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Booster-Impfung: So lange wirken die Impfstoffe - Biontech, Astrazeneca & Moderna

So lange wirken die Impfstoffe : Für wen wann die Booster-Impfung sinnvoll ist

Die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe lässt nach wenigen Monaten deutlich nach. Darum wird eine Booster-Impfung nach sechs Monaten empfohlen. Eine schwedische Studie jedoch legt die Vermutung nahe, dass dieser Abstand zu lang sein könnte.

Die Infektionszahlen in Deutschland nehmen rasant zu, und längst stecken sich nicht nur Ungeimpfte an. Zwar machen die Ungeimpften nach wie vor den Löwenanteil unter den Neuinfektionen aus, doch werden auch vollständig Geimpfte Corona-krank. Deren hohe Zahl überrascht auch die Forscher. Denn obwohl die Mehrzahl derer zwischen Ende Juni und Anfang August geimpft wurden und damit eine Booster-Impfung nach Empfehlung der Stiko noch Zeit hätte, erkranken sie jetzt.

Derzeit empfiehlt die Stiko eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Vakzin (Biontech/Pfizer oder Moderna) frühestens sechs Monate nach der vollständigen Grundimmunisierung. – Derzeit aber noch nicht für alle. Die Impfempfehlung richtet sich an Menschen, die in Pflegeeinrichtungen wohnen, Personen über 70 Jahren, medizinisches und pflegendes Personal sowie Menschen, die ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben.

Möglicherweise könnte das Nachimpfen jedoch schon vor Ablauf von sechs Monaten für alle sinnvoll sein, wie sich aus einer schwedischen Studie ergibt, die gerade im Preprint erschienen ist. Laut dieser könnte besonders bei Astrazeneca-Geimpften eine grundsätzliche sechsmonatige Wartezeit bis zur Booster-Impfung zu lang sein. Vor allem bei älteren Personen mit einem ohnehin höheren Risiko für einen schweren Corona-Verlauf. Aber auch beim Impfstoff von Biontech, der in Deutschland an die meisten Menschen verimpft wurde, könnte eine schneller folgende Auffrischung sinnvoll sein.

Die Wissenschaftler der Universität Umeå haben untersucht, wie lange Menschen nach der Impfung mit Astrazeneca, Biontech und Moderne vor einer Corona-Infektion geschützt sind. Daneben wollten die Forscher wissen, wie wirksam die Impfung Risikopatienten vor schweren Verläufen schützt. Grundlage der Studie bildeten die Daten von 840.000 Geimpften und Genesenen sowie der gleichen Zahl an Ungeimpften beziehungsweise Nichtinfizierten zwischen Mitte Januar und Anfang Oktober 2021.

Das Ergebnis: Der Schutz vor tödlichen Verläufen ist bei jüngeren Menschen hinsichtlich aller Impfstoffe über einen längeren Zeitraum gut. Nach einem halben Jahr lag er noch bei 80 Prozent. Bei älteren Personen allerdings sank die Wirksamkeit von zunächst rund 90 Prozent nach vier Monaten auf 40 Prozent ab.

Neben Älteren und Vorerkrankten tragen allerdings auch Männer ein höheres Risiko schwer krank zu werden. Während der Schutz vor einem schweren Covid-19-Verlauf bei Frauen sechs Monate nach der Impfung noch bei rund 70 Prozent lag, war er bei den Männern auf beinahe 50 Prozent gesunken.

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Das Risiko, sich trotz Impfung mit Covid-19 zu infizieren ist jedoch bei allen Impfstoffen bereits nach zwei Monaten deutlich erhöht. Diese lag zwar zu Beginn bei rund 90 Prozent, nach nur sieben Monaten war der Schutzeffekt jedoch kaum mehr gegeben. Er lag zu diesem Zeitpunkt nur noch bei 23 Prozent.

Große Unterschiede bestehen laut der Untersuchung darin, wie schnell die Schutzwirkung der einzelnen Vakzine abfällt. Den am längsten anhaltenden Schutz vor einer symptomatischen Infektion bietet demnach die zweimalige Impfung mit Moderna. Nach sechs Monaten lag die Wirksamkeit noch bei rund 60 Prozent.

Der Biontech-Impfstoff, mit dem die meisten Menschen in Deutschland geimpft sind, hatte hingegen nach rund vier Monaten (121 bis 180 Tagen) nur noch eine Wirksamkeit von 47 Prozent. Nach 211 Tagen – also rund sieben Monaten – war laut der Daten kein Schutzeffekt vor einer symptomatischen Infektion mehr gegeben.

Am schlechtesten sind laut der Studie auf Dauer die Menschen geschützt, die zweimalig Astrazeneca erhielten. „Nach vier Monaten zeigte die Impfung keinen schützenden Effekt mehr gegen eine Infektion“, sagt Reinhold Förster, Immunologe an der Medizinischen Hochschule Hannover und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Bei einmal mit Astrazeneca- und darauffolgend mit einem mRNA-Vakzin Geimpften sank die Wirksamkeit zwar ebenfalls, sie war nach vier Monaten jedoch noch ausreichend vorhanden. Diese Ergebnisse stimmen laut Förster mit dem überein, was Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover herausgefunden haben. Auch dort zeigte sich, dass Impflinge, die zweimal mit Astrazeneca geimpft wurden, deutlich weniger neutralisierende Antikörper bildeten als diejenigen, die andere impfstoffe bekommen hatten.

Frühere Studien hatten vor allem dem Vakzin von Biontech deutlich höhere und längere Wirksamkeit bescheinigt. Biontech-Chef Ugur Sahin erklärte jüngst in der „Bild am Sonntag“: „Daten aus der klinischen Prüfung zeigen, dass Antikörperspiegel etwa ab dem siebten, achten oder neunten Monat nach der Impfung beginnen, zu sinken.“

Die schwedischen Forscher führen die reduzierte Schutzdauer darauf zurück, dass zu Zeiten der klinischen Studien noch andere Corona-Varianten im Umlauf waren. In Anbetracht der inzwischen vorherrschenden Delta-Variante lege das schwedische Papier nun jedoch nahe, insbesondere bei älteren Menschen und solchen mit Risikofaktoren an Covid-19 schwer zu erkranken, keine sechs Monate mit dem Boostern zu warten, sagt Förster.

Diese Meinung vertreten inzwischen immer mehr Wissenschaftler. So unter anderem der Intensivmediziner und Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin Gernot Marx. "Je schneller die Auffrischungsimpfungen kommen, umso flacher wird die Welle ausfallen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dies sei das wirkungsvollste Instrument, um das Virus auszubremsen und Impfdurchbrüche zu minimieren.

Auch Impfstoffforscher an der Berliner Charité, Leif Erik Sander, hält eine Auffrischung nach vier bis fünf Monaten für unbedenklich. Darauf deuten auch Studien aus Israel hin. Sie zeigen, dass die Fähigkeit des Immunsystems das Corona-Virus abzufangen, bevor es in die Zellen des Körpers vordringt (sterile Immunität) nach kurzer Zeit bereits schwindet. Aus diesem Grund hatte dort die Bevölkerung das Angebot zum Boostern bereits nach fünf Monaten bekommen.

Aus den israelischen Untersuchungen weiß man zudem, dass durch die frühzeitigere Nachimpfung das Immunsystem sogar auf ein höheres Niveau gebracht wurde als nach der zweiten Impfung. Der Schutz vor Corona ist demnach nach der Booster-Impfung noch besser. „Die Menschen übertragen dann nicht nur weniger Virus sondern sind gegenüber den 2-fach Geimpften um bis zu 90 Prozent besser geschützt“, sagt Förster.

Ganz unwichtig ist hingegen auch ein gewisser Abstand zwischen den einzelnen Impfungen nicht. Der Körper benötigt immunologisch betrachtet eine gewisse Zeit, um Abwehrstrategien gegen den Erreger zu bilden. Denn erfolgt die dritte Impfung zu früh, unterbricht man gewisse Reifungsprozesse des Immunsystems. Das führt dazu, dass die Booster-Impfung weniger effektiv ist.

In kurzem Abstand nach der vollständigen Impfung nachzuimpfen empfiehlt sich darum vor allem nicht für jüngere Menschen. Von anderen Impfungen sei bekannt, dass ein größerer Zeitabstand die Immunantwort verbessere. Bezüglich der Covid-19-Booster-Impfung ist allerdings derzeit noch nicht bekannt, wo die Grenze genau verläuft. Junge Menschen seien in den ersten Monaten nach der zweiten Impfung hervorragend geschützt. Da der Nutzen der Boosterung für diese dann also noch nicht sehr groß ist, sei die Auffrischung zunächst vor allem für die Risikopatienten wichtig. Dazu räumt Förster ein: „Leider wird sie aber von ihnen noch zu wenig wahrgenommen.“