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Charité-Ambulanz verzeichnet deutlich mehr Fälle häuslicher Gewalt

Mögliche Pandemie-Auswirkung : Charité-Ambulanz verzeichnet deutlich mehr Fälle häuslicher Gewalt

Im vergangenen Jahr hat die Ambulanz der Charité in Berlin mehr Fälle von häuslicher Gewalt verzeichnet. Die Lockdowns in Frühjahr und Herbst könnten dabei eine Rolle gespielt haben.

Die Gewaltschutzambulanz der Charité hat 2020 deutlich mehr Fälle häuslicher Gewalt behandelt. Insgesamt hätten sich 1.661 Gewaltopfer an die Ambulanz gewandt, sagte die stellvertretende Leiterin Saskia Etzold am Mittwoch in Berlin. Das seien acht mehr Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei hätten die beiden Lockdowns im Frühjahr und Herbst 2020 einen großen Einfluss auf die Arbeit der zur Rechtsmedizin gehörenden Einrichtung gehabt.

Die Mehrheit der Gewaltopfer seien Frauen gewesen (900), sagte Etzold. In 405 Fällen waren Kinder betroffen und in 352 Männer. Die restlichen Opfer hätten sich keinem Geschlecht zuordnen wollen. In der Regel seien die Opfer häuslicher Gewalt zwischen 21 und 49 Jahren alt, eine Häufung gebe es bei den 30- bis 39-Jährigen.

Typisch für 2020 seien sehr starke wellenartige Bewegungen gewesen, sagte die Rechtsmedizinerin. Während im Februar und März 2020 die Zahlen gegenüber dem Vorjahr um 30 und 24 Prozent zurückgegangen seien, habe es nach Ende des ersten Lockdowns einen massiven Anstieg gegeben - in den ersten beiden Juniwochen um bis zu 50 Prozent. Mit Beginn des zweiten Lockdowns im November seien die Zahlen dann mit minus 38 Prozent wieder deutlich zurückgegangen. Dabei sei der November „sonst ein fallstarker Monat“, so die Medizinerin.

Auffällig sei auch, dass die meisten Gewaltopfer bereits Anzeige bei der Polizei gestellt hatten und damit dem sogenannten Hellfeld zugerechnet werden konnten, sagte Etzold. Sonst hielten sich die Zahlen zwischen Hell- und Dunkelfeld die Waage. Zudem habe die Schwere der Verletzungen zugenommen. Häufig habe sich die Gewalt gegen den Hals gerichtet.

lob

(mja/epd)