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Corona Delta-Variante: Können Geimpfte so ansteckend sein wie Ungeimpfte?

Delta-Variante : Können Geimpfte so ansteckend sein wie Ungeimpfte?

Als Geimpfter ist die Wahrscheinlichkeit, einen anderen Menschen mit Corona anzustecken, gering. Das aber gilt offenbar nicht bei Ansteckung mit der Delta-Variante. Laut einem Bericht der britischen Gesundheitsbehörde können auch Geimpfte hoch ansteckend sein. Was bedeutet das für unseren Alltag?

Menschen, die sich trotz zweifacher Impfung mit der Delta-Variante anstecken, sind wahrscheinlich in den ersten Tagen ähnlich infektiös wie Nichtgeimpfte. Das geht aus Zahlen hervor, die die britische Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) in einem aktuellen Bericht veröffentlicht hat. Somit ist auch für Geimpfte Vorsicht geboten. Besonders dann, wenn sie auf Ungeimpfte treffen.

Auch erst wenige Tage alte Daten der US-Seuchenschutzbehörde CDC sowie eine Untersuchung des Nationalen Zentrums für Infektionskrankheiten in Singapur deuteten darauf hin, dass Geimpfte das Delta-Virus durch eine hohe Viruslast im Rachen unmittelbar nach der Infektion ebenso übertragen können wie Ungeimpfte.

Einen Unterschied scheint es aber dennoch zu geben: Bei Geimpften sinkt das Risiko der Fremdansteckung in den folgenden Tagen schneller ab. Das heißt: Menschen mit Impfschutz sind wahrscheinlich kürzer ansteckend als ungeimpfte Personen.

Laut Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie und Leiter des Forschungsbereichs Immunologie am Leibniz-Institut an der TU Dortmund, deute das darauf hin, dass Menschen mit Impfschutz das Virus schneller bekämpfen. Der Immunologe erklärt auch, warum das so ist: „Weil die Geimpften viel schneller neutralisierende Antikörper haben, die das Virus effektiv bekämpfen."

Die Delta-Variante gilt als derzeit ansteckendste Variante. Laut einer Präsentation der US-Gesundheitsbehörde CDC sei sie „so ansteckend wie Windpocken“. Windpocken gelten als hoch infektiös, weil sie sich sogar mehrere Meter weit über die Luft übertragen. Berichten aus Israel zufolge ist eine Übertragung der Delta-Variante ebenfalls über die Luft möglich.

 In England ist die Delta-Variante für 99 Prozent der Infektionen verantwortlich. (Stand Ende Juli). Auch in Deutschland gehen die meisten Infektionen auf diese Variante zurück. Der Anteil an allen Positivtests beträgt laut RKI derzeit knapp 95 Prozent.

 Grundsätzlich sind jedoch sogenannte Impfdurchbrüche – also Fälle, in denen Menschen trotz Impfung erkranken – äußerst selten. Laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) kommt es bei rund 0,02 Prozent der vollständig Geimpften dazu. Impfdurchbrüche sind bei der Delta-Variante vor allem auf die Eigenschaft zurückzuführen, sich den nach der Impfung gebildeten Antikörpern leichter entziehen zu können.

Was bedeutet es, wenn Geimpfte möglicherweise ebenso ansteckend sein können wie Nichtgeimpfte?

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 Derzeit fällt für Geimpfte und Genesene vielerorts die Test- und Quarantänepflicht weg. Sollten weitere Studien ergeben, dass auch die geimpften Personen in den ersten Tagen hoch ansteckend sein können, ist zu erwarten, dass auch für sie sowohl Testung wie auch Quarantänepflicht obligatorisch werden.

 Was sollte man tun?

 Wollen sich Geimpfte und Ungeimpfte gemeinsam treffen, raten die Experten dazu, sich zuvor testen zu lassen und Abstand zueinander zu halten. Dies erscheint nicht nur wichtig, damit unwissentlich infizierte Geimpfte eine Person ohne Impfschutz versehentlich anstecken. Wenn sich Geimpfte und Ungeimpfte treffen, steige auch für Geimpfte das Ansteckungsrisiko, sagt Watzl.

Wo viele Menschen zusammenkommen, vor allem aber in geschlossenen Räumen und im öffentlichen Nahverkehr sollten alle weiterhin vorsichtig bleiben, schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrem Online-Informationsportal.

Sollten Geimpfte den Verdacht haben, sich infiziert zu haben, rät Virologin Sandra Ciesek im Podcast des NDR dazu, einen PCR-Test zu machen. Auch Schnelltests könnten eine gewisse Sicherheit bringen.

Auch die Stiko empfiehlt, die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen wie Hygieneregeln, das Tragen von Masken, Abstandhalten und Lüften einzuhalten. So könne auch bei den derzeit dominierenden Virusvarianten das Risiko einer Virusübertragung stark vermindert werden.