Nebenwirkungen und Tipps Was Sie zur Auffrischimpfung gegen Covid-19 wissen müssen

Service · Vor allem ältere Menschen holen sich in diesen Tagen ihre dritte Impfung gegen Covid-19 ab. Sie soll ihrem Immunsystem einen weiteren Schub geben und so besser vor Sars-CoV-2 schützen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Auffrischimpfung.

 Besonders für ältere Menschen und immungeschwächte Personen empfehlen Experten eine Auffrischimpfung.

Besonders für ältere Menschen und immungeschwächte Personen empfehlen Experten eine Auffrischimpfung.

Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Wer kann das Angebot der dritten Impfung nutzen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt in ihrer aktuellen Impfempfehlung (Stand 18.10.2021) eine Auffrischimpfung für Personen ab 70 Jahre sowie für bestimmte Indikationsgruppen, etwa Bewohner und Betreute in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie für Personal in medizinischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt. Darüber hinaus rät die Stiko allen Personen, die bisher mit der Vakzine von Janssen geimpft wurden zu einer Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff.

Um allerdings mehr Tempo in Auffrischungsimpfungen zu bekommen, wollen der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Ärzteverbände mit einer einheitlicheren Linie dafür werben. Eine solche Impf-Verstärkung („Booster“) soll allen angeboten werden, die vor sechs Monaten ihre Impfserie abgeschlossen haben, wie es am Donnerstag nach einer Videokonferenz aus Teilnehmerkreisen hieß. Insbesondere sollten Ältere, medizinisches Personal und Immunschwache „geboostert“ werden. Die Sechs-Monats-Frist erreiche zunächst Menschen, die ohnehin nach der damaligen Vorrang-Reihenfolge geimpft wurden, hieß es zur Erläuterung - kalendarisch also, wenn man bis Anfang Mai seine Zweit-Impfung bekommen hat. In Frage kämen schon jetzt mehr als zehn Millionen Menschen. „Booster“ erhalten haben laut RKI bisher aber nur 2,36 Millionen.

Womit wird geimpft?

Ausschließlich mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna. Dies empfiehlt auch die europäische Arzneimittelbehörde EMA.

Die Impfzentren sind geschlossen. Wo kann man sich die dritte Impfung abholen?

Erste Anlaufstelle ist der niedergelassene Hausarzt. Hier gibt es auch die entsprechende fachliche Beratung. Außerdem sind weiterhin die  Betriebsärzte im Boot, und auch alle bewährten niederschwelligen Impfangebote sollen laut Landesregierung NRW vor Ort in den Kreisen und Städten aufrecht erhalten werden. Für die Organisation und Planung der weiteren Impfangebote hat das Land NRW zum 1. Oktober „koordinierende Impfeinheiten“, sogenannte Kocis, eingerichtet. 1,5 Stellen pro 50.000 Einwohner finanziert die Landesregierung dafür (zunächst befristet bis Ende April 2022). Die Kocis sollen auch die Impfungen in Pflegeeinrichtungen und Altenheimen koordinieren und etablierte Angebote etwa in Flüchtlingsunterkünften unterstützen.

Welche Nebenwirkungen sind bei der dritten Impfung zu erwarten?

„Im Prinzip die gleichen, wie sie auch nach den beiden ersten  Impfungen mit mRNA-Impfstoffen auftreten konnten“, sagt Bernd Randerath. Er ist Facharzt für Allgemeinmedizin im Ruhestand und war einer der ärztlichen Leiter im Impfzentrum Mönchengladbach. „Müdigkeit und Schlappheit können auftreten, manchmal auch grippeähnliche Beschwerden“, erklärt er. Diese Symptome seien allesamt Zeichen der durch die Impfung aktivierten Immunantwort. „Und die ist ja ausdrücklich erwünscht“, so Randerath. Angst vor der dritten Impfung müsse niemand haben.

Eine Einschätzung, die auch eine aktuelle US-Umfrage bestätigt. Per Smartphone-Tool konnten dreifach Geimpfte dort ihre Nebenwirkungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC melden. Von 2,2 Millionen Drittgeimpften machten rund 22.000 Menschen mit. Die häufigste Nebenwirkung waren demnach Schmerzen an der Einstichstelle (74,9 Prozent), gefolgt von Müdigkeit (56 Prozent) und Kopfschmerzen (43,4 Prozent).

Müssen Geimpfte, die nach Verabreichung der ersten Vakzinen Beschwerden hatten, ähnliche Nebenwirkungen auch nach der Boosterimpfung fürchten?

„Ja, es ist davon auszugehen, dass Menschen, die bei den ersten Impfungen stärker reagiert haben, dies auch nach der dritten Impfung tun werden“, sagt Randerath. Wer Sorge hat oder unsicher ist, dem rät er in Absprache mit dem behandelnden Arzt zu einem Antikörpertest. „Hier kann man sehen, wieviele Antikörper der Geimpfte in seinem Blut hat. Und je nachdem, wie hoch die Anzahl ist, ist eventuell gar keine dritte Impfung nötig.“

Eine parallele Impfung gegen Grippe und Covid-19 ist möglich. Was ist zu beachten?

Nach Einschätzung der Stiko kann die Grippeimpfung parallel zur Covid-Impfung erfolgen. Allerdings sollte dies laut Empfehlung mit einem Totimpfstoff geschehen. Totimpfstoffe enthalten ausschließlich inaktivierte Viren oder nur einzelne Viren-Bestandteile. Die allermeisten in Deutschland zugelassenen Influenzaimpfstoffe sind Totimpfstoffe. Außerdem, so rät die Stiko, sollten beide Vakzinen nicht in den gleichen Oberarm gespritzt werden.

Verstärkt die zeitgleiche Grippeimpfung die Nebenwirkungen?

Mediziner Randerath hält dies für möglich: „In dieser Jahreszeit, wo viele Viren unterwegs sind, kann man schnell auch mal in einen unterschwelligen Infekt hinein geimpft werden. Und dann können die Nebenwirkungen stärker ausfallen.“ Wer beide Impfungen gleichzeitig bekommt, weiß dann gar nicht, worauf er reagiert hat. Der Mediziner rät daher trotz Stiko-Erlaubnis dazu, Covid- und Grippeimpfung zeitlich zu trennen. Mit einer Pause von 14 Tagen zwischen beiden Impfungen umgehe man das Risiko unnötiger Nebenwirkungen ein Stück weit. „Außerdem hält der Influenzaimpfstoff nur etwa sechs Monate vor. Und zumindest über die Karnevalszeit sollte man mit dem Grippeimpfschutz kommen“, so Randerath.

Wann kommt die dritte Impfung für alle?

Aktuell sind sich Wissenschaftler und Mediziner einig, dass eine Auffrischimpfung nicht für jeden Menschen nötig ist. Aber: Studien aus Israel und Schottland zeigen schon heute, dass der Impfschutz gegen Covid-19 mit der Zeit nachlässt. „Wenn wir künftig mit Sars-CoV-2 leben müssen, dann gehe ich davon aus, dass wir Auffrischimpfungen benötigen werden“, sagt Randerath. Dann müsse der Impfstoff, ähnlich wie es bei der Influenza der Fall ist, regelmäßig angepasst werden.