London, wie es höhnt und zankt: Brit Awards wurden zur Stunksitzung

London, wie es höhnt und zankt : Brit Awards wurden zur Stunksitzung

London (dpa). Schimpftiraden auf offener Bühne haben die diesjährige Verleihung der Brit Awards zu einer Stunksitzung werden lassen. Bei der Vergabe der begehrtesten britischen Pop-Preise am Freitagabend in London forderte Robbie Williams seinen Intimfeind Liam Gallagher von Oasis zu einer Schlägerei heraus, Ex-Spice Girl Geri Halliwell verspottete die vier noch aktiven Mitglieder der Gruppe, und Rolling-Stones-Gitarrist Ron Wood warf einem Diskjockey die hässlichsten Schimpfwörter und ein Glas Wasser an den Kopf. "London, wie es höhnt und zankt", hätte das Motto sein können. "Bei so viel Promi-Zwist gerieten die Awards selbst völlig zur Nebensache", kommentierte der "Guardian".

Ex-Take-That-Star Robbie Williams hätte sich eigentlich großmütig zeigen können, denn er bekam gleich zwei Awards für die beste britische Single ("She's The One") und das beste britische Video. Damit hat er nun insgesamt neun Trophäen im Schrank stehen und ist der meistdekorierte "Brit" in der 23-Jährigen Geschichte der Awards.

Doch damit hielt der 26 Jahre alte Williams sich nicht lange auf: Mit entschlossener Miene forderte er Liam Gallagher zu einem Boxkampf um umgerechnet 300 000 Mark (100 000 Pfund) auf: "Traust du dich oder kneifst du, du elender Schlappschwanz?" Gallagher hatte Williams vor zwei Wochen als "fetten Tänzer" beschimpft, woraufhin dieser ihm einen Trauerkranz als Beileidsbekundung für das neueste Oasis-Album schickte. Gallagher schwor daraufhin, ihm eins auf die Nase zu geben.

Die Spice Girls bekamen einen Sonderpreis für ihre Lebensleistung. Die vor zwei Jahren ausgeschiedene Geri Halliwell sorgte mit einem Soloauftritt für Furore: Sie stiefelte zwischen einer gigantischen Nachbildung ihrer gespreizten Beine auf die Bühne und ließ hinter sich vier pummelige Girls mit Einkaufswagen vorbeirauschen, die entfernt an ihre früheren Spice-Schwestern erinnerten. "Sie war entschlossen, den Spice Girls eins reinzuwürgen", erfuhr die "Sun" aus Geris Umgebung.

Die Prämierungen gingen fast unter. Die schottische Popgruppe Travis wurde zur besten britischen Gruppe gekürt und für das beste Album - "The Man Who" - ausgezeichnet. US-Soul-Sängerin Macy Gray heimste zwei Awards als beste internationale Solokünstlerin und Newcomerin ein. Die "Chemical Brothers", die gleich vier Mal nominiert waren, gewannen nur in der Kategorie beste Tanznummer.

Den meisten Applaus bekam an diesem Abend Tom Jones: Der 59 Jahre alte Großvater wurde inmitten des jungen Britpop-Gemüses als bester britischer Solokünstler geehrt. Der ehemalige Staubsauger-Vertreter, der seine weiblichen Fans seit nunmehr 37 Jahren mit rauchiger Keuchstimme und herausgekämmtem Brusthaar betört, war tief bewegt: "Ich habe in meiner Karriere eine Menge Preise bekommen, aber der hier übertrifft sie alle." Wenigstens einer, der sich freute.

(RPO Archiv)
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