„National Survey on Drug Use and Health“ Täglicher Cannabiskonsum überholt tägliches Trinken in den USA

New York · Zwar ist Alkohol gesellschaftlich noch immer weiter verbreitet als Cannabis, doch haben bei jenen, die viel trinken oder rauchen, inzwischen Marihuana und Co. die Nase vorn, wie eine Studie zeigt. Ein Psychiatrieprofessor sieht das mit Sorge.

Eine Frau hält einen Joint in der Hand (Symbolbild).

Eine Frau hält einen Joint in der Hand (Symbolbild).

Foto: dpa/Annette Riedl

Täglicher oder fast täglicher Cannabiskonsum ist in den USA inzwischen weiter verbreitet als ein ähnliches Niveau an Alkoholkonsum. Das geht aus einer Analyse von Daten hervor, die bei Erhebungen über vier Jahrzehnte gesammelt wurden. Die Erkenntnisse, die auf dem National Survey on Drug Use and Health basieren, wurden am Mittwoch in „Addiction“ veröffentlicht, einer Fachzeitschrift im Bereich der Suchtforschung.

Der Konsum von Alkohol ist demnach zwar noch immer weiter verbreitet. 2022 war jedoch das erste Jahr, in dem die intensive Nutzung von Cannabis den hochfrequenten Konsum von Alkohol hinter sich ließ, wie der Autor der Studie, Jonathan Caulkins von der Carnegie Mellon University berichtete, der zu Cannabispolitik forscht.

„Gut 40 Prozent der derzeitigen Cannabisnutzer konsumieren es täglich oder fast täglich, ein Muster, das eher mit Tabakkonsum als mit typischem Alkoholkonsum in Verbindung gebracht wird“, sagte Caulkins. Der Studie zufolge konsumierten im Jahr 2022 in den USA schätzungsweise 17,7 Millionen Menschen Cannabis täglich oder nahezu täglich - verglichen mit 14,7 Millionen Amerikanern, die in einer vergleichbaren Frequenz Alkohol tranken.

Von 1992 bis 2022 nahm die Pro-Kopf-Rate derer, die von täglichem oder fast täglichem Cannabiskonsum berichteten, um das 15-Fache zu. Der Trend spiegelt einen Wandel der Politik wider. Die meisten US-Bundesstaaten erlauben inzwischen den medizinischen oder anderweitigen Konsum von Cannabis, auch wenn es auf Bundesebene weiter verboten ist.

Die Forschung zeige, dass mit einem häufigeren Konsum auch eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Abhängigkeit von Cannabis einhergehe, sagte der nicht an der Studie beteiligte Psychiatrieprofessor David Gorelick von der University of Maryland School of Medicine. Die Zahl der täglichen Konsumenten lege nahe, dass bei mehr Menschen ein Risiko für einen problematischen Konsum oder eine Abhängigkeit bestehe, sagte Gorelick. Ein intensiver Konsum steigere auch das Risiko, eine Psychose zu entwickeln, bei der Betroffene den Kontakt zur Realität verlören, sagte er.

(esch/dpa)