Düsseldorf: Binnenschifffahrt kommt durch Eis zum Erliegen

Düsseldorf : Binnenschifffahrt kommt durch Eis zum Erliegen

Die Kältewelle hält Europa noch immer fest im Griff. Viele Wasserstraßen sind inzwischen zugefroren. Der Mittellandkanal und die Elbe sind gesperrt. In Nord- und Ostsee treiben Eisschollen. Die Nordseeinsel Spiekeroog muss zum zweiten Mal in ihrer Geschichte aus der Luft versorgt werden. Viele Urlauber sitzen dort fest. Vom ostfriesischen Neuharlingersiel wurde gestern eine Luftbrücke eingerichtet. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) machte wenig Hoffnung auf eine Entspannung auf den zugefrorenen Wasserstraßen. "Für die Nord- und Ostsee und die Binnengewässer haben wir rund 50 Eisbrecher. Diese Schiffe sind im Notfall den ganzen Tag im Einsatz", sagte Ramsauer unserer Zeitung. Bei tagelangem "Gefrierschrank-Wetter" türme sich das Eis aber immer höher, und an den Schleusen hülfen auch Heizungen nicht mehr weiter.

Ramsauer wollte bei anhaltender Kältewelle auch ein neues Bahnchaos nicht ausschließen. Es gebe zwar mehr beheizte Weichen und mehr Wartungshallen, aber Versäumnisse der Vergangenheit ließen sich über Nacht nicht wettmachen. Die Bahn habe einfach zu wenig Fahrzeuge. "Der Nachholbedarf ist groß", sagte Ramsauer. Beim Streusalz hätten Bund und Länder aber ihre Hausaufgaben mit zusätzlichen Reserven gemacht: "Der Winter schreckt uns also nicht."

In Italien starben seit Beginn der Kältewelle mindestens 40 Menschen. Die meisten Kältetoten gibt es im Osten Europas: In der Ukraine starben mindestens 135 Menschen. Mehr als 2400 Menschen liegen mit Erfrierungen in Krankenhäusern. In der Nacht zu gestern fielen auch in Polen sechs Menschen der Kälte zum Opfer, damit stieg die Zahl der Toten dort auf 74.

In Westeuropa finden viele Menschen hingegen auch Freude an der Kälte. In Hannover strömten gestern Tausende Schlittschuhläufer zum Maschsee, nachdem die Stadtverwaltung die Freigabe erteilt hatte. In Hamburg freuen sich die Bürger auf das erste Alstervergnügen seit 15 Jahren, das von morgen bis Sonntag geplant ist. Das Schlittschuhrennen "Elfstedentocht" in Leeuwarden wird hingegen am Wochenende nicht stattfinden können. Das Eis ist nicht dick genug.

Frühestens in der nächsten Woche könnte tagsüber vielleicht die Null-Grad-Marke geknackt werden.

(RP)
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