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Cannabis - Gefahr durch Mischkonsum und synthetische Substanzen

Rausch, Mischkonsum und synthetische Drogen : Warum Cannabis auch abhängig machen kann

Cannabis-Produkte gelten als milde Rauschmittel. Aber die Wirkung der Drogen ist schwer vorhersehbar und bei jedem Menschen unterschiedlich. Auch das Zusammenspiel mit Alkohol oder Partydrogen kann gefährliche Folgen haben.

Marihuana soll demnächst als Genussmittel frei zu kaufen sein. So steht es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Wird dies höchste Zeit, oder birgt der Schritt Risiken? Fragen und Antworten rund um Cannabis.

Cannabis, Hasch, Marihuana – wo ist der Unterschied?

Alle drei Substanzen sind Bestandteile von Hanf. Cannabis ist der Oberbegriff und meint die komplette Pflanze. Hasch ist eine Mischung aus Hanf-Harz und Fasern. Als Marihuana bezeichnet man die getrockneten Blätter und Blüten der weiblichen Pflanze – im Volksmund heißt es „Gras“. Außerdem gibt es den Pflanzensaft, das Cannabisöl.

Wie wirkt Cannabis?

Der psychoaktive Bestandteil von Cannabis ist Tetrahydrocannabinol, kurz THC. Es entfaltet seine berauschende Wirkung erst beim Erhitzen. Wie intensiv diese Wirkung ausfällt, das ist bei jedem Menschen ein wenig anders und hängt immer auch von der Art und Menge des Konsums ab. Am häufigsten werden Hasch oder Marihuana geraucht („Joint“) oder in Keksen und Kuchen verarbeitet. Beim Rauchen tritt die Wirkung deutlich schneller ein. Hier geht der Wirkstoff über die Lunge direkt ins Blut. Das THC bindet sich dann an spezifische Rezeptoren im menschlichen Körper. Diese regeln etwa Bewegung, Gedächtnis, die Zeit- und Sinneswahrnehmung. Auch die Stimmung sowie Konzentration und Koordination werden dort gesteuert. Cannabis wirkt entspannend und hebt die Stimmung. Entsprechend wird die Wirkung oft als „high sein" beschrieben.

Aber Cannabiskonsum kann auch negative Folgen haben: Betroffene beschreiben Halluzinationen, Herzrasen oder sogar Panikattacken. Generell wirkt Marihuana etwa ein bis vier Stunden. Bei oraler Aufnahme tritt die Wirkung verzögert ein, kann dann aber plötzlich und heftig ausfallen. Die Wirkdauer liegt hier zwischen vier und zehn Stunden. Generell gilt: Je höher der THC-Gehalt in der Pflanze, umso stärker die Rausch-Wirkung.

Cannabis enthält außerdem andere nicht psychoaktive Substanzen wie etwa Cannabidiol (CBD). Dies kann die Wirkung des THC mildern.

Was ist mit medizinischem Cannabis?

Bereits seit dem Jahr 2017 dürfen Ärzte Pflanzen mit dem Wirkstoff THC aus medizinischen Gründen verschreiben. Immer sind dies aber absolute Ausnahmefälle. sie kommen erst dann zum tragen, wenn andere herkömmliche Therapien versagen. Vor allem in drei Bereichen kann medizinisches Cannabis Menschen helfen: In der Schmerztherapie, vor allem bei chronischen neurologischen Erkrankungen, bei Übelkeit, etwa während Chemotherapien, und auch bei Verkrampfungen (Spastiken) und Epilepsie berichten Betroffene von positiven Wirkungen. Aktuelle Studien legen auch eine mögliche Wirkung von Cannabis gegen Covid-19 nahe (die RP berichtete). Im Laborversuch konnten Bestandteile der Hanfpflanze das Coronavirus beim Eintritt in die Zellen ausbremsen. Insgesamt ist in vielen Bereichen die Studienlage noch dünn und der medizinische Nutzen nicht immer durch Daten untermauert, sondern häufig eher ein subjektives Empfinden der betroffenen Patienten.

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Macht Cannabis abhängig?

Cannabis gilt als sogenannte weiche Droge. Eine körperliche Abhängigkeit im klassischen Sinn ist deutlich seltener als etwa bei Alkohol oder Nikotin. Aber Experten warnen vor psychischer Abhängigkeit. Mit der Zeit tritt demnach eine Gewöhnung an die Wirkung ein, was den Konsum schrittweise erhöhe. Hohe Dunkelziffern eingerechnet, werden etwa fünf bis zehn Prozent der Konsumenten Cannabis-süchtig, so die Internationale Fachliteratur. Wird Cannabis schon im Jugendalter konsumiert, steigt die Gefahr einer späteren Abhängigkeit, schreibt die Techniker Krankenkasse. Bei regelmäßigem Konsum synthetischer Cannabinoide beschreiben Betroffene häufiger auch körperliche Abhängigkeitssymptome, etwa Übelkeit, Albträume oder Zittern.

Welche Folgen hat Mischkonsum, etwa mit Alkohol oder Ecstasy?

Mischkonsum ist generell ein Spiel mit ungewissem Ausgang. Mediziner raten hiervon generell dringend ab. Denn wenn Cannabis in zeitlicher Nähe mit anderen Suchtmitteln konsumiert wird, kann dies den Körper extrem belasten. Oftmals verstärkt sich die Einzelwirkung der Substanzen in unkontrollierter Art und Weise. Alkohol etwa verdeckt die Wirkung von Cannabis, was zu einem höheren Konsum führen kann. Dieser widerum kann die Alkoholwirkung verstärken. Studien in den USA ergaben außerdem, dass Personen, die gleichzeitig Alkohol und Cannabis konsumierten, mit höherer Wahrscheinlichkeit häufiger und schwerer tranken als Menschen, die ausschließlich Alkohol konsumierten. Auch eignet sich Cannabis nicht zum „Runterkommen“ von Partydrogen wie Ecstasy. Um von einem solchen Trip wegzukommen, nehmen manche Konsumenten gerne das entspannende Cannabis. Was sie subjektiv als Beruhigung empfinden, bedeutet für ihren Körper aber zusätzlichen Stress. Im Zusammenspiel mit Kokain verstärkt beziehungsweise verlängert Cannabis die euphorisierende Wirkung – mit unabsehbaren Folgen für das Herz-Kreislaufsystem.

Wie gefährlich ist synthetisches Cannabis?

Sie heißen „Spice“, „Smoke“ oder „Sense“ und werden als Kräutermischungen gehandelt. Tatsächlich enthalten sie künstlich hergestellte Cannabinoide in zum Teil gefährlich hohen Konzentrationen. Diese synthetischen Substanzen haben eine ähnliche Wirkung wie pflanzliches Cannabis. Aber ihr Konsum ist weitaus riskanter, denn: Das psychoaktive Potenzial der verschiedenen synthetischen Cannabinoide kann sehr unterschiedlich sein und ist kaum bekannt. Generell gelten synthetische Cannabinoide als stärker wirksam. Was genau sie im Körper anrichten, ist nicht vorhersehbar und kann individuell sehr unterschiedlich sein. Synthetische Cannabis-Produkte enthalten auch kein CBD, das normalerweise die psychotische Wirkung mildert.

Wo wird es Cannabis zu kaufen geben?

Cannabis aus dem Coffeeshop wird es auf absehbare Zeit in Deutschland nicht geben. Der Koalitionsvertrag sieht für Erwachsene eine „kontrollierte Abgabe in lizensierten Geschäften“ vor. Heißt konkret: Wer Cannabis künftig verkaufen möchte, muss entsprechend geschultes Personal haben, das die Kunden fachkundig über Risiken und Nutzen aufklären kann. Im Gespräch bisher sind hier Apotheken.