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Corona Anstieg: RKI-Chef warnt vor unkontrollierter Verbreitung

Nach starkem Anstieg : RKI-Chef Wieler warnt vor unkontrollierter Verbreitung von Coronavirus

Die Corona-Lage in Deutschland ist wieder deutlich angespannter. Angesichts der hohen Neuinfektionsrate warnt das Robert-Koch-Institut nun vor der Gefahr einer unkontrollierten Verbreitung des Virus.

Es sei „möglich, dass wir mehr als zehntausend neue Fälle pro Tag sehen und dass sich das Virus unkontrolliert verbreitet“, sagte Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), am Donnerstag in Berlin. Die Zahl der Neuinfektionen binnen Tagesfrist war zuvor auf über 4000 Fälle gestiegen – nach knapp 3000 Neufällen am Mittwoch.

„Die aktuelle Situation beunruhigt mich sehr“, sagte Wieler. Derzeit sei unklar, „wie sich die Lage in Deutschland in den nächsten Wochen entwickeln wird“. Er hoffe aber, „dass wir es schaffen, die Infektionen auf einem Level zu halten, mit dem wir umgehen können“.

Seit September stiegen die Zahlen wieder, seit Anfang Oktober hätten sie sich verdoppelt, sagte Wieler. Die meisten Ansteckungen erfolgten jetzt im Inland. Nur noch acht Prozent der Neuinfektionen gingen auf Reisende zurück. Niemand könne derzeit voraussagen, wie sich die Lage weiter entwickeln werde, sagte Wieler.

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen rief Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eindringlich zur Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln auf. „Diese Pandemie ist auch ein Charaktertest für uns als Gesellschaft“, sagte Spahn auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Wieler in Berlin. „Wenn 80 Millionen mitmachen, sinken die Chancen des Virus gewaltig.“

Den Anstieg der Neuinfektionen bezeichnete Spahn als „besorgniserregend“. Er wies aber zugleich darauf hin, dass die Zahl der Todesfälle und der intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten „bis hierhin noch vergleichsweise niedrig“ seien. „Das Gesundheitssystem kann gut damit umgehen.“

Deutschland sei „bislang gut durch die Krise gekommen“, sagte Spahn. „Wir können durchaus zuversichtlich sein.“ Es gebe „kaum ein Land in Europa, dass die Krise bis hierhin so gut hat bewältigen können“.

Es liege nun „an uns allen selbst, ob wir es schaffen, das Erreichte zu sichern“, sagte der Minister. Das „Wirksamste“ sei dabei immer noch die Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln. „Die Frage, ob das Feiern und Reisen jetzt unbedingt sein muss, kann jeder für sich selbst beantworten“, sagte Spahn.

Der Minister warnte insbesondere junge Menschen, sich für „unverletzlich“ zu halten. „Das sind sie aber nicht.“ Insbesondere für die Älteren bereite die Ausbreitung des Virus „große Gefahren“.

Das RKI in Berlin gab die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Donnerstag mit 310.144 an – ein Plus von 4058 seit dem Vortag. Insgesamt 9578 Todesfälle wurden registriert und damit 16 mehr als am Vortag. Die Zahl der Genesenen lag laut RKI bei etwa 269.600.

(hebu/mja//AFP)