Nach langem Krebsleiden Christiane Herzog ist gestorben

Berlin (dpa/AP/rpo). Mit Trauer und Bestürzung haben Politik und Öffentlichkeit auf den Tod von Christiane Herzog (63) reagiert. Die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, die Deutschland von 1994 bis 1999 an der Seite ihres Mannes repräsentierte und die Mukoviszidose-Erkrankung in das öffentliche Bewusstsein hob, war am Montag einem langen Krebsleiden erlegen. Die Erkrankung, die schon in der Amtszeit von Herzog ausgebrochen war, war erst am Freitag öffentlich bekannt geworden.

Christiane Herzog war bis zu ihrem Tod Vorstandsmitglied der von ihr 1986 gegründeten Mukoviszidose-Hilfe. Zudem engagierte sie sich in der von ihr ins Leben gerufenen Christiane-Herzog-Stiftung, die ebenfalls Mittel für die Erforschung der Erbkrankheit und für die Betroffenen selbst zur Verfügung stellt. Bis zuletzt soll sie Kontakt mit Erkrankten, die sie zum Teil über Jahrzehnte kannte, gepflegt haben.

Das Ehepaar Herzog lebte nach dem Ausscheiden von Herzog in Dachau bei München in einem Appartement. Dem Vernehmen nach soll der ehemalige Präsident an der Seite seiner Frau gewesen sein, als diese starb. Aus der Umgebung Herzogs wurden keine weiteren Angaben zum Todeszeitpunkt gemacht. Auch wo die ehemalige "First Lady" gestorben ist, wurde nicht bekannt gegeben.

Herzog hatte bereits am Freitag seine Teilnahme am EU-Gipfel im portugiesischen Feira abgesagt. Er wollte dort den Staats- und Regierungschefs eine Bilanz der unter seinem Vorsitz bisher geleisteten Arbeiten für eine Grundrechte-Charta vorlegen. Die Absage wurde auf die Krebserkrankung seiner Frau zurückgeführt. Die Erkrankung soll bereits vor 1994 aufgetreten sein, wurde aber erst 1997 diagnostiziert. Sie soll allerdings nicht der Grund dafür gewesen, dass Herzog eine zweite Amtszeit abgelehnt hatte. Die Entscheidung sei vor der Diagnose gefallen, hieß es.

Rau würdigt Christiane Herzog als bemerkenswerte Frau

Bundespräsident Johannes Rau würdigte Christiane Herzog als eine bemerkenswerte Frau. In einer Erklärung heißt es, Christiane Herzog sei in ihrem Einsatz für andere, ihrer Freundlichkeit und ihrer Liebenswürdigkeit Vorbild gewesen. Bis zuletzt habe sie das Amt und die Aufgaben ihres Mannes vor ihre eigenen Interessen und Sorgen gestellt. Mit der Mukoviszidose-Stiftung habe sie die öffentliche Aufmerksamkeit auf eine tückische Krankheit und auf das Leid gerichtet, das vielen Menschen widerfahre. Sehr vielen habe sie helfen können.

Christiane Herzog sei den Menschen in Deutschland nahe gewesen, weil sie sich auch für die alltäglichen Dinge des Lebens interessiert habe, erklärte der Bundespräsident weiter. Die Vertretung Deutschlands und seiner Menschen nach außen und innen sei ihr so selbstverständlich gewesen wie die Aufgabe als Ansprechpartnerin für viele, die sich mit ihren Sorgen und Nöten an sie gewandt hätten. "Wir sind Christiane Herzog, die sich für unser Land mit großer Hingabe eingesetzt hat, in dankbarer Erinnerung verbunden", schließt die Erklärung Raus.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel nahm mit großer Bestürzung den Tod von Christiane Herzog zur Kenntnis. "Mit ihrer großen Menschlichkeit und ihrer Bürgernähe" habe sie sich "einen festen Platz in den Herzen der Bevölkerung erobert", erklärte Merkel in Berlin. Der FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt und Generalsekretär Guido Westerwelle sprachen dem Alt- Bundespräsidenten Herzog ihre tiefe Anteilnahme am Tode seiner Frau aus. Beide würdigten Christiane Herzog als ein "großes Vorbild für ehrenamtliches soziales Engagement".

Die Frau des ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Izchak Rabin, Lea Rabin, hat Christiane Herzog als "fantastische Frau, die schwer gearbeitet hat", gewürdigt. "Sie hat sich voll engagiert als Präsidentengattin und für ihre eigenen Projekte", sagte Rabin, die sich wegen einer für diesen Dienstag geplanten Benefizversteigerung für ein israelisches Krankenhaus in Berlin aufhält. Rabin ist selbst an Krebs erkrankt. Herzog war Schirmherrin und zuletzt Ehrenpräsidentin des deutschen Freundeskreises des Chaim Sheba Medical Centers.

Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Mukoviszidose, deren Vorstandsmitglied Herzog bis zu ihrem Tod war, hat die enorme Einsatzbereitschaft der Präsidentengattin hervor gehoben. "Christiane Herzog hat sich weit über das übliche Maß hinaus engagiert", sagte der Geschäftsführer der Gesellschaft, Michael Hartje. Herzog hatte 1986 den Verein mitgegründet.

Christiane Herzog, die Tochter eines Pfarrers, hatte Pflichterfüllung stets als eine Tugend dargestellt, die heute mehr beachtet werden müsste. "Unser größtes Problem in Deutschland ist doch, dass wir die Flügel zu sehr hängen lassen, uns zu sehr selbst bemitleiden, die Schuld bei anderen suchen, bevor wir fragen, was wir selbst tun können", hatte sie 1999 gesagt, kurz bevor ihr Mann aus dem Amt schied. Das Ehepaar Herzog hat darauf Wert gelegt, dass es eine Ehe führe, in der beide Seiten ihre Interessen verwirklichen können. Herzog hatte mehrfach betont, dass sie neben der Versorgung der Familie mit ihrem sozialen Engagement einen sie ausfüllenden Wirkungsbereich habe.

Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigte sich betroffen über den Tod von Christiane Herzog. "Deutschland trauert um eine wunderbare Frau, die sich für die Deutschen engagiert hat", sagte Schröder am Rande des EU-Gipfels am Montag in Feira. Alle europäischen Staats- und Regierungschefs hätten auf die Meldung mit Betroffenheit reagiert. "Unser Mitgefühl ist bei dem verehrten Herrn Altbundespräsidenten und bei seiner Familie", sagte Schröder.

(RPO Archiv)