Bastian Pastewka spricht über neunte Staffel "Pastewka"

Interview mit Bastian Pastewka : Ehrliche Worte - „Mein Talent ist begrenzt“

Der Comedian schlüpft wieder in seine Paraderolle: Ende Januar startet die neunte Staffel der Serie „Pastewka“.

Die Ähnlichkeit ist verblüffend: Bastian Pastewka sieht beim Treffen in Köln aus wie „Bastian Pastewka“. Er spricht auch so, selbst die Gestik stimmt. Aber er ist es nicht. Der Pastewka aus der gleichnamigen TV-Serie, deren neunte Staffel ab 25. Januar bei Amazon Prime Video zu sehen ist, hat mit dem echten Pastewka nur die Hülle gemein. Oder etwa nicht? Der Kölner Comedian laviert mit seinem Fernseh-Ich so nah an der Wirklichkeit, dass Verwechslungen vielleicht nicht erwünscht, aber auch nicht ausgeschlossen sind.

Sind Sie manchmal angeödet von Pastewka?

Bastian Pastewka Nein. Wir haben ja erst vor zwei Jahren die Arbeit wieder aufgenommen, mit der achten Staffel. Davor haben wir vier Jahre Pause gehabt. Ich kann nur jedem raten, der eine Serie produziert: Machen Sie mal vier Jahre Pause. Ein Jahr ist zu wenig, das fällt nicht auf, vier Jahre aber sind ideal, um einen frischen Blick zu bekommen. Und, großer Nutzen: Wir sind alle älter geworden. Wir schauen jetzt auf einen Pastewka, der eine handfeste Midlife Crisis erlebt hat. Wenn überhaupt nervt mich an der Figur die unerbittliche Rechthaberei, aber meine Frau wird Ihnen bestätigen: Nun, das habe ich auch im wahren Leben. Leider.

Viele Zuschauer trennen wohl auch nicht zwischen der Kunstfigur Pastewka und dem Privatmensch. Nervt das denn nicht manchmal?

Pastewka Überhaupt nicht. Das ist ja im Gegenteil sehr gut. Wenn die Menschen mich ansprechen, nehmen sie auf etwas Bezug, was sie gesehen haben, und das ist meistens die Serie „Pastewka“. Ich habe mal im Flieger gesessen und eine TV-Zeitung gelesen und Kringel an die Sendungen gemalt, die mich interessierten. Und der Typ, der neben mir saß, dreht sich zu mir und sagt: „Mein Gott, Sie sind ja wirklich so.“ Wunderschön, was Besseres kann mir gar nicht passieren.

Aber kann es nicht Probleme aufwerfen, wenn man so nah am wahren Leben entlang navigiert?

Pastewka Wenn mich ein Polizist auf der Kölner Zoobrücke anhält, weil ich möglicherwiese etwas zu schnell gefahren bin, hilft es mir nicht, schon mal im Fernsehen aufgetreten zu sein. Aber ich versuche, diesen ewigen Pastewka nicht vor mir her zu tragen, weil es auch glücklicherweise viele Menschen gibt, die die Serie gar nicht kennen. Und das ist auch völlig in Ordnung so.

Verwechseln Sie auch schon mal Rolle und Realität? Am Set zum Beispiel?

Pastewka Am Set auf jeden Fall. Da bin ich den ganzen Tag Pastewka und rede auch mit meiner Maskenbildnerin im Pastewka-Schnack. Die Ebenen verschmelzen tatsächlich. Mein Team hat sich daran gewöhnt und sagt, dann ist der jetzt eben so, dann hat er seine fünf Minuten.

Es werden aber keine Geschichten aus dem Freundeskreis verwurstet?

Pastewka Doch. Hin und wieder passiert das. Einer unserer Autoren hat uns eine unglaubliche Geschichte erzählt: Ein Kumpel sollte beim Arzt eine Urinprobe abgeben, aber er dachte, weil es sich um eine Fruchtbarkeitsuntersuchung handelte, er solle eine Spermaprobe abgeben, als er den Becher in die Hand gedrückt bekam. Das fanden wir so wahnsinnig bescheuert, dass wir das in eine unserer frühen Episoden eingebaut haben.

Wie lange lässt sich das erzählen?

Pastewka So lange der Alltag so viele schöne Vorlagen bereithält, geht das sicher noch. Und außerdem stützt sich die Serie auf ein großartiges, hochmotiviertes Ensemble. Aber ich entscheide ja nicht allein, wir werden jährlich verlängert und planen jedesmal so, dass unsere aktuelle Staffel auch die letzte sein könnte.

Woran werde Sie bei Amazon gemessen? Was vorher die Quote war, sind jetzt die Zugriffszahlen?

Pastewka Ich kenne die Zugriffszahlen nicht. Wir haben aber durch den Wechsel zu Amazon eine ganz neue Aufmerksamkeit bekommen. Das Tolle ist doch, und das kommt meinem privaten Weltherrschaftsplan entgegen, dass unsere neun Staffeln nun jederzeit verfügbar sind. Jetzt kann keiner mehr sagen, er hätte uns versehentlich verpasst.

Etwas Spaßbefreites wie einen „Tatort“-Kommissar zu spielen, kommt für Sie gar nicht in Frage?

Pastewka Wir haben in einer „Pastewka“-Folge – übrigens mit Dietmar Bär als Gast – schon erzählt, dass Bastian wohl keine Chance hat „Tatort“-Kommissar zu werden. Ich glaube nicht, dass ich eine Rolle zwingend deshalb übernehmen möchte, weil sie vorrangig spaßbefreit ist. „Morgen hör ich auf“ etwa habe ich seinerzeit gemacht, weil sich diese Mini-Serie genau auf der Grenze zwischen Komik und Ernst befand. Aber letztlich ist und war das bei „Pastewka“ auch nie anders. Humor kommt meines Erachtens immer aus dem Verlangen und dem Schmerz, etwas zu erreichen und sich zu verbessern, um dann fröhlich zu scheitern. Im Übrigen ist jedem klar: Mein Talent ist auch begrenzt. Ich bin ein Segment-Darsteller, kein Allround-Schauspieler. So ist es nun mal.

Es ist ja gut, wenn man seine Grenzen kennt, sonst ist der Imageschaden größer als der Gewinn.

Pastewka Dass Kritiker mich in Bausch und Bogen verreißen, ist mein kleineres Problem. Das habe ich auch schon bei meinen schönsten Comedy-Projekten erlebt. Gewinnen ist aber auch nicht mein Antrieb. Ich versuche, in verschiedenen Rollen und Figuren meine Komik oder eine Geschichte zu transportieren, das Ergebnis beurteilen glücklicherweise andere.

Wird Ihnen eigentlich reingeredet, oder haben Sie bei Amazon freie Hand?

Pastewka Wir hatten zu allen Zeiten unserer langlaufenden Sitcom das volle Vertrauen sämtlicher Partner. Ich halte mich für unbegrenzt teamfähig, und mein Ziel war es nie, irgendwo alleinig die Oberhand über die Sache zu halten oder der Boss zu sein. Tatsächlich genießen wir maximale künstlerische Freiheit, anders wäre die Arbeit auch nicht möglich.

Sie bekommen ein festes Budget und liefern am Ende ab.

Pastewka Was wir hin und wieder sehr gut können, ist, Budgets auch mal zu überziehen.

Was glauben Sie, wie sich der deutsche TV-Markt entwickelt? Wo stehen wir in zehn Jahren?

Pastewka Ich kann mir vorstellen, dass sich die Angebote noch weiter diversifizieren. Momentan verabschieden sich die großen Geschichten aus dem Kino und gehen in mehrteiligen TV-Serien auf. Das von mir hochgeschätzte öffentlich-rechtliche Fernsehen greift diese Strömung auf, etwa mit „Bad Banks“, „Hindafing“ oder „Babylon Berlin“. Die Dritten Programme, die noch vor 25 Jahren die Trends fürs Hauptprogramm entwickelt haben, erzählen für mein Empfinden leider seit Jahren nichts Neues mehr, sondern lullen uns mit Retro-Themen ein. Das Privatfernsehen dagegen traut dem Serien-Trend meiner Ansicht nach nicht und setzt stattdessen vorwiegend auf längst bekannte Show-Konzepte. Das wird sich in den kommenden zehn Jahren zwangsläufig ändern.

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