Kanada: Engpässe kurz nach Start der Cannabis-Legalisierung 2018

Nichts mehr in der Tüte: Engpässe in Kanada kurz nach Start von legalem Cannabis-Verkauf

Schon einen Tag nach der Legalisierung des Cannabis-Verkaufs in Kanada hat die große Nachfrage zu Lieferengpässen geführt. Vor manchen autorisierten Geschäften warteten die Menschen stundenlang - um schließlich mit leeren Händen nach Hause zu gehen.

In den Provinzen Neufundland und Saskatchewan sowie im arktischen Territorium Nunavut wurde Cannabis am Donnerstag knapp. Das Cannabis-Portal der Regierung von Ontario warnte Online-Kunden vor Wartezeiten von bis zu fünf Tagen. Vor vielen Marihuana-Geschäften des Landes bildeten sich auch am zweiten Tag nach der Legalisierung lange Schlangen.

Unter den Wartenden vor einem Geschäft in Montreal war der 30-jährige Alexandre, der am Mittwoch bereits vergebens angestanden hatte. Nach sieben Stunden Wartezeit sei er um 21 Uhr abgewiesen worden. Die Polizei löste die Menschenmenge auf, ohne Zwischenfälle. "Es war die Hölle, es war kalt", sagte Alexandre. "Wir hatten aber trotzdem Spaß", fügte er hinzu.

Auch René Sylvain hatten wenig Erfolg: Nach fünfstündigen Wartens habe er unverrichteter Dinge wieder gehen müssen, sagte der Rentner, der vor einem Geschäft in der Straße St.-Catherine angestanden hatte. "Alle waren sauer." "Und heute Morgen bin ich seit etwa einer Stunde hier", sagte er am Donnerstag.

Die 41-jährige Geneviève Després war eine der Glücklichen, die es am Mittwoch bereits in ein Geschäft schaffte. Sie rauche normalerweise kein Cannabis, "aber weil es ein historischer Tag für Kanada war, dachte ich, ich versuche es mal", sagte sie AFP. "Ich habe das Leichteste genommen und es gestern Abend probiert - und mein Gott, es war die Bombe. Es war das Schwächste und ich bin um 2 Uhr eingeschlafen."

Kanada hatte am Mittwoch als weltweit zweites Land nach Uruguay vollständig den Verkauf von Cannabis legalisiert. Kanadischen Staatsbürgern ab 18 Jahren - in manchen Bundesstaaten liegt die Altersgrenze bei 19 Jahren - ist es seitdem erlaubt, per Bestellung oder in autorisierten Geschäften ein Gramm Haschisch für etwa zehn kanadische Dollar (4,30 Euro) zu kaufen. Der persönliche Besitz ist auf 30 Gramm beschränkt.

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In Kanadas bevölkerungsreichster Provinz Ontario wurden in den ersten Stunden nach der Legalisierung am Mittwoch 38.000 Bestellungen im Wert von umgerechnet etwa 750.000 kanadischen Dollar entgegengenommen. Der Umfang gehe weit über die Erwartungen hinaus, erklärte die Regierung der Provinz Québec, die 42.000 Bestellungen verzeichnete.

"Der Umfang der Bestellungen übertrifft bei weitem die Vorhersagen", teilte der staatliche Monopolist in Québec, SQDC, mit. Mangels Marktdaten bis Mittwoch sei es "schwierig" gewesen, die Nachfrage abzuschätzen.

In zwei kleineren Ost-Provinzen, Neuschottland und Prinz Edward Island, wurden am Mittwoch Umsätze in Höhe von 660.000 Kanada-Dollar beziehungsweise 152.000 Kanada-Dollar verzeichnet. Die 120 staatlich autorisierten Cannabis-Erzeuger würden nur 30 bis 60 Prozent der Nachfrage bedienen können, hatten Marktforscher bereits im Vorfeld der Legalisierung geschätzt.

Das kanadische Parlament hatte im Juni ein Gesetz gebilligt, das den Konsum und die Herstellung der Droge erlaubt. Kanada gehört schon zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Marihuana weltweit. Kritiker warnen vor gesundheitlichen Schäden durch den Cannabis-Konsum und vor einer Zunahme von Unfällen unter Drogeneinfluss.

Die Polizei in Winnipeg berichtete bereits von einer ersten saftigen Strafe wegen einer Cannabis-Fahrt: Einem Autofahrer seien umgerechnet 448 Euro Bußgeld aufgebrummt worden, weil er wenige Stunden nach der Cannabis-Freigabe bei Manitoba mit einem Joint am Steuer erwischt worden sei.

(mro/AFP)
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