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Corona Bayern: Test-Ergebnisse verzögern sich - Zehntausende noch nicht informiert

Zehntausende warten auf Ergebnis : Corona-Testpanne in Bayern wirft Söders Reisepläne über den Haufen

Eigentlich hätte Markus Söder am Donnerstag an die Nordsee reisen und eine Wattwanderung unternehmen wollen. Nun holt ihn die Corona-Krise ein: Eine schwere bayerische Test-Panne bringt ihn in Bedrängnis.

Nach Bekanntwerden einer schweren Panne bei den Corona-Tests an bayerischen Autobahnen hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einen für Donnerstag und Freitag geplanten Besuch an der Nordsee abgesagt. „Bayern geht vor“, schrieb Söder am Mittwochabend auf Twitter, er müsse seinen Besuch leider absagen.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Fehler bei Corona-Testzentren: das ist sehr, sehr ärgerlich. Das muss sofort behoben werden und darf nicht mehr passieren. Alle Strukturen sind umgehend zu überprüfen. Leider muss ich daher den Besuch an der Nordsee absagen. Bayern geht vor.</p>&mdash; Markus Söder (@Markus_Soeder) <a href="https://twitter.com/Markus_Soeder/status/1293598400160702469?ref_src=twsrc%5Etfw">August 12, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Die bayerische Staatsregierung hatte zuvor eingestehen müssen, dass die Verzögerungen bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen in Bayern deutlich dramatischere Ausmaße haben als bisher bekannt: 44.000 Reiserückkehrer, die im Ausland im Urlaub waren, warten nach Tests an bayerischen Autobahnen noch auf ihre Ergebnisse, darunter auch 900 nachweislich positiv getestete. Das hatte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am späten Nachmittag einräumen müssen. Wie viele davon aus dem Freistaat und wie viele aus dem übrigen Bundesgebiet kommen, konnte sie zunächst nicht sagen. Die Infizierten sollten aber bis Donnerstagmittag ihr Ergebnis bekommen.

Grund für die Verzögerungen seien vor allem Probleme bei der händischen Übertragung von Daten und eine unerwartet hohe Nutzung des Angebots, erklärte der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf.

Ddas Bayerische Rote Kreuz (BRK) kritisiert die Behörden. Die bayerischen Hilfsorganisationen seien vom Freistaat beauftragt worden, innerhalb eines Tages fünf Teststationen zu errichten. Dabei hätten sie sich an den Vorgaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und der Gesundheitsämter orientiert. „Da das LGL sich nicht in der Lage gesehen hat, in dieser kurzen Zeit eine entsprechende Software zur Verfügung zu stellen, mussten die Reisenden händisch mit Formularen erfasst werden“, hieß es in einer Mitteilung. Das BRK wies „Andeutungen zurück, die darauf schließen lassen, dass die Hilfsorganisationen eine (Teil-)Schuld an dieser Problematik haben“. Es sei bedauerlich, dass der „schweißtreibende Einsatz der Ehrenamtlichen“ in ein negatives Licht gerückt werde, sagte ein Sprecher.

Huml sagte am Mittwochabend in den ARD-„Tagesthemen“, in dieser Dimension seien ihr die Verzögerungen nicht vorher bekannt gewesen. Auf die Frage, wer für die Panne die Verantwortung trage, sie oder Söder, antwortete Huml ausweichend. „Es ist wichtig, dass wir jetzt die Problematik erkannt haben und uns entsprechend darum kümmern und dass wir hier eben diese Verantwortung annehmen“, sagte sie. Mehr als 300 Mitarbeiter allein beim Landesamt arbeiteten nun die Nacht über, und man habe auch Unterstützung aus anderen Behörden.

Söder nannte den „Fehler“ bei den Testzentren „sehr, sehr ärgerlich“. „Das muss sofort behoben werden und darf nicht mehr passieren. Alle Strukturen sind umgehend zu überprüfen“, verlangte der CSU-Politiker.

Oppositionspolitiker von Grünen, SPD und FDP sprachen wahlweise von „eklatantem Regierungsversagen“, einer „desolaten Bilanz“ und Schlamperei. Verantwortlich machten sie in erster Linie den Regierungschef, der zuletzt als guter Krisenmanager gelobt worden war und auch in deutschlandweiten Umfragen Spitzenwerte erzielte. Selbst als beliebtester möglicher Unions-Kanzlerkandidat wurde er gehandelt.

Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann erklärte: „Markus Söder muss umgehend dafür sorgen, dass das Handeln seiner Ministerinnen und Minister mit seinen wortgewaltigen Ankündigungen Schritt hält. Sonst muss man an dieser Stelle festhalten: Söder kann Krise nicht.“ Der SPD-Landtagsabgeordnete Markus Rinderspacher twitterte: „Dieses Versagen erfordert Aufklärung.“ Er warf unter anderem die Fragen auf: „Wie kann das passieren? Wer steht politisch dafür gerade?“ FDP-Fraktionschef Martin Hagen twitterte: „Söders Inszenierung als Corona-Musterschüler bekommt zunehmend Risse.“ Dieses Mal könne die CSU das „Versagen der Regierung“ nicht auf den kleinen Koalitionspartner, die Freien Wähler, schieben, sagte Hagen.

Seit dem 25. Juli können sich Reisende bei der Ankunft an den Flughäfen München und Nürnberg testen lassen, seit Anfang August in Memmingen. Zunächst war das Angebot freiwillig. Für Urlauber aus Risikogebieten greift seit Samstag bundesweit eine Testpflicht.

Darüber hinaus hatte die Staatsregierung seit Ende Juli Teststationen an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg sowie an den Autobahnraststätten Hochfelln-Nord (A8), Inntal-Ost (A93) und Donautal-Ost (A3) einrichten lassen. Diese wurden zunächst von Hilfsorganisationen betrieben. Seit dieser Woche übernehmen nach und nach private Anbieter den Betrieb. Damit soll auch die Datenübertragung an allen Stellen digitalisiert werden.

Rund 85 000 Tests wurden nach Angaben von Huml bislang insgesamt gemacht. Die Übertragungsprobleme beträfen aber fast ausschließlich die Tests an Raststätten und Bahnhöfen, wo insgesamt bei knapp 60 000 Menschen Rachenabstriche genommen worden seien. Wie viele von ihnen aus welchem Land ankamen und wo sie wohnen, war zunächst unklar. Zapf sprach von einer „Panne“, Huml bedauerte die Verzögerungen.

Die Tests für Reiserückkehrer an bayerischen Autobahnen und großen Hauptbahnhöfen hatte Söder angeschoben. Fachlich zuständig ist das Gesundheitsministerium unter Führung Humls. Söder war dem Vernehmen nach schon öfter unzufrieden mit dem Corona-Krisenmanagement ihres Hauses.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat Verständnis für die kurzfristige Besuchsabsage seines bayerischen Amtskollegen Markus Söder (CDU) gezeigt. „In solchen Situationen ist ein Regierungschef in seinem Bundesland gefordert“, sagte Günther am Mittwochabend der Deutschen Presse-Agentur. „Jeder andere Länderregierungschef hätte genauso entschieden.“

(ahar/juw/dpa)