#allesdichtmachen Jan Josef Liefers räumt ein, dass Ironie vielleicht das falsche Mittel war

Berlin/Bremen · Schauspieler Jan Josef Liefers hat nach heftiger Kritik an der Aktion #allesdichtmachen gegen die verschärften Corona-Schutzmaßnahmen die Kampagne noch einmal verteidigt. Er räumt allerdings mittlerweile ein, dass Ironie vielleicht das falsche Mittel der Wahl gewesen sein könnte.

 Jan Josef Liefers (Archivbild).

Jan Josef Liefers (Archivbild).

Foto: dpa/Oliver Berg

Allerdings stellte er in der Talkshow „3nach9“ von Radio Bremen am Freitagabend die Art und Weise der Aktion infrage. Fernsehmoderator Günther Jauch nahm die Beteiligten in Schutz. Auch Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot sagte, die Teilnehmer hätten auf die gesellschaftlichen Gefahren der Corona-Politik aufmerksam machen wollen.

Die Protestaktion hatte am Freitag vielfach Empörung ausgelöst. Den Beteiligten wurden unter anderem fehlende Empathie und Zynismus vorgeworfen. An der Kampagne hatten sich mehr als 50 Schauspieler und Schauspielerinnen beteiligt, darunter auch Heike Makatsch und Meret Becker. Zuspruch erhielt die Aktion aus dem rechten Lager, von AfD-Politikern und aus der „Querdenken“-Szene. Einige Künstlerinnen und Künstler distanzierten sich inzwischen von der Aktion und löschten ihre Beiträge.

Liefers erklärte, er habe Menschen vertreten wollen, die unter den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung leiden. Jedoch sei dafür Ironie vielleicht das falsche Mittel gewesen. In dem Video, das auf dem Youtube-Kanal der Kampagne veröffentlicht wurde, hatte der Schauspieler vor allem die Berichterstattung der Medien über die Pandemie kritisiert. „Das sollte ein ironischer Protest sein von Leuten, die sich aktuell nicht gut wiederfinden können - auch in den Medien“, erläuterte er in der Talkshow: „Vielleicht habe ich mich übernommen, das gebe ich gerne zu. Aber diese Art von Stimme wollte ich gerne geben.“

Liefers betonte, die Aktion habe keinesfalls „rechte Schwurbler und Wirrköpfe“ munitionieren sollen. Allerdings finde er es schade, dass er als Kritiker der Maßnahmen „sofort ziemlich radikal in Ecken gepusht wird, in die man gar nicht gehört“.

Jauch sagte am Freitagabend der „Jüdischen Allgemeinen“, er kenne einige der beteiligten Künstler seit langem persönlich: „Die sind jetzt todunglücklich über die Instrumentalisierung durch Coronaleugner und die AfD.“ Seiner Meinung nach hätten einige der Beteiligten auch besonders künstlerisch erscheinen wollen. „Die haben dann in ihren Wortmeldungen zweite und dritte Ebenen eingezogen, die viele nicht verstanden haben“, sagte Jauch: „Und wenn dann auch noch der Beifall von der falschen Seite kommt, wird es nochmal schwieriger.“

Guérot verteidigte am Samstag im Deutschlandfunk die Aktion. Die Videos hätten auf sie ironisch gewirkt, sagte die Professorin von der Donau-Universität Krems. Andere hätten die Clips als zynisch oder hämisch empfunden. Dass diese so unterschiedlich bewertet würden, liege an der allgemeinen Polarisierung in der Corona-Diskussion, erklärte Guérot. Sie betonte, die Kunst müsse auch in der größten Notlage frei sein. Sie halte die Kampagne für sinnvoll und legitim.

(felt/epd)
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