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Corona Donald Trump: Präsident zurück im Weißen Haus - verharmlost Virus

Corona-kranker US-Präsident : Trump ist zurück im Weißen Haus

Obwohl er nach Angaben seiner Ärzte „noch nicht über den Berg“ ist, ist Donald Trump ins Weiße Haus zurückgekehrt - das einen eigenen Krankenhaustrakt hat. Dort gibt er Kritikern mit seinem Verhalten neue Munition.

Der an Covid-19 erkrankte US-Präsident Donald Trump hat in einem Video nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus erneut die Lage im Land ignoriert und seine Behauptung bekräftigt, die amerikanische Öffentlichkeit aufgerufen, sich nicht vor dem Coronavirus zu fürchten. „Wir haben die beste medizinische Ausstattung. Wir haben die beste Medizin“, sagte Trump. Nur die wenigsten US-Bürger haben den gleichen Zugang zu medizinischer Versorgung wie der US-Präsident, der derzeit mit nicht zugelassenen Medikamenten behandelt wird.

Mediziner zeigten sich angesichts Trumps sorglosen Umgangs entsetzt. „Wir müssen realistisch sein: Covid ist eine große Bedrohung für die amerikanischen Bevölkerung“, sagte David Nace vom medizinischen Zentrum der University of Pittsburgh. „Die meisten Menschen hätten nicht so viel Glück wie der Präsident“, sagte Nace mit Bezug auf Trumps Zugang zu medizinischer Versorgung. „Es ist eine gewissenlose Nachricht“, meinte auch Sadiya Khan von der medizinischen Fakultät der Northwestern University. „Ich würde so weit gehen, zu sagen, dass sie die Ausbreitung beschleunigen oder verschlimmern kann.“

Trumps Wahl-Herausforderer Joe Biden rief den Präsidenten auf, sich mit seinen Äußerungen an die mehr als 200.000 Familien zu wenden, die ein Mitglied verloren hätten. Der demokratische Senator Jeff Merkley schrieb, Trump gebe weiterhin "furchtbare und gefährliche Ratschläge".

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="en" dir="ltr">Don&#39;t be afraid, says the guy with a team of a dozen doctors, access to experimental treatments that no one else gets, a four room hospital suite, who lives in a house with top doctors on site 24/7. <br><br>All of which is provided to him for free because he refuses to pay taxes. <a href="https://t.co/uGScoBTiTt">https://t.co/uGScoBTiTt</a></p>&mdash; Chris Murphy (@ChrisMurphyCT) <a href="https://twitter.com/ChrisMurphyCT/status/1313198965312102400?ref_src=twsrc%5Etfw">October 5, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Kritiker verwiesen zudem darauf, dass Trump eine beispiellose medizinische Versorgung erhielt, während Millionen US-Bürger keine Krankenversicherung haben."'Habt keine Angst' sagte der Kerl mit einem Team von einem Dutzend Ärzten, Zugang zu experimentellen Medikamenten, die kein anderer bekommt, einer Krankenhaus-Suite mit vier Zimmern, der in einem Haus lebt mit Spitzenärzten, die 24 Stunden am Tag vor Ort sind", twitterte der demokratische Senator Chris Murphy.

Vor der Aufnahme der Videobotschaft hatte Trump am Montagabend (Ortszeit) nach nur drei Tagen Behandlung das Walter Reed-Militärkrankenhaus verlassen, um ins Weiße Haus zurückzukehren. Dort soll er nach Angaben seines Arztes weiter behandelt werden, da er für den Zeitraum einer Woche wohl noch nicht „über dem Berg“ sei. Das Weiße Haus hat einen eigenen Krankenhaustrakt.

Den Zeitpunkt des Transports legte Trump dabei auf kurz nach 18.30 Uhr (Ortszeit). Dann beginnen bei den großen Sendern die Abendnachrichten. Der 74-Jährige zeigte wartenden Journalisten in einer Siegergeste die Faust. Den Reportern sagte er: „Danke vielmals“. Dann wurde Trump zu einem wartenden Hubschrauber gefahren, der ihn zurück zum wenige Kilometer entfernten Weißen Haus flog. Dort nahm der Präsident demonstrativ die Schutzmaske ab, die er bis dahin getragen hatte - obwohl er noch Viren über seinen Atem verbreitet. Anschließend ging er ohne Maske in den Blauen Raum des Weißen Hauses, wo sich Mitarbeiter aufhielten. Nach Angaben seines Arztes Sean Conley ist Trump wahrscheinlich noch für eine Woche ansteckend.

Trump zurück im Weißen Haus - Arzt: noch keine Entwarnung

Die US-Gesundheitsbehörden empfehlen dringend, dass Infizierte sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben sollen, um andere Menschen vor einer Ansteckung zu schützen. Im Widerspruch dazu hatte Trump unmittelbar vor seinem Auftritt vor dem Krankenhaus im Kurzbotschaftendienst Twitter angekündigt, dass er bald den Wahlkampf wieder aufnehmen wolle. Zuvor hatte ein Sprecher mitgeteilt, Trump wolle an der für den 15. Oktober geplanten TV-Debatte mit seinem Herausforderer Joe Biden teilnehmen.

"Wenn die Wissenschaftler sagen, dass es sicher ist und die Abstandsregelungen eingehalten werden, dann denke ich, dass das in Ordnung ist. Ich werde alles tun, was die Experten für angemessen halten", sagte Biden, der am Wochenende negativ auf Covid-19 getestet hatte.

Trump war am vergangenen Freitag wegen einer Corona-Infektion in das in Bethesda nördlich von Washington gelegene Militärkrankenhaus Walter Reed eingeliefert worden. Seitdem hat es schwammige und widersprüchliche Angaben seiner Ärzte und des Weißen Hauses über den Zustand des Präsidenten gegeben.

Am Montag kündigte Trump dann auf Twitter an, das Krankenhaus noch am selben Tag verlassen zu wollen - und sorgte mit neuen verharmlosenden Äußerungen über die tödliche Pandemie für Empörung. "Ich fühle mich richtig gut!", twitterte Trump. "Habt keine Angst vor Covid. Lasst nicht zu, dass es euer Leben beherrscht." Kritiker verurteilten die Äußerungen angesichts von inzwischen rund 210.000 Corona-Toten in den USA als verantwortungslos.

Hier geht es zur Bilderstrecke: US-Präsident Donald Trump verlässt das Krankenaus

(ahar/peng/dpa/AFP/Reuters)