1. Panorama

Belgier belagern Dutroux' Ex-Frau im Kloster

Belgier belagern Dutroux' Ex-Frau im Kloster

Brüssel/Malonne (dpa) Die vorzeitige Freilassung der Ex-Frau und Komplizin des Kinderschänders Marc Dutroux hat in Belgien verbreitet Empörung ausgelöst. Bürger und Politiker machten ihrer Wut am Tag nach der Entlassung aus dem Gefängnis öffentlich Luft.

Im südbelgischen Malonne, wo Michelle Martin nun in einem Kloster lebt, fürchten Bürger um die Sicherheit. Der Direktor der örtlichen Schule, Guy Maquet, kritisierte die Unterbringung der Frau mitten im Einzugsgebiet der Schule mit 2500 Schülern: "Ich bin nicht glücklich mit dieser Lösung", sagte Maquet. Der Leiter des Kindergartens von Malonne, Pierre Meunier, sagte dem flämischen Fernsehen VRT, er fühle "Unverständnis und Wut". Der flämische Abgeordnete Jurgen Verstrepen machte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter den Vorschlag, einen Auftragsmörder auf Michelle Martin anzusetzen, berichtete der Sender VRT. Der Präsident des flämischen Parlaments, Jan Peumans, verurteilte den Aufruf, sah mit Hinweis auf die Meinungsfreiheit aber von einer Rüge ab: "Das ist Sache der Justiz", sagte Peumans dem Sender.

Um Übergriffe zu vermeiden, sind 15 Polizisten Tag und Nacht rund um das Kloster im Einsatz. "Sie haben die Aufgabe, die Ruhe im Ort zu wahren sowie Angriffe, Zerstörung oder einen Einbruch ins Kloster zu verhindern", sagte deren Leiter der belgischen Nachrichtenagentur Belga. Die Beamten hätten zwei Männer und zwei Frauen, die eine Absperrung durchbrachen, zurückgewiesen. Einen geistig verwirrten 80-Jährigen nahm die Polizei vorübergehend fest.

Etwa 50 erboste Bürger hatten am Dienstagabend vor dem Ordenshaus in der Nähe von Namur protestiert, als Michelle Martin in einem abgedunkelten Wagen ankam. Die 52-Jährige will künftig in dem Orden leben, ohne selbst Nonne zu werden. Die Menschen buhten sie aus. Bereits in den vergangenen Wochen waren in Brüssel und Malonne tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Freilassung der Ex-Frau des Kindermörders zu demonstrieren. Martin war als Komplizin Dutroux' zu 30 Jahren verurteilt worden, von denen sie 16 abgesessen hat. Der Kinderschänder hatte in den 90er Jahren sechs Mädchen entführt und gefoltert, vier von ihnen starben. Der Vater eines der toten Mädchen kämpft dafür, dass die Gesetze in Belgien geändert werden, damit Verurteilte in besonders schweren Fällen künftig nicht mehr bereits nach einem Drittel der verbüßten Strafe freikommen. Die Regierung hat bereits entsprechende Gesetzesänderungen angekündigt.

(RP)