zu erkranken, präsentieren wir dem Immunsystem nur das Antigen.

Schwierig ist jedoch die Beantwortung der Frage, welcher Immunschutz der stärkere ist. Das liegt unter anderem daran, dass sich anhand einfacher Antikörpermessungen im Blut nicht sagen lässt, wie gut der Schutz vor einer erneuten Infektion (Re-Infektion) ist.

Wissenschaftler des US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) fanden anhand der Daten von rund 7.300 Patienten heraus, dass das Risiko einer Infektion bei ungeimpften Genesenen deutlich höher lag als bei Geimpften. Die Immunisierung lag bei den Geimpften zwischen drei bis sechs Monaten zurück. Allerdings untersuchten die amerikanischen Wissenschaftler nur schwere Verläufe. Anders machten es israelische Forscher, die auch milde Erkrankungen miteinbezogen. Sie kommen unter anderem dadurch zu einem anderen Ergebnis. Anhand der Auswertung von Daten einer der größten Krankenkassen des Landes fanden die Forscher heraus, dass Genesene weniger häufig an Covid-19 erkrankten als Geimpfte. Letztere hatten ein mehr als 13-fach höheres Risiko für eine Durchbruchsinfektion. Zwar war bei den Geimpften der Schutz unmittelbar nach der vollständigen Impfung höher als nach einer überstandenen Infektion, doch nahm er nach sechs Monaten deutlich ab und lag unter der natürlich erworbenen Immunität – also der durch das Durchleben der Krankheit.

Versucht man nun eine Aussage zum besseren Schutz vor der Omikron-Variante, scheitert man an der derzeitigen Nichtexistenz von Daten dazu. Was man allerdings weiß: „Antikörper, die gegen frühere Varianten von Covid-19 äußerst effektiv waren, hemmen das Omikron-Virus schwächer“, sagen Forscher der Uni Erlangen-Nürnberg im Ergebnis einer erst gerade veröffentlichten Studie. Das gelte für Geimpfte wie Genesene gleichermaßen. Der beste Weg bleibt also in beiden Fällen die mehrfache Aktivierung des Immunsystems. Entweder durch eine zweifache Impfung plus Booster oder nach der Genesung durch eine weitere Impfung und den Booster.

Wie sehen die Regeln für Genesene in anderen Ländern aus?

Aus der unterschiedlichen Einschätzung des anhaltenden Immunschutzes resultieren in verschiedenen Ländern sehr unterschiedliche Regelungen: In der Schweiz ist der Genesenenstatus beispielsweise auf zwölf Monate verlängert worden. Dort argumentiert man, Genesene hätten eine viel breitere Immunantwort und seien darum besser geschützt.

Auch in Österreich gelten Genesene ab dem 1. Februar für sechs Monate als geschützt. Nach einer Booster-Impfung gelten sie danach als vollständig geimpft.

Kanada und die USA lassen ausschließlich Geimpfte einreisen. Ausnahmen für Genesene gibt es nicht. Auch diese müssen vollständig geimpft sein. Auch einige südamerikanische und afrikanische Länder verfahren restriktiv.

Innerhalb der EU gelten je nach Land verschiedenen Regelungen. Die Zeiträume, in denen der Genesenenstatus verfällt, belaufen sich auf drei, fünf oder sechs Monate (Stand 24.Januar 2022). Bei der Einreise nach Griechenland darf die Genesung beispielsweise auch nicht länger als drei Monate her sein. Für die Einreise nach Schweden, Frankreich oder Italien gelten hingegen derzeit sechs Monate. Was für wen gilt, lässt sich über die europäische Reise-App „Re-Open“ herausfinden.

Was verändert sich jetzt beim Reisen für Genesene?

Die steigenden Omikron-Infektionszahlen machen das Reisen komplizierter. Wer Genesen ist und schon eine Reise in ein Land plant, das 2G vorsieht, muss sich impfen lassen, wenn er zum Urlaubsstart länger als drei Monate genesen ist. Inwiefern sich Reisen aufgrund veränderter Einreisebestimmungen stornieren oder verschieben lassen, lässt sich derzeit nicht allgemeingültig sagen. Denn noch gibt es laut Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ) keinerlei Gerichtsurteile zu diesem Fall. Grundsätzlich aber seien Pauschalreisende rechtlich besser abgesichert als Individualreisende.