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Armin Laschet: Shitstorm auf Instagram - Schüler äußern Unmut über Entscheidung

Streit um Schulöffnungen : Laschet zieht auf Instagram den Unmut vieler Schüler auf sich

Ausgerechnet auf dem Instagram-Account von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet macht sich massiver Unmut breit. Viele Schülerinnen und Schüler beschweren sich über den für 23. April geplanten Schulstart nach den Corona-Schließungen.

Eigentlich wollte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) über seinen Instagram-Account nur die grundsätzliche Bedeutung der am Mittwoch gefassten Beschlüsse zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise herausstreichen. Es sei ein gutes Gespräch gewesen, meinte der Landeschef. „Und mir war wichtig, keine Alleingänge, sondern nur gemeinsame Entscheidungen“, so lautete die Videobotschaft des obersten Corona-Krisenmanager des Landes.

Über die Reaktionen vieler Schülerinnen und Schüler dürfte sich Laschet wohl gewundert haben. Die werfen ihm genau einen solchen Alleingang vor. In mehr als 100.000 Aufrufen reagierten vor allem junge Menschen vornehmlich empört darauf, dass in Nordrhein-Westfalen die Schulen schon am 23. April wieder öffnen sollen.

So entrüstet sich die Instagram-Nutzerin Claudia.srm: „In dieser Zeit dürfen die Bürger nur zu zweit raus gehen und Zeit verbringen, mit denen sie zusammen leben. Dürfen wir uns währenddessen in vollen Bussen aufhalten? Dürfen wir mit mehr als einer Person an der Bushaltestelle stehen, ohne mindestens zwei Meter Abstand zu halten? Wie soll es in den Pausen aussehen? Allein an diesen Fragen sollte man merken, dass vieles ungeklärt und sich ebenfalls widerspricht.“

Für andere ist Kanzlerin Angela Merkel die Lichtgestalt, während Laschet in die Rolle des Bösewichts gedrängt wird. „Wenn die liebe Frau Merkel sagt, dass die Schulen erst am 4.5 stufenweise öffnen, dann ist es so“, stellt Dal1ah kategorisch fest. „Wir können doch nicht das einzige Bundesland sein, das zur Schule geht.“

Und die Komikerin und Moderatorin Enissa Amani findet: „Übertrieben unfair und ungerecht den Schülern gegenüber! Während dieser Umstellung und dem damit verbunden Stress, geprüft werden zu müssen, ganz zu schweigen von denen, die zu Risikogruppen gehören oder Risikogruppen zu Hause haben.“ Mit über 6000 positiven Bewertungen steht sie an der Spitze der Zustimmungsskala.

Was die Schüler so empört, bringt der Viersener Abiturient John Jansen (18) auf den Punkt: „Hier wird über meine Gesundheit entschieden“, meint der junge Mann, der sich im Bischöflichen Albertus-Magnus-Gymnasium von Viersen-Dülken auf seine Abschlussprüfung vorbereitet. Jansen versteht nicht, warum die Schule für die Abiturvorbereitung öffnen muss. „Ich kann doch vieles im Selbststudium erledigen. Und die Lehrer reagieren per Mail sofort auf unsere Fragen.“ Er kann sich überhaupt nicht vorstellen, wie sein Pädagogik-Leistungskurs mit 30 Schülern, verteilt auf verschiedene Räume, überhaupt stattfinden kann. „Da brauchen wir für einen Kurs die ganze Etage“, ereifert sich der Schüler, der bereits drei längere Mails an Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) geschrieben hat, die alle unbeantwortet blieben.

Auch Jansen hat auf das Instagram-Video des Ministerpräsidenten mit Unverständnis reagiert. Freunde hätten es ihm gleich getan. Allerdings hat sich die Schülervertretung des Gymnasiums in Viersen noch nicht eingeschaltet. Gleichwohl ist von verschiedenen Petitionen die Rede, die die Schüler und Schülerinnen gegen den früheren Start einbringen wollen. Obendrein machte das Gerücht die Runde, dass der Ministerpräsident einige der Kommentare gelöscht hätte.

Im Umfeld des Ministerpräsidenten hieß es am Donnerstagabend dagegen, an dem Account seien keine Löschungen vorgenommen worden. Es handelt sich außerdem um den persönlichen Instagram-Zugang Laschets.

Unterdessen verlangt auch die Landesschüler*innenvertretung NRW in einer Pressemitteilung: „Kein verfrühter Schulbeginn für niemanden!“. Sie sieht hinter dieser Entscheidung das Interesse, „die Wirtschaft möglichst bald wieder ans Laufen zu bringen“, weniger gesundheitliche Gründe. „Anders lässt sich der Sonderweg, den Ministerpräsident Laschet und Ministerin Gebauer nun einschlagen, nicht erklären“, heißt es weiter.

Die Schüler und Schülerinnen glauben nicht, dass bis zum 23. April alle Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten sind. Allerdings ist der Besuch der Schule zu diesem Zeitpunkt freiwillig. Die Schulpflicht bleibt weiter ausgesetzt. Die Schüler sollen lediglich die Möglichkeit erhalten, ihren Lehrern Fragen zu stellen und ihre Ergebnisse kontrollieren zu lassen. Das Abitur wurde bereits als Folge der Corona-Epidemie auf den 12. Mai verschoben.

Neben Nordrhein-Westfalen starten auch andere Bundesländer zu einem früheren Termin als dem 4. Mai, der von Kanzlerin und den Ministepräsidenten allgemein vorgeschlagen wurde. Berlin und Brandenburg wollen schon am kommenden Montag, dem 20. April, ihre Schulen öffnen, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein am darauffolgenden Dienstag.

Für die Wut und die Empörung könnte auch die verwirrende Kommunikation der Landesregierung verantwortlich sein. Während Schulministerin Gebauer ursprünglich schon nach den Osterferien am 20. April wieder starten wollte, war dann allgemein vom 4. Mai die Rede. Mit dem 23. April hat Düsseldorf am Donnerstag jetzt wieder einen ganz neuen Termin genannt.