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BPK 22.01.2021: Spahn, Wieler und Drosten über die Lage in der Corona-Pandemie

Bundespressekonferenz zur Corona-Lage : Wieler und Spahn sehen keine Alternative zum Lockdown

In einer Bundespressekonferenz äußerten sich Lothar Wieler, Jens Spahn und Christian Drosten zu der aktuellen Lage in der Corona-Pandemie. Sie sehen einen positiven Trend, mahnen aber auch vor zu frühen Lockerungen.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sieht in Deutschland einen "leicht positiven Trend" bei der Entwicklung der Corona-Pandemie. Derzeit würden die Zahlen der Neuinfektionen in den meisten Bundesländern sinken, sagte Wieler am Freitag in Berlin. Dies seien Erfolge des Lockdowns - es dürfe nun aber nicht nachgelassen werden. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nannte die Zahlen der vergangenen Tage ermutigend, sie seien aber "immer noch auf zu hohem Niveau".

Wieler betonte die Notwendigkeit, die Corona-Maßnahmen weiterhin strikt einzuhalten. "Wir können nur zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren, wenn wir die Fallzahlen massiv senken und auf Dauer niedrig halten."

Spahn sagte, die Infektionszahlen "gehen in die richtige Richtung". Es sei eine erste Entlastung auf den Intensivstationen erkennbar, aber die Belastung dort sei weiterhin ziemlich hoch. Knapp 5000 Corona-Intensivpatienten seien für das Gesundheitssystem "unter Anspannung machbar", dies könne aber kein Dauerzustand sein. „Es ist noch nicht vorbei, auch nach einem Jahr nicht, obwohl wir es uns alle wünschen“, sagte Spahn.

„Ich weiß, dass die Beschlüsse, die in der Ministerpräsidentenkonferenz gefasst wurden, für viele sehr belastend sind. Trotzdem: Sollten auf dem aktuell hohen Niveau die Zahlen jetzt noch einmal nach oben schnellen, wäre unser Gesundheitswesen überlastet", bekräftigte Spahn. Jetzt gehe es darum, den Widerspruch gut zu erklären, dass die Zahlen in die richtige Richtung gingen und gleichzeitig die Beschränkungen verschärft wurden, um die Infektionen noch "ein ganzes Stück weiter runterzubringen", sagte Spahn. Er verwies darauf, dass in anderen Ländern, wo zu früh gelockert wurde, "es ganz schnell wieder entflammt".

Vor allem gehe es nun darum, die Verbreitung der Virusmutanten – die der Virologe Christian Drosten als Grund zur Sorge sieht – so weit es geht zu minimieren. Dafür seien die Maßnahmen angepasst worden, etwa die Pflicht zum Tragen medizinischer Masken im öffentlichen Nahverkehr.

Eine Null-Covid-Strategie ist nach Angaben des Gesundheitsministers für Deutschland nicht geeignet: „Das Modell sehe ich nicht auf Deutschland übertragbar“, sagte Spahn. Das Land liege in der Mitte eines Kontinents, in der Mitte der Europäischen Union, „deswegen sehe ich Null als dauerhafte Zielmarke nicht als das, was in einem Land wie Deutschland mit unserer Lage und Situation funktionieren kann.“

Lothar Wieler sieht die derzeit hohen Todeszahlen sehr kritisch. „Das ist eine bedrückende, für mich schier unfassbare Zahl“, sagte er über die Gesamtzahl der Todesfälle in Zusammenhang mit Corona. Diese lag am Freitag bei 50.642 Fällen. Wenn die Infektionszahlen gering gehalten würden, könnten schwere Verläufe sowie Todeszahlen verhindert und besser kontrolliert werden, sagte er. Auch verwies er auf Ausbrüche in Pflegeheimen. Etwa 900 Fälle seien bekannt, „wahrscheinlich gibt es auch eine Dunkelziffer“, so Wieler.

Zum Stand der Impfungen sagte Spahn, in Deutschland seien bereits über 1,5 Millionen Impfungen verabreicht worden, davon hätten über 100.000 Menschen schon die zweite Impfung erhalten. Nach Angaben des Gesundheitsministers sind 60 Prozent der Pflegeheimbewohner einmalig geimpft, einige hätten schon die Zweitimpfung erhalten. Zudem sei „ein großer Teil“ des Personals geimpft. Spahn sagte, Mman habe allen Grund zur Annahme, dass die Impfteams, wie von Bund und Ländern vereinbart, bis Mitte Februar in allen Pflegeheimen ein Impfangebot machen könnten.

Die Impfkampagne sieht Spahn als Hoffnungsträger: „Wir befinden uns zwar auf dem Höhepunkt der Pandemie, und gleichzeitig haben wir den Weg raus aus der Pandemie begonnen“, sagte der Bundesgesundheitsminister.

Außerdem äußerten sich Spahn und Wieler zu den vergangenen Feiertagen. Der RKI-Chef lobte das Verhalten der deutschen Bevölkerung rund um Weihnachten und Neujahr. Die Menschen hätten sich großteils verantwortungsvoll verhalten und die Maßnahmen beherzigt. Das zeigten die Zahlen. Spahn ergänzte: „Es war wahrscheinlich das ruhigste Silvester, das Deutschland seit Jahrzehnten gesehen hat."

(capf mit Material von AFP/dpa/KNA)