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43 Millionen mehr Zertifikate als Impfungen - wie kann das sein?

43 Millionen mehr Impfzertifikate als Impfungen : Der rätselhafte Überschuss an Impfzertifikaten

Sie sind das Ticket in das normale Leben: In Deutschland wurden seit Beginn der Impfkampagne 43 Millionen mehr Zertifikate ausgestellt als Spritzen gesetzt. Ein großer Schwindel? Oder die Summe von vielen Ursachen?

Impfzertifikate sind die Eintrittskarte in das alltägliche Leben. Geschäfte, Fitnessstudios, Schwimmbäder - in vielen Bereichen gilt 2G. Doch nun gibt es neuen Wirbel um den Nachweis. In Deutschland wurden seit Beginn der Impfkampagne 42,6 Millionen mehr Zertifikate ausgestellt als Impfdosen verabreicht. Konkret: 204,7 Millionen digitale Zertifikate wurden erstellt, aber nur 162,1 Millionen Dosen für Erst-, Zweit- und Drittimpfungen gespritzt, wie das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ mitteilte. Ein Riesen-Betrug? Eine dramatisch untererfasste Impfquote?

„Von Seiten der Apothekerschaft können wir die Gesamtzahlen an Impfungen und Zertifikaten nicht überprüfen“, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein. Die Apotheken hätten bundesweit gut 80 Millionen Zertifikate über das Apothekenportal ausgestellt, das seien nur etwa vierzig Prozent aller Impfzertifikate. Die Bürger erhalten das Impfzertifikat meist nach der Impfung beim Arzt oder im Impfzentrum. Alternativ kann man sich das digitale Zertifikat auch nachträglich in der Apotheke ausstellen lassen, wenn man sein gelbes Buch vorlegt.

Dennoch sieht der Apothekerverband verschiedene Ursachen, die die Lücke erklären könnten. „Möglicherweise wurden manche Impfungen nicht gemeldet. In vielen Fällen müssen Zertifikate wiederholt ausgestellt werden, weil etwa das Erst-Zertifikat verloren gegangen ist oder weil uneinheitliche, vom Ausweis abweichende Namensschreibweisen oder andere Fehler in bereits ausgestellten Zertifikaten korrigiert werden müssen“, erläutert Preis. Und es gebe weitere denkbare Ursachen: Möglicherweise seien Zertifikate für Genesene als Impfzertifikate miterfasst worden. Oder Zertifikate seien für Personen ausgestellt worden, die sich im Ausland mit einem in der EU zugelassenen Impfstoff haben impfen lassen.

Nun fordert der Apothekerverband Aufklärung: „Eine genauere Analyse der Zahlen können nur die öffentlichen Institutionen vornehmen, bei denen die kompletten Daten zu Impfungen und Zertifikaten vorliegen“, so Preis.

Das Robert-Koch-Institut wollte sich nicht äußern und verwies auf das Bundesgesundheitsministerium.